Ausgabe 
11.3.1903
 
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Ich halte das", entgegnete ich,für die seltsamste An­zeige, die jemals gedruckt worden ist."

O Bunny", antwortete Rassles lächelnd,so schlimm ist es doch wohl nicht, obschon ich zugebe, daß es eigen- türnlich aussieht."

Aber der Betrag!"

Der ist allerdings sehr hoch."

Und der heikle Auftrag die Gefahr?"

Ja, die Zusammenstellung reizt durch eine gewisse Offenheit, um das wenigste zu sagen. Was mir aber am eigentümlichsten vorkommt, das ist, daß Anfragen auf tele­graphischem Wege an eine Telegrammadresse erbeten wer­den! In dem Manne, der das ausgeheckt hat, steckt etwas, und in feinem Planchen nicht minder. Mit einem Worte: er weist die Millionen, die jeden Tag aus Anzeigen ant­worten, wenn sie das nötige Kleingeld ausbriugen können, von vornherein ab. Meine Antwort kostet mich fünf Shillings; allerdings habe ich auch die Rückantwort be­zahlt."

Du willst doch nicht sagen, daß Du Dich gemeldet hast?"

Na, und ob ich mich gemeldet habe!" erwiderte Rassles. Die zweitausend Pfund kann ich ebenso gut brauchen, als jeder andere."

Unter Deinem tvirklichen Namen?"

Nein, das nicht, Bunny. Ich wittere etwas inter­essantes und ungesetzliches hinter der Geschichte, und Du weißt ja, wie vorsichtig ich bin. Ich habe unterschrieben: Glaspool, Adresse: Hickey, Eonduct Street 38. Das ist mein Schneider, und nach Absendung meines Telegramms ging ich zu ihm und sagte ihm, was er zu erwarten habe. Er hat mir versprochen, mir die Antworc sofort nach Empfang zu senden, und ich würde mich gar nicht wundern, wenn sie das wäre."

Bei diesen Worten hatte er sich entfernt, noch ehe ein doppeltes Klopsen im Zimmer verhallt war, um im nächsten Augenblick mit einem offenen Telegramm und einem Gesicht zurückzukehren, worin zu lesen war, daß er Neuigkeiten habe.

Was sagst Du nun?" rief er.Security ist Wdeu- brooke, der Anwalt, und er möchte mich augenblicklich sprechen."

Du kennst ihn also?"

Nur vom Hörensagen, und ich hoffe nur, daß er mich nicht kennt. Er ist der Mensch, der sechs Wochen erhielt, weil er im Sutton-Wilson Prozeß zu hart am Winde ge­segelt war, und alle Welt war erstaunt, daß er nicht aus den Listen gestrichen wurde. Statt dessen ist seine Praxis in anrüchigen Fällen ganz kolossal gestiegen, und jeder Lump, der nur einige Aussicht hat, wendet sich sofort an Bennet Addenbvooke. Wahrscheinlich, i:st er der einzige Mensch, der unverschämt genug ist, «ine solche Anzeige zu ver­öffentlichen, aber auch der einzige, der das tun kann, ohne Verdacht zu erregen. Es schlägt eben in sein Fach, aber Du kannst Dich darauf verlassen, daß etwas dahinter steckt, das das Licht zu scheuen hat. Das seltsamste bei der ganzen Geschichte ist das, daß ich schon seit langer Zeit entschlossen bin, mich selbst an Addenbrooke zu wenden, falls mir ein Unfall zustoßen sollte."

Und Du willst jetzt zu ihm gehen?"

Sofort", erwiderte Reffles, indem er feinen Hut ab­bürstete,und Du gehst mitt"

Ich wollte Dich gerade zum Frühstück abholen."

Wir können zusammen frühstücken, nachdem wir mit diesem Menschen gesprochen haben. Vorwärts, Bunny, wir wollen uns unterwegs auf einen Namen für Dich besinnen. Ich heiße Glaspool, das vergiß ja nicht."

(Fortsetzung folgt.)

Die Feuerbrumien der neuen Petroleum-Negion,

(Nachdruck verboten.)

Seit der Entdeckung von Petroleum in großen Quanti­täten im Südwesten der Vereinigten Staaten haben mehrere Distrikte großen Schaden durch Feuer erlitten. Durch die Nachlässigkeit von Beamten der Petroleum- "gesellschaften, sowie anderer Personen sind Brände aus­gebrochen, welche sich über ausgedehnte Territorien ver­breiteten und nicht nur Bohrtürme, sondern auch Pump­anlagen und Reservoire zerstörten. Mehrere ungewöhnlich

große Brände kamen im Spindle Top Distrikt vor; vor einigen Monaten fing auch einer der größten Brunnen in der Jennings-Region (Louisiana) Feuer, welches erst mehrere Wochen nach Ausbruch desselben gelöscht werden konnte.

Infolge des außerordentlich leicht eiilzundlicheir Cha­rakters' der Anlagen, namentlich im Beaumont-Distrikt, muß die äußerste Vorsicht beobachtet werden, zumal ein großer Teil des Bodens buchstäblich mit Petroleum ge- ättigt ist.

Gegenwärtig schätzt man, einem Bericht von Day Allen Milley (Scient. Am.) zufolge, die Zahl der in Spindle Top im Betrieb befindlichen Brunnen aus 220; doch sind reichlich dreimal soviel Bohrtürme errichtet, von denen einige so eng zusammenstehen, daß sie fast einander be­rühren. Als die Springquellen zuerst eröffnet wurden, herrschte ein solcher Enthusiasmus über den großen Ertrag, daß mau den Inhalt einiger derselben in die Lust strömen ließ, nur um den Leuten ein interessantes Schauspiel zu bieten, Neugierige anzulocken und Reklame zu machen. Das Schauspiel zog auch ganze Scharen von Menschen aus der Umgegend herbei, und die Region wurde im, ganzen Lande berühmt. Ungeheure Mengen Erdöl wurden auf diese Weise verschwendet, denn man machte keinerlei Be­mühungen, den Ertrag in Tanks ober auch nur tn Ero- refertioire zu leiten. Das Petroleum verbreitete sich über die Oberfläche des Bodens, füllte die natürlichen Boden­senkungen in der Prairie und bedeckte sogar benachbarte Flußbetten. Man konstatierte, daß einige der großen Quellen, wie die Lucas-Quelle, volle 50 000 Barrels tn 24 Stunden ausströmen ließen. Es steht fest, daß insgesamt mindestens eine Million Barrels auf diese Werse ver­schwendet wurden. Dann vergingen noch Monate, bis man genügend Reservoire für den Ertag fertig zu stecken vermochte, während die Röhrenleitungen nach der See­küste erst fast ein Jahr nach der Entdeckung des Spinale ^op-Feldes vollendet wurden. Es wurden nicht nur große Tanks aus Metallplatten konstruiert, sondern auch Reser­voire in das Erdreich der Prairie gegraben und einfach mit Erddämmen umgeben, um das Ueberstromen dcw Petroleums zu verhindern. Während einige der Reser­voire durch Rohrleitungen gespeist wurden, wurde eine große Quantität Petroleum den Reservoiren durch schmale gegrabene Rinnen und Gräben zugeführt. frmey der Re­servoire, welchem man den NamenHiggtns' gegeben hatte, war mehrere Morgen groß und bildete tn der Tat einen Petroleumsee, dessen Tiefe an manchen ©teilen

6 Meter betrug.

Das Petroleum drang von den Gräben vielfach durch Bodenrisse und verbreitete sich so über wette Gebiete, auch platzten häufig nickt sorgfältig gerat g herge st elfte Rohrleitungen, sodaß eigentlich das ganze Gebiet weit und breit mit Petroleum gesättigt wurde, ^n mehreren Fällen genügte das Fortwerfen eines brennenden Streich­holzes, um die unheilvollsten Brande hervorzurufen. ~er erste Brand in dem Texas-Feld ist nach Aussage von Zeugen durch einen Mann verursacht worden, welcher mtt einer brennenden, geöffneten Laterne tn einen Klartank ging. Die mit dem flüchtigen Petroleum in Berührung kom­mende Flamme führte sofort die Explosion herbei, ^urd) eine andere Explosion wurde brennendes Petroleum g^gen mehrere Bohrtürme geschleudert, welche nach Aussagen von Zuschauern auf flammten, als ob sie von Zunder waren. Funken flogen in einen 4000 Barrels _ haltenden Tank, welcher in wenigen Stunden tn eine formlose Metals mässe verwandelt war. Dieses Feuer zerstörte mtsachl eh alle Anlagen, welche zehn Morgen des wertvollsten Teriw toriums bedeckten, und wütete vierzehn Tage laug Das arößte Feuer in der Geschichte de» Texas-Feldiw uar zweifellos dasjenige, welches im September vorigen ^ahics in dem sogenannten Hogg-Swayne-Gebiet ausbrach. Zu gleicher Zeit standen fünfzig Quellen in Flammm, und mehr als hundert Bohrtürme wurden zerstört, wahrend zwanzig in der Nähe beschäftigte Arbeiter ums Leben ^'"Merkwürdig ist es, daß man anfangs in dieser Region nickt mit den einfachsten Mitteln zur Bekämpfung des Feuers vertrant war, obwohl mau doch in Amerika hin­reichend Erfahrungen nack dieser Richtung hin Ö^fcvmn;eTt hatte. Anfangs versuchte man, das Feuer mit Waster zu löschen, machte aber dadurch die Sache natürlich noch schlimmer Erst später kam man zu der Einsicht, daß