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über die Welt gekommen ist? — Im selben Augenblick, als Guenn stolz und ftoh aus dem Torweg trat, suhlte sich die kleine Frau oben, die vom Fenster aus das junge Mädchen dreimal hatte kommen und gehen sehen, von Neugier hinuntergetrieben.
„Was suchst Tu hier?" fragte sie nicht unfreundlich, aber doch mit jenem geringschätzigen Blick, wie ihn verblühte Frauen wohl auf frische, jugendliche Mädchen zu werfen pflegen.
„Nichts", war Guenns kecke Antwort.
„Wartest Du hier auf jemand? Bist Du vielleicht ein Modell?"
Dieses Ausfragen erregte Guenns Aerger. „Nein", stieß sie heftig hervor.
„Wenn Du gern eines werden möchtest — ich kenne Monsieur Hamor, er ist sehr liebenswürdig. Oft steht er hier unten und plaudert mit mir." Die kleine Fran blickte befriedigt umher. Guenn, die bei ihren Worten purpurn erglüht war, begann unruhig zu werden; sie hätte die geschwätzige, kleine Person zum Schweigen bringen mögen -- und doch trug sie Verlangen, mehr erfahren.
„Ich könnte Dich mit hinaufnehmen", fuhr jene ahnungslos fort, „ich muß so wie so hinauf zu ihm, da ich morgen nach Quimper fahre und er etwas von mir Mstgebracht haben will. Wenn ich Dich hinaufbringe, malt er Dich vielleicht; Du brauchst Dich nicht zu fürchten, wenn ich mitgehe." " "
(Fortsetzung folgt.)
Bunte Erinnerungen
aus einer diplomatischen Laufßaßrr.
r, Andrew D. White, der gewesene amerikanische Bot- Master ni Berlrn, veröffentlicht im Newyorker „Century Magazme ferne reizenden Erinnerungen und erzählt u. a. folgendes:
Meine Bekanntschaften in Berlin erstreckten sich bis in Krerse, rn denen meine diplomatischen Kollegen nur ge- kegentlrch verkehrten, hauptsächlich unter Professoren der Umversstat und anderen Zierden und Leuchten der Wissenschaft und Kunst. Rückwärts schauend kann ich an drei Generationen Berliner Professoren bewundernd und voll Sympathie zurückdenken: 1855-1856, da ich als Student in isq?111 iq™ e<J^20)7^881 als bevollmächtigter Minister und x897 u?,9,02 "A Botschafter. Tie Professoren und Gelehrten der zweiten dieser Perioden schienen mir die bedeutendsten 8lt eine herrliche Sammlung hervorragender Männer , Ich denke mit großem Vergnügen an Ltpsius, den berühmten Aegypthologen und interessanten Sprecher, und Curtrus, den eminentesten Kenner des Griechischen, der damals ganz von den Ausgrabungen in Olympia in Anspruch genommen war. Eines Weuds bei Hofe erschien er rmf" Ie2te Gewohnheit trübselig und zerstreut, und
/^nehmende Frage vertraute er mir an, daß Bismarck die Appropriationen für die Fortsetzung der Ausgrabungen -gestrichen habe. Wer später erhellten sich seine Zuge: er hatte Gelegenheit gefunden, Kaiser Wilhelm sein ~etb ä« klagen, und der edle Monarch hatte versprochen, die Ausgrabungen aus eigenen Mitteln fortsetzen zu lassen Ein anderer memer guten Freunde war Rudolf Gneist, die eminenteste Autorität seiner Zeit im römischen Rechte und eiiglischer Verfassung. Er hatte im Streitfälle zwischen den Vereinigten Staaten und England betreffs der nordwest- W” Grenzen im Auftrage Kaiser Wilhelms als Schieds- ^fchEer fungiert, und seine Erstscheidung war zu unseren
ausgefallen. Ich hatte das Vergnügen, ihm in Anerkennung seiner mühevollen Arbeit eine ganze Bibliothek derf kostbarsten Bücher über amerikanische Geschichte seitens
überreichen, welchem Auftrage ich Vergnügen nachkam. Auch die Bekanut- hervorragendsten Historikern v. Sybel und
D h s e n brcufjte mir t)iel beA Sltixcocitbcit war mir folgende Periode. Ich hatk ebdn LaMeys Läe
Ti S6 ft2LMert' Welches Werk ich Herste noch als eines der belehrendsten und interessantesten des 19 a£^e' b' Sybel ins Zimmer trat. Auf M^s'^rage nach dem genannten Buche erwiderte er: „Das — Geschichtswerk genannt zu werden
- urchts als eine Rhapsodie." Kurz darauf trat Droysen zu mir ein Md 'aus dieselbe Frage erwiderte er
| ^bhaft: „Ja, das ist eine wahre Geschichtsschreibung. Es I fst das Werk eines Genies, eines jener Bücher, das aeeignet ist, Licht in eine dunkle Epoche zu werfen — das Buch wird leben bleiben."
Professor Hermann Gr imm stand damals im Zenithe seines Rufes, und seine Götter waren Goethe itub Emerson, aber in der Behandluiig der kleinen Widerwärtigkeiten des Lebens strebte er diesen großen Geistern wahrhaftig nicht nach. Wer ihn zu sich zu Tische eiulud, konnte sicher sein, nut hundert Fragen überschüttet zu werden, wie viel Lichter im Speisesaal wären, wo dieselben angebracht seien, welche Gerichte aufgetragen sein würden rc., und von der Beantwortung dieser Fragen hing die Au- nahme oder Zurückweisung der Einladung ab. Eutziickend war seine Frau, und als ich meinen Enthusiasmus über dieselbe ernst einem Tischnachbar gegenüber zum Ausdruck brachte, erwiderte dieser: „Kein Wunder, Frau Grimm ist ja die Tochter der Bettina, an die Goethe seine „Briese aii ein Kind" gerichtet hat."
Ein anderer bedeutender Historiker war Treitschke, der auch als Parlamentarier hervorragend war. Nur seine Taubheit beeinträchtigte den Verkehr mit ihm: er führte stets Bleistift und Papierstreifen mit sich, mit deren Hilfe er die Konversation führte. Besonders interessante Persönlichkeiten, denen ich bte wertvollsten Informationen und Anregungen verdankte, waren mir die berühmten Gelehrten Du Bors-Reymond, der große Biologist, und die großen Physiker Helmh oltz und H o sfm ann (bekanntlich ein geborener Gießener. D. Red.) Im Übrigen verkehrte ich auch viel mit Professoren außerhalb Berlins, namentlich in Leipzig, Gießen, Halle und Heidelberg. Der Historiker Oncken flößte mir das größte Interesse ein: als Vortragender war er direkt vollkommen, und oft riet ich den amerikanischen Studenten, ein oder mehrere Semester in Gießen zuzubringen und seiner lichtvollen Präsentation ge- schrchtlicher Themata zu lauschen. In Deutschland hatte ich nie einen größeren Meister des Vortrages gehört, und außerhalb Deutschlands Mächte ich höchstens La- boulaye in Paris, Seelye in Canrbridge und Goldwin Smith in Cornell ihm an die Seite stellen.
Nicht geringere Anregung verdankte ich den Männern der Lrteratur. Am besten kannte ich Berthold Auerbach, den Autor der berühmten „Schwarzwälder Dorfgeschichten". Er war ein warmer persönlicher Freund Bayard Taylors gewesen, und diese Freundschaft ging zu meiner Freude als Erbschaft auf mich! über. Wie oft bin ich mit ihm durch den Tiergarten spazieren gegangen, wie oft hatte er meine Wohnung durch seinen sonnigen Humor erhellt. Nur einmal sah ich ihn verdrießlich und erregt, als er von der Enthüllung der Statue Spinozas aus dem Hana zurückkehrte. Der Mob hatte ihn nebst Renan und Kuno Fischer, welche die Festreden halten sollten, beinahe gelyncht — Calvinistischer Muckergeist im Vereine mit Rab- biner-Fanatismus wollte es verhindern, daß das Standbild des großen Atheisten enthüllt werde. Auch Julius Rodenber gs Verkehr suchte ich gerne auf; seine „Ber^- lrner Erinnerungen" sind mir noch immer das beste, was über diesen Gegenstand geschrieben wurde.
Innige Freundschaft verband mich mit dem kleinen großen Knaus. Ws mir der unansehnliche, bescheidene Mann zum erstenmale vor Augen kam, wollte ich die Verwirrung der unscheinbaren Persönlichkeit bannen und fragte ihn daher höflich, ob er vielleicht ein Verwandter des berühmten Malers sei. Er wurde rot und stammelte verwirrt: „Ich bin ja Maler, aber ich weiß nicht, ob ich berühmt bin." Er war es also selbst. Ich sah viele seiner berühmten Merke entstehen, namentlich das herrliche „Hinter den Couliffeu". Leider entging dieses Wtzrk dem timt mir angestrebten Schicksale, in amerikanischen Besitz überzugehen. Tie musikalischen Abende im Hause Karl Beckers werden mir stets unvergeßlich bleiben. Von seinem Gemälde „Tie Krönung Ulrichs von Hutten" durfte ich eine Kopie nehmen lassen, und als ich den Kops des auf demselben befindlichen Bischofs nicht genug bewundern konnte, sagte er: „Tiefer Bischof ist das getreue Wbild des Sakristans einer alten Kirche in Venedig — der würdigste Priesterkopf, den ich je gesehen habe." Wahre Lichtpunkte waren meine freuno- schaftlichen Beziehungen zu Anton v. Werner und Adolf M e n z e I. Als ich zum erstenmale Menzels Studierzimmer betrat, fiel mir ein fast vollendetes Gemälde auf: „Friedrich der Große in Beratung mit seinen Generälen". Nur


