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kann mir nicht helfen, ich werde ihn lieb haben, so lange ich lebe! Aber Sie dürfen nicht böse mit mir sein —"
„Böse?" sagte Alice, sie umarmend, „nein, ich würde böse sein, wenn es anders wäre, da er selbst Sie so sehr liebt, und nie einer andern seine Liebe schenken würde. O, Jane, denken Sie nach, war er der einzige Mann, welchen Sie geliebt haben? Erinnern Sie sich an keinen andern?"
Jane konnte keine Antwort geben, zitternd lag sie da, und starrte Alice mit großen, unruhigen Augen an.
„Haben Sie jemals etwas von Willy Smith gehört?" fragte Alice errötend. „Gut, ich lernte ihn damals im Seebade kennen; er erzählte mir von einer gewissen, unartigen, kleinen Dame, welche seine Braut gewesen war. Er war sehr traurig und sehr unglücklich zuerst; Mer nach einiger Zeit--er fragte mich dann nicht, und ich
glaubte, er mache sich nichts aus mir. Aber jetzt vor dem Fest sahen wir uns wieder, und — und — wir sind jetzt sehr glücklich, Jane! Er gab mir den Diamantring. Sir Harry wußte, daß ich mit Willy verlobt bin, aber er hat mein Geheimnis bewahrt, Hanna habe ich es gestern gesagt. Er und ich schlossen einen geheimen Bund, bevor wir zum Fest herkamen; einem gewissen, dummen, kleinen Mädchen gegenüber sollte ich mich als seine Braut stellen, es sollte eine letzte Prüfung für Dich sein und--Nun,
Tu verstehst mich! Willst Du uns verzeihen? Wir waren hart genug bestraft gestern, als wir sähen, wozu wir Dich, unfern Liebling, getrieben hatten. Du Treue! Du edelmütige, dumme, kleine Närrin!" fügte sie lachend hinzu, um ihre Tränen zu verbergen. „Als ob er, da er einmal Dich liebte, noch für mich Liebe haben könnte! Und nun, Jane, um mich glücklich zu machen, mußt Tu erst glücklich sein. — Willst Du mich erwürgen, kleine Freundin, und mit Deinen Küssen ersticken? Nein, nein, ich habe nichts getan, dieselben zu verdienen. Sei nicht so freigebig damit. Du behältst sonst keine für Sir Harry übrig. O, das werden glückliche Weihnachtsfeiertage für uns werden, Jane!"
Jane konnte kein Wort erwidern, aber der stumme Truck ihrer Hände, der leuchtende Glanz ihrer glückstrahlenden Augen waren beredt genug.
Harry Nates war während der Zeit wie ein gefangener Löwe im Zimmer auf und niedergegangen. Alice hatte ihm zwar versichert, daß es besser gehe, aber er war ängstlich und unruhig.
Es war ein herrlicher Morgen, so ein richtiger, schöner, klarer Weihnachtstag, Ter Himmel war blau und wolkenlos, die Sonne schien hell und blendend auf beit weißen Schnee, auf die bereiften Bäume, es war ein köstlicher Anblick. Doch der junge Mann wendete sich schauernd vom Fenster ab, fast haßte er den kalten Schnee, welcher beinahe sein ganzes Glück begraben hätte.
Als er sich herumdrehte, öffnete sich die gegenüberliegende Tür. Noch ein wenig geblendet von deni blitzenden Schnee, schritt er hastig vorwärts, in der Meinung, es sei Alice, welche eintrat. Aber nicht Miß Durham erschien, sondern ein anderes, kleines, schlankes Mädchen, mit einem eleganten Hauskleide aus dem Vorrat der zukünftigen Mrs. Smith bekleidet, stützte sich gegen den Türpfosten und kam dann langsam mit niedergeschlagenen Augen näher.
Laut aufjauchzend zog Sir Harry die bebende, kleine Gestalt in seine Arme, au sein Herz. Jane schmiegte sich fest und vertrauensvoll an ihn, beide waren stumm vor übergroßem Glück. — Und nicht lange darauf brachte Sir Harry eine junge, schöne Gattin nach Aates-Hall, wo beide ein glückliches, segensreiches Leben führen. Sie sehen häufig Gäste von den benachbarten Besitzungen bei sich, unter denen Mr. und Mrs. Smith ihnen die teuersten sind. Tiefe sind nach Jane's Meinung ebenso glücklich wie sie selbst, so glücklich wie niemand sonst in der Welt.
Eine Studienreise nach Nordostdeulschland.
Von Tr. K. in H.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
In der Frühe des 5. September führte ein durch die Güte eines Königsberger Großkaufmanns zur Verfügung {gestellter eigener Schleppdampfer die Mitglieder der Exkur- ion durch den Königsberger Seekanal nach
Königsberg. Der Kanal, der vor wenigen Jahren mit einem Kostenaufwand von 13 Millionen Mark zwischen Pillau und Königsberg auf eine Tiefe von 7 Meter ausgebaggert worden ist, soll Königsberg zum Seehafen machen. Doch war an diesem Morgen von Verkehr nichts zu sehen. Da für den Aufenthalt in Königsberg von zwei Familien an Herrn Professor Sievers und seine Begleiter für den Mittag resp. Abend Einladungen ergangen waren, mußten die wenigen Stunden des Tages, die für die Besichtigung der Stadt noch übrig blieben, recht ausgenutzt werden. Während in den Vormittagsstunden die innere Stadt mit Börse, Schloß, Universität, Dom, Palaestra Albertina ufw. besichtigt wurden, führte der Nachmittag die meisten Herren in die neueren Anlagen Königsbergs, den Hufen und den Tiergarten.
Am 6. September ging es mit einem Frühzug der Ostbahn (Königsberg-Justerburg) nach dem 5600 Morgen großen Rittergut Kap keim. Wagen des Gutes brachten am Vormittag die Exkursion nach dem Zehlau-Bruch, einem gewaltigen Moor, der in ungeheurer Ausdehnung sich südlich vom Pregel über die Frischling-Niederung hinzieht. Auf Einladung des Gutsherrn verbrachten die Teilnehmer den heißen Sonntagnachmittag auch auf dem Gut. Die Hoffnung, gegen Abend Elche, die in denGutswaldungen stehen, sehen zu können, wurde leider nicht erfüllt.
Nach herzlicher Verabschiedung von der überaus gastfreien Gutsherrschaft wurde am 7. September schou um 5.50 Uhr der Zug nach Königsberg bestiegen, von wo es nach Braunsberg und Frauenberg weiter ging. Nachd^^^ hier in den glühendheißen Mittagsstunden der Dom, eii^ schöner, gotischer Backsteiubau, in dem das Grab des Koperni- kus sich befindet, besichtigt worden war, wurde die Hafsufer- bahn entlang dem Frischen Haff bis Sabinen, dem neuen Landsitz des Kaisers, benutzt. Ter Weg führt dann von der Station an der kaiserlichen Ziegelei, den schmucken Wirtschaftsgebäuden und dem einfachen Herrn- haus vorüber durch die Parkanlagen aus der Strandebene heraus auf die Uferberge, von denen sich schöne Ausblicke auf. die kaiserliche Besitzung, das Haff und Nehrung boten. Jenseits der kaiserlichen Ziegelei führte ein Fußweg wieder die Uferberge hinauf durch prächtige, an den Hängen einer tief eingeschnitteneu Erosionsschlucht hinzieheu.de Buchenbestände, die „heiligen Hallen", hindurch nach dem Forsthaus Pauklau. Nach kurzer Rast begann von hier aus eine schöne Wanderung in der Abendkühle über die Höhe bei Linz en, von wo man weithin das Mündungsgebiet der Nogat, das fruchtbare „Werder", übersehen konnte, nach Reimannsfelde, der nächsten Station der Haffuferbahn. Erst fpät am Abend wurde Elbing er- Tcid)t.
Nur flüchtig konnte in der Frühe des 8. S e p t e m b e v diese Stadt selbst besichtigt werden. Eine Fahrt mit der elektrischen Bahn durch die sehr belebten und schönen Straßen mit den stattlichen Läden und großen Fabrik- . gebäuden ließ Elbing als eine lebhafte Handels- und Industriestadt erkennen. Schon um VsÖ Uhr wurde Marie u- burg, die einstige Residenz der Hochmeister des deutschen Ordens, erreicht. Tas ungünstige Bild, das diese Stadt beim Betreten vom Bahnhof aus zeigte, wurde bald verwischt durch den gewaltigen Eindruck, den das Schloß, das „edelste Denkmal weltlicher Baukunst des deutschen Mittelalters", auf die Besucher machte. Unmöglich war es, bei der IV2 stündigen Besichtigung des Innern die einzelnen Sehenswürdigkeiten in ihrer ganzen Schönheit festzuhalten. _ ,
Nach einem Gang durch die alte Marktstraße nut den für Marienburg charakteristischen „Lauben" bestieg die Exkursion den Zug in der Richtung nach Riesenburg und fuhr nach dem westpreutzischen Gut „Grüufelde" beiSchroop, um einer Einladung des Gutsherrn und des Gutspächters. Folge zu leisten. Unter ihrer Führung wurde das Gut, das kleiner als das ostpreußische Rittergut „Kapkeim" war und deshalb andere, aber ebenso interessante Verhältnisse zeigte, besichtigt. Ter Nachmittag und ein Teil des Abends wurden in der gastlichen Familie des Gutspächters verlebt. Nach einem kleinen Kommers brachen die Teilnehmer gegen 9 Uhr auf und fuhren über Marienburg und Tirjchau nach Danzig.
Am 9. September wurde vormittags die elektrische Bahn bestiegen, die durch die Vorstadt Langfuhr an der neuen technischen Hochschule und den großen Kasernen-


