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Hart und schneidend klang es, dieses kurze Wörtchen: Wann?"

Tas fragen Sie sie selbst; ich habe keine Antwort darauf. Nikolai Pawlowitsch, werden Sie mir helfen? Werden Sie der armen, angstvollen Gattin, Ihres einstigen Freundes ein Freund sein?"

Immerdar!"

Es war fast, als ob eine Thräne durch den leuchtenden Blick des Mannes schimmere, der bewundernd die junge, hochherzige Frau betrachtete.Immerdar", wiederholte er innig.Gestatten Sie niir jetzt für Sie zu denken, für Sie zu sorgen, Ihnen die Wege zu ebnen. So schnell als möglich soll Ihnen die Audienz bei unserer gütigen Fürstin gesichert sein."

Und soll ich dieser unsere heimliche Vermählung ver­trauen? Raten Sie mir?"

Nikolai sann einen Augenblick nach; dann sagte er bestimmt:Sagen Sie der Zariza alles erzählen Sie der hohen Frau aufrichtig Ihre ganze Geschichte."

Nikolai Karin hielt Wort. Sobald die beiden Ems erreicht hatten, bahnte er Clarita die Wege. Seine Be­mühungen hatten ein glänzendes Resultat. Bereits fol­genden Morgens nach dem Brunnengange beschied die hohe Tame die junge Fremde vor sich. Clarita stand vor der Zariza. Deren Huld und Güte verscheuchte jegliche Be­fangenheit ihr alter Mut kehrte zurück. Sie wußte ja, wessen Sache sie führte. Sie sprach für ihren Gatten. Warm und innig quollen ihr die Worte aus dem Herzen, die wiederum tief eindrangen in das kaiserliche Herz der hohen Dame. Eine Frau sprach zu der der andern, eine Gattin zu einer Gattin. Die Geschichte, der Mut, die Aus­dauer Claritas bewegten die Zariza, sie fühlte sich selbst ergriffen dadurch, aber sie prüfte doch genau die wichtigen Schriftstücke, und drohende Schatten finsteren Unwillens lagerten sich auf ihrer hohen Stirn bei der notwendigen Erwähnung von Wera's Anteil an der Sache. Die Kaiserin haßte die Jntrigue, über ihr ganzes Antlitz flammte daher eine jähe, zornige Röte, als sie durchdringend sagte: Ich denke, Wera Sergewna Maffowsky wird sich hüten, noch einmal vor meinen Augen zu erscheinen. Unsere Ungnade ruht auf ihr. Das von ihr angerichtete Unheil möglichst auszugleichen, wird indes meine Sorge sein. Sie, wie der arme kranke Feodor Iwanowitsch, sollen nicht vergeblich unsere Vermittelung erfleht haben. Sie sind -eine treue, starke Frau von seltener Standhaftigkeit bei Ihrer Jugend."

Wohlgefällig ruhte der Blick der hohen Frau auf der schönen, bei jenem Lob tief errötenden Clarita.

Gewiß", nickte die huldvolle Zariza, deren Interesse durch die gewinnende, jugendliche Erscheinung der jungen Fremden noch erhöht worden.Sie sind Unserer Hilfe versichert. Heute schon soll eine Depesche nach Peters­burg abgehen. Binnen kurzem wird Ihr Gatte frei, und Werden die nötigen Schritte eingeleitet sein, ihm alle seine Rechte zurückzugeben." Ueberaus gnädig bot sie der lieblichen jungen Bittstellerin ihre feinen Finger­spitzen zum Kusse dar.Kommen Sie in acht Tagen wieder nach Ems, um sich selbst die neuesten Nachrichten aus Petersburg zu holen, Frau, von Ornatoff." Ein freundliches Lächeln, ein huldvoll gnädiger Wink, und Clarita von Ornatoff war entlassen. Die Zariza hatte sie zuerst Frau von Ornatoff genannt, der Name, die ent­haltene Anerkennung, das ganze über alles Erwarten glückliche Resultat zu dem allerdings des alten Roman­zows gestriger, Nikolai Karin abgelauschter Bericht tapfer vorgearbeitet hatte, überwältigte Clarita.

Wie fie aus dem Audieuzzimmer durch die eleganten Vorgemächer kam, wie sie sich von der dort harrenden Ehrendame verabschiedete, und in dem weiten Flur an all' den dienstthuenden Posten vorüber gelaugte, um sich endlich draußen in den Anlagen der vier Türme Nikolai Karin gegenüber zu finden, der sie sorglich zu einer Bank führte --- das alles wußte sie nur wie im Traum. Füglich hätte sie mit Goethe's Tafso ausrufen können: Im Glück verläßt sie mich, die Kraft, die standhaft mich dem Unglück, stolz dem Unrecht begegnen ließ."

Kaiserliche Botschaften flogen durch die Lande. Die Ordre der Zariza bedurfte nicht langer Zeit, um ihren Weg nach Petersburg, uni» von dort nach den sibirischen Minen zu finden, wo der Name des verurteilten Alexis

Ornatoff zu einer Nummer herabgesunken war. Aus aller­höchsten Befehl suchte man nun die Nummer, und fand sie in der Totenliste.

Ahnungslos, welch ein Bescheid sich für sie vorbereitete, verbrachte Clarita die Tage voll spannender Erwartung am Krankenbette Feodors. Sie hatte ihm alles mitgeteilt, auch ihr Geheimnis. Wie sie vorhergesehen, war er selig darüber er nannte sie seine süße Schwester. Voll tiefen inneren Glückes ries er der an seiner Pflege beteiligten Schwester laut jubelnd zu:Denken Sie, welche ein Glück! Nicht nur der Bruder wird mir wiederNegebeu> gleich dazu noch eine Schwester, und diese Schwester ist meine Clarita!"

Weniger enthusiastisch nahm Wera die Mitteilung auf, Tie alten, feindseligen Gefühle schlummerten nur in ihr, und zwar leicht genug, wo sie der Schonung von feiten der Kaiserin versichert war, und es mit Feodor anscheinend! besser ging, sich auf's neue zu regen. Sie beneidete Clarita, und fürchtete sie. Als Alexis anerkannte Gattin stand dieselbe reich und geehrt der Welt, insonderheit dem Gesellschaftskreis gegenüber, den sie selbst durch ihre Schuld erniedrigt, meiden mußte. Indes eben das Be­wußtsein dieser Schuld blieb bei ihr doch noch mächtig genug, um dem bösen Geiste in ihr die Wage zu halten, und sie vor jeder Aeußerung ihrer mißgünstigen Gefühle zu bewahren. Ter Ueberreizung ihrer Nerven war ohnehin eine gänzliche Abspannung gefolgt. An Stelle der nagen­den Ruhelosigkeit hatte sich nun, da der entscheidende Schritt geschehen war, eine Art Erschlaffung ihrer bemächtigt, Claritas hochherziger Rücksicht, der Geduld, mit der die­selbe die peinliche Gegenwart der schuldigen Frau ertrug, und deren Kind mit unveränderter Liebe pflegte, dem allem begegnete sie wie stumpfsinnig. Stumpf und teil­nahmslos ließ sie die Dinge um sich her ihren Gang nehmen. So schlichen die Tage hin bis zu Claritas zweiter Fahrt nach Ems.

Pünktlich zu der bezeichneten Stunde fuhr sie da- felbst an den vier Türmen vor. Diesmal sah sie dre Zariza nicht selbst. Statt ihrer ernpfing sie dre Fürstin Zebotschef. Die Dame bot alles auf, ihrer trostlosen Auf­gabe mit möglichster Zartheit zu entsprechen, aber welch' vorbereitende Worte sie immerhin wählen mochte, einmal mußte der Schlag fallen, einmal mußte sie es der jungen Frau sagen, daß ihr Gatte dem sibirischen Klima erlegen, daß kein Mensch, selbst die Zariza nicht ihn ihr zurnrck- geben könne. Doch, dank der eigentümlrch voraus. schon unerklärlich das Gemüt bedrückenden Atmosphäre, in der all die traurig klingenden Präliminarien zu trüber Kunde dem Herzen des Zuhörers entgegen tönen gleich jenen Glocken, von welchen Eichendorf singt:

Was gehen die Glocken heute Als ob ich weinen müßt? Tie Glocken, die bedeuten, Daß mein Lieb gestorben ist?" senkte sich auch allgemach auf Claritas Gemüt eisig jenes vorahnende Gefühl kommenden Leides nieder, ehe dre Trauerbotschaft in ihrer ganzen Größe sie traf. So war denn all' ihr Hoffen, all' ihr Ringen umsonst gewesen fie sollte Alexis nicht Wiedersehen! Sie schloß einen Moment die Augen, aber sie schrie nicht auf, noch sank sie, wie die Zebotschef befürchtet hatte, tn Ohnmacht, sie jammerte nicht einmal. Tie Größe ihres SchmerzeI machte sie stumm. Desto beredter bemühte sich ihre Trösterin zu sein. Sie versicherte sie der kaiserlichen Teilnahme und Huld, sie wiederholte ihr mehrfach int Namen der Zariza, wie alles geschehen solle, um Alexis Ornatoff's Namen von jeglichem Verdacht zu reimgen, und ihr seiner Witwe alle ihr zustehenden Rechte zuzu­weisen. ©ie versprach dabei, daß Clarita noch genaues Bericht über die letzten Tage des Geschiedenen zugehen werde, und dann war auch dies vorbei, und der Fürstin Zebotschef schwere Mission beendet.

Clarita drängte es, fort zu kommen, fort aus dem glänzenden Badeort mit all' den aufgeputzten, lachenden Menschen. Sie fuhr direkt nach Dem Bahnhof. Nikolai Karin erwartete sie dort. Gr kannte bereits ihr Unglück;

ihm stumm die Hand. Besorgt fragte err sich stark genug für die Fahrt, Frau voN nannte sie jetzt Frau von Ornatoff, wie alle Name gehörte ihr, sie war ja Alexis, Witwk

sie drückte Fühlen Sie Ornatoff?"

Auch er

Welt. Ter '