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(Fortsetzung folgt.)

sich selbst; er nur:0, Gott

Ich verlange zu Feodor zu kommen", erwiderte sie leise. Meine Kraft reicht dazu aus. Paul, der Diener, hat bereits die Billete besorgt. Die Fahrt wird mir einige Stunden völligen Alleinseins gewähren. Das' ist, was ich zunächst brauche". t

Karin wich nicht von ihr, bis er sie wohlgeborgen im Wagen sah- Sie dankte ihm für alle seine Be­mühungen; denn sie nahmen ja Abschied' für immer. Ob er es ahnte?

Noch lange starrte Karin dem dahinbrausenden Zuge nach; sein Gemüt war heftig erschüttert durch den Ge­danken, daß. Clarita nun frei sei! Frei, und doch ihm verloren; denn hatte sie ihm nicht einst gesagt: ihre Liebe gehöre einem andern durch unlösbare Bande, die selbst der Tod nicht zerreiße. Unterdes lehnte Clarita tief in dem Wagenpolster zurück; sie wußte nichts mehr von der Außenwelt, sie blickte nach Innen. Sie betete leidenschaft­lich, indem sie an Feodor dachte;O Gott nimm uns alle heim!" n

Etwas von der starren Auflehnung, wie ste selbe vor Zeiten bei der ersten Nachricht durch Dimitri über Alexis empfunden hatte befiel sie wieder; heftiges wildes Weh versuchte sie, aufs neue mit dem Himmel zu hadern. Sie hatte so sicher, so fest darauf gerechnet, heute heute die Erhörung ihres heißen Gebetes zu finden, daß sie voll stürmischer Bitterkeit wiederholte:Ich mag nicht mehr leben!" ,c

Doch nicht vergeblich hatte sie die Schule des Leidens durchwandert; tief in ihrem Innern warnte sie eine treue Stimme, ähnlich wie einst Judith den Fürsten Be- thuliens:Was ist das für eine Rede? Das ist keine Sprache! Wer seid denn Ihr, daß Ihr dem Herrn eine Zeit bestimmt zum Erbarmen, unb nach Eurer Willkür ihm einen Tag festsetzt!"

In Schmerz und Kampf halte Clarita gelernt, jener ittnern Stimme zu lauschen, sie verhallte auch jetzt nicht ungehört. Ihr starker Wille siegte gegen beugte sich. Demütig und heiß flehte sie hilf mir, erbarme Dich meiner!"

Drahtlose Telegraphie quer über das Weltmeer.

Der größte technische Fortschritt des Jahres 1901.

Bon Dr. Kurt Rudolf Kreuschuer.

(Nachdruck verboten.)

Das Jahr 1901 ist nicht zu Ende gegangen, ohne auf technischem Gebiete noch in den letzten Tagen die Vervoll­kommnung einer Erfindung zu zeitigen, welche von fach­männischer Seite als eine kulturhistorische Errungenschaft ersten Ranges bezeichnet werden muß. Von Pythagoras geht die Mähr, daß er nach Auffindung des auf seinen Namen getauften geometrischen Lehrsatzes eine Hekatombe den Göttern geopfert habe. Der vielgenannte italienische Erfinder Marconi, der jetzt die vor wenigen Jahren von ihm entdeckte und ausgearbeitete Telegraphie ohne Draht in so ungeahnter Weise vervollkommnet hat, ist nicht so blutdürstig gewesen; wenn er aber, wie telegraphisch bep richtet wurde, in dem Augenblicke, als quer über den atlan­tischen Ozean das verabredete Zeichen auf freien elektrischen Wellen herüberkam, um feinen Experirnentiertisch getanzt ist, so hatte er, dem so unerwartet Großes gelang, in der That alle Ursache zur höchsten Freude; denn noch vor wenigen Wochen mußte das jetzt von ihm geleistete, wenn auch nicht für unmöglich, so doch für im höchsten Grade aussichtslos gelten, und wenn jetzt die Zweifel an dem Gelingen der hochfliegenden Hoffnungen vor der Wucht der Thatsachen verstummen müssen, so gestattet man gern, daß der jugend­liche Erfinder bet modernen Gegenwart für die ihn be­wegenden Gefühle einen andern und jedenfalls sympathischer berührenden Ausdruck findet, als der in mystischen Verzück­ungen schwimmende Philosoph des griechischen Alter­tums, dessen Charakterbild wenigstens im historischen Be­wußtsein unserer Herren Gymnasiasten mindestens ebenso schwankt, wie nach dem Ausspruch Schillers dasjenige des großen Friedländers in der Geschichte.

Es ist tm Publikum wenig bekannt, daß auch die Er­findung der Telegraphie ohne Draht nicht fertig wie Pallas Athene" aus dem Haupte des Zeus entsprungen und keines­wegs als reife Frucht dem ersten, der sich damit ernstlich versuchte, in den Schoß gefallen ist. Bevor Marconi das Problem in befriedigender Weise löste, hatten schon Wil- loughby Smith, Granville, Edison und manche andere an dieser Aufgabe gearbeitet, und auch das kaiserlich-deutsche Telegrapheningenieurbureau hat schon im Jahre 1896 mit Hilfe der elektrischen Induktion Verständigungen bis zu einer Entfernung von 18 Kilometer erzielt.

Der von Marcony erzielte Fortschritt beruhte daraus, daß er zum Telegraphieren ohne Draht sich der von dem Bonner Elektriker Hertz erfundenen elektrischen Wellen hon hoher Schwingungszahl (250 Millionen Wellen in einer Sekunde- bediente und diese elektrischen Wellen, damit sie eine weite Wegstrecke überwinden konnten, von sogenannten Antennen aussandte, die nichts anderes sind, als senkrecht hängende Drähte, welche au einem hohen Mastbaum hoch in der Luft befestigt sind, oder durch einen Flugdrachen oder einen kleinen Luftballon nach Bedürfnis hoch in die Lüfte gehoben werden. Marconi nahm nun anfangs an, daß die Strecke, über die hinweg mau ohne Draht tele­graphieren, könne, im geraden Verhältnis zu der, Länge der Antennen stehe, ohne daß er für dasselbe ein all­gemein gültiges physikalisches Gesetz angeben konnte. Die Folge davon war, daß man zu immer riesigeren Send­apparaten gelangte; nach Versuchen, welche aus freier See vorgenommen wurden, hielt man sich zu dem Schluß be­rechtigt, daß das sünshunderrsache der Antennenlänge dis größte erreichbare Entfernung für das wirksame Telegra­phieren sei, und so kam man zu dem Resultat, daß zur Ueberwindung der 1700 englische Meilen (2700 Kilometer) lanaen Meeresstrecke von Pencance bei Kap Landsend in Cornwallis nach St. John in Kanada Antemien notwendig wären, welche eine Länge von über 5000 Meter haben müßten. An der Möglichkeit, solche Antennen, hinter denen die Höhe des Montblanc noch um 200 Meter zurückbleibt, in die Luft zu heben, scheiterten alle Hoffnungen auf eine transozeanische Verständigung, und man begnügte sich damit, die geniale Erfindung für kürzere Strecken praktisch zu ver- iverten.

Marconi erkannte jedoch bald selber (und andere be­stätigten dies), daß das Gesetz der Antennen überhaupt nicht in dieser Allgemeinheit gültig sei. Es stellte sich heraus, daß ein verhältnismäßig kurzer Sendedraht über einer Wasserfläche auf viel weitere Entfernungen wirksam ist, als ein bedeutend längerer, mit dem man über eins von Wäldern, Hügeln, Bergen Gebäuden und anderen Un­ebenheiten bedeckte Landfläche telegraphiert. Ebenso war die senkrechte Lage der Antennen keine unbedingte Not­wendigkeit. Dagegen zeigte es sich, daß die Aufstellung des ganzen Sendeapparates auf hochgelegenen Punkten der Ueberwindung großer Entfernung förderlich war, und daß letztere besonders von der gesteigerten Energie der elek­trischen Wellen abhängig ist.

Trotz alledem herrschen nach den kurzen, bisher ein- getroffenen Mitteilungen über die technischen Einzelheiten der letzten so erfolgreichen Maroonischen Versuche noch viele Unklarheiten, und die Fachwelt wird sich behufs eines klaren Verstehens bis zum Eintreffen genauer Berichte gedulden müssen. Wieso jedoch so glänzende Resultate möglich waren, wird dem Laien vielleicht an der Hand der nachfolgenden Betrachtung über den elektrischen Zustand der die Erde um­gebenden Lufthülle etwas klarer werden.

Daß die Erde eine mit Elektrizität geladene Kugel ist, dürfte jeder schon von der Schule her wissen, als ihm die Erklärung über die Wirkungsweise der Magnetnadel ge­geben wurde. Aber auch die Atmosphäre ist der Sitz der lebhaftesten elektrischen Vorgänge, und man kann sich die erstere in eine große Reihe von einander umschließenden Kugelschalen zerlegt denken, von denen jede höhere die nächst tiefere samt der Erde einschachtelt. Innerhalb jeder ein­zelnen herrscht ein anderes Potential, d. h. eine andere Arbeitsfähigkeit, die elektrischen Wellen fortzupflanzen, wah­rend natürlich in den einzelnen Teilen einer und derselben Kugelschale das Potential das gleiche ist. Während nun über großen Ebenen und Meeresflächen diese Kugelschalen, welche man auch Niveauflächen nennt, annähernd mit mathe­matischer Regelmäßigkeit in bestimmten Abstanden über­einander gelagert sind, liegen sie auf hochgelegenen Punkten