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Auflösung des Magischen Quadrats in vor, Nr,
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
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Verherrlichet! der Friedericiainschen Armee und des" großen Königs. Es ist, als ob chm durch die Beschäftigung mit diesen tapferen Helden etwas von ihrer Kraft imd Zährgkeit, ihrer Bravour und eisernen Pflichttreue suggeriert worden sei.
Die drei Treppen z>u ihrer Wohnung steigen Excellenz wohlgeniut hinan, und auch die vier zu ihrem Atelier, und gouachtert tvird ebenfalls noch, denn die Augen sind noch scharf und die Hände fest, und irn Sommer geht's nach Kissingen, wo der Kurplatz nach allen Richtungen flink durchmessen, den Klängen der Kurkapelle gelauscht und manche interessante Erscheinung an der Halle des Rakoczy gemustert wird. „Ach, dieser Menzel!" rufen die Damen. „Solch eine Rüstigkeit!" Und in dieser schlichten Bezeichnung „Menzel" giebt sich das höchste zu erkennen, was ein Mensch! und Künstler erreichen kann: die Volkstümlichkeit.
Nun habe ich an der Thür des Ateliers geklingelt, aber es wird nicht aufgemacht. Ei, der Tausend, denke ich, du bist doch mittelst eines Briefes mit hünenhaften Schriftzügen zu Sonntag, elf Uhr morgens, bestellt worden. Sollte er das vergessen haben? Und wie ich eben überlege, was zu thun sei, öffnet sich unten im dritten Stock die Korridor-
thür, und jemand kommt tapp, tapp, tapp und energische die Treppe hinauf — voila Menzel! Ja, Menzel im schlichten Hausrock und mit einer derart wohlwollenden Miene, daß ich an dieser Stelle alle, welche von der ewig auf diesem Antlitz ruhenden Finsternis reden, Lügen strafen muß.
Die Thür wird nach kurzer Begrüßung vom Meister aufgeschlossen, und ein langer, schmaler, halbfinstrer Korridor öffnet sich. Ich kenne die Lokalität schon von früher her und weiß, daß links am Korridor das Empfangszimmer liegt. Wer dieses Mal geht es geradeaus, bis ans Ende des Korridors, über einige Stufen direkt ins Atelier.
Nun kommt etwas Großes--Gobelins, breitfaltige
Brokatstoffe, Ritterrüstungen, Rokokopracht, Humpen in Silber, Zinn und Majolika, gesammelte Kostbarkeiten aus allen Zeiten und von allen Völkern, Kunstwerke in Hülle und Aülle, denn man ist ja int Atelier eines Malers, und gar emes Menzel! I Gott bewahre, verehrte Leserin, so was giebt es nicht im Atelier Seiner Excellenz! Wenn Sie hereintreten würden, dürfte sich allerdings Staunen auf Ihrem Antlitz verbreiten, aber nicht wegen des entfalteten Luxus, sondern wegen der überraschenden Einfachheit des Raumes. Sie nehmen zunächst in der Nähe der Thür einen simplen eisernen Ofen und dicht dabei einen eisernen Ofenschirm wahr, und hinten an der einen Querwand ein schlichtes Sofa und einen altmodischen Schreibsekretär, an der anderen Querwand einen Schrank, auf dem die Begas'sche Menzelbüste steht, und verschiedenes anderes Gerät, endlich an der langen Fensterwand einige Arbeitstische und auch eine kleine Staffelei, lieber der gesamten Einrichtung schwebt ein Hauch des Altfränkischen und Patinierten — man merkt eben, daß dieses Atelier schon länger als ein Menschenalter bestanden hat.
An Bildern ist nur wenig zu sehen. Oberhalb der Thür, die zu einent Nebengemach führt, hängt ein Portrait, an anderer Stelle eine große Leinwand mit grau iu grau gernalten physkognomeschen und fegrrralm Studien, mtb das große, unvollendet gebliebene Gemälde: „Anrede Friedrichs des Großen an seine Generäle vor Begiitn der Schlacht bei Leuthen". Die Versammlung, die sich um den König gruppiert hat, ist fast fertig gemalt, aber er selbst ist nur flüchtig in der Silhuette angedeutet. Schon viele Jahrzehnte ist das Bild in diesem Zustande geblieben, und an seine Vollendung ist wohl nicht mehr zu denken.
Die tiefste Stille herrscht in dem Atelier, fein Lärm der Straße dringt hinauf, und wenn der Blick durch die Fenster fällt, nimmt er stille Gärten wahr.
An jenem Sonntagmorgen — es sind schon einige Jahre her — hatte ich den seltenen Vorzug, einige Stunden bei dem Meister weilen zu dürfen. Wer ihn reden hört, wird sich dauernd des Gesprochenen erinnern. Feiner Sarkasmus, Humor, echte Lebensklugheit und philosophischer Gleichmut komnten herzerfrischend und fesselnd zum Ausdruck. Und bei alledem eine solche Gerechtigkeit in der Beurteilung der Leistungen anderer Künstler, daß man den Meister lieb gewinnen inuß. Ich zeige ihm einige Photographieen nach Bildern unseres leider viel zu früh dahingegangenen Carl Gehrts. Aufmerksam und lange schaut er die Reproduktionen an, und dann meint er bedächtig: „Ja, der kann was!" Das Gespräch wendet sich dem Faksimile- und dem Tonholzschnitt zu. Die Leistungen
des modernen Tonholzschnitts flößten Hin Bewunderung! ein, und er bereut es nrcht, bei seinen Illustrationen zu Kleist's „Zerbrochenem Krug" aus Mangel an Zeit den Tonholzschnitt zugelassen zu haben. Eingehend setzt er mir dann die Bedeutung einiger allegorischen Frauengestalten in seinen Werken auseinander — er nennt die Grazien! kurzweg „Weiber". Und wie -eS' so kommt, rede ich auch von der Familie Menzel, und von dm verschiedenen Gelehrten und Historikern, die denselben Namen geführt haben. „Sind alle nicht mit mir verwandt", giebt er zurück.
Wir unterhalten uns noch über manche andere Dinge, bis endlich die Zeit zum Aufbruch gekommen ist. Der Meister bleibt in feinem stillen, schier weltverlassenen- Atelier zurück, während ich in die Tiefe hinabsteige zum Berliner Leben. In der Potsdamer Straße sehe ich im Schaukasten eines Photographen ein Menzel-Portrait. Finster und durchbohrend schaut mich: der Kopf an, als ob ihm zu nahen Gefahr bringe. Nun, es ist tricht so, schlimm — ich weiß es besser. Unwillkürlich fallen mir beim Anblick des mächtigen Schädels Lessings Worte ein:
„Ein Geist, den die Natur zum Mustergeist beschloß, ist, was er ist, durch sich; wird ohne Regeln groß."'
Vermischtes.
Eine englische Menschenfreundin. Eine reiche uitd vornehme englische Frau, die Landhaus und Garten in Groß- London besitzt — so erzählt eine Frau in dem soeben bei Karl Haushalter in München erschienenen Buche „Einiges über das vornehme England", — hält jeden Samstag ein offenes Haus für eine bestimmte Anzahl von den Allerärmsten, Erwachsenen und Kindern, aus dem östlichen Teile von London. Zwanzig bis dreißig Personen sind es gewöhnlich Bei ihrer Ankunft au der Eisenbahn warten der Gäste bequeme Wagen, die sie nach dem gräflichen Landsitz' bringen. Hier angelangt, werden sie von der Gräfin empfangen und nach einem kleinen Imbiß in Park und Garten geführt. Die Kinder des Hauses dürfen sich ungezwungen unter die Gesellschaft mischen, mit ihren Altersgenossen Sielen, ihnen die Kaninchen usw. zeigen und sie in jeder eziehung wie ihre Gäste behandeln. Den Glanzpunkt des Tages bildet natürlich das Mittagessen, das aus reichlichen Mengen von Roastbeef, frischem Gemüse — für die Armen ein seltener Genuß — Pudding nnd Obst besteht. Diese Mahlzeit ist für die meisten ein wirkliches Ereignis) wird! do,ch dasselbe Eßgeschirr, sowie dasselbe Silberzeug benutzt, das auch auf die gräfliche Tafel kommt. Bis auf die verbotene Schüssel wäre es das Märchen von Hans und Gret« in ^englischer Auflage! Nach Tisch bleiben die Gäste sich selbst überlassen, Garten nnd Park stehen ihnen zur Verfügung, nnd alle können machen was sie wollen. „Wer", erzählte die Lady, „auch nicht eine Blume wird abgerissen, oder eine Beere angerührt, obgleich kein Verbot die Geladenen daran hindern würde." Die Theestunde vereinigt: wiederum alle int Eßsaal. Aber es giebt Thee im weiteren Sinne: denn außer ganzen Stapeln von Brot und Butter giebt es Backwerk, Kuchen nnd eingemachte Früchte. Mit dieser tüchtigen Speisung schließt der Tag, die Wagen fahren wieder vor und bringen die bunte Gesellschaft — zitterig« Greise, junge Leute und Kinder — nach der Eisenbahn, und selten haben die Wagen glücklichere Menschen befördert.
Bilderrätsel.


