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mereien, es war Selbstüberschätzung und Hochmut ohne jede Berechtigung. Ohne Ernst, ohne Tüchtigkeit, ohne Arbeit. Ihrer Wern Unglück und ihr eigenes ist selbst verschuldet.
(Fortsetzung folgt.)
Aus Berliner Künstler-Ateliers.
Bon Albert Benda.
. Nachdruck verboten.
Bei Ludwig Passini.
(Zum 70. Geburtstag des Meisters. 9. 7.)
UR. In der Behrenstraße Nr. 48, unfern der Friedriche straße und Passage, ragt ein palaisartiges Gebäude empor, in dem sich das alte und bekannte Bankhaus von Robert Warschauer & Co. befindet. Kaufmann und Künstler gehen in diesem Hause zusammen, denn zwei Treppen hoch wohnt Professor Ludwig Passini, der gefeierte Aquarellmaler, der tim 9. Juli seinen 70. Geburtstag feiert. Es war im Fahre 1864, als der Künstler, der damals schon ein berühmter Meister war, eine Tochter des Bankiers Warschauer heim- führte. Er, der Oesterreicher, der als Sohn eines Kupferstechers in Wien geboren, in Triest erzogen und in Rom und Venedig heimisch war, ist allgemach ein guter Berliner geworden, der sich- hier außerordentlich wohl fühlt und nur zeitweise zum Wanderstab greift, um in der Stadt der Lagunen die für seine Kunst notwendigen Studien zu machen. Daß man ihn auch in Berlin als Einheimischen betrachtet, geht am besten aus der Wahl zum Senatsmitgliede hervor, mit welcher ihn die Kgl. Akademie beehrt hat. Sind alle diese Bande schon genügend, um den Meister mit der deutschen Hauptstadt fest zu verknüpfen, so tritt als weiteres hinzu, daß er hier seine Tochter an einen höheren Ministe- sternalbeamten, Herrn Geh. Reg.-Rat Dr. Herrmann, verheiratet hat und zum Großvater geworden ist,
Ludwig Passini ist eine durchaus schlichte Natur, der eine vornehme Zurückhaltung Bedürfnis ist. In seiner ganzen Erscheinung und in seinem ganzen Leben kommt jener seine Zug echter Humanität zum Ausdruck, der die Menschen nicht nach Rang und Stand, sondern nach« ihrer Gesinnung und nach dem Maße ihrer Arbeitsfreudigkeit beurteilt
Nach Zurücklegen der breiten Marmorstiege zum zweiten Stockwerk und Aushändigung meiner Karte an den Diener stehe ich innerhalb weniger Sekunden vor dem Meister, einer schlanken, eleganten Gestalt mit sympathischen, geistvollen Zügen, verschönt durch ein freundliches Lächeln. Daß er ein Siebziger ist, sieht man ihm nicht an, denn weder ist das Haar schneeweiß, noch die Haltung gebeugt. Auch beim Reden und bei den Gesten äußert sich eine Beweglichkeit, ein Feuer, ein Temperament, als habe das Mer über diesen Mann keine Macht gehabt.
Er spricht von den Beschwernissen der Jahre, von einer starken Erkältung, die er sich bei der vor einigen Tagen von Venedig erfolgten Rückkehr zugezogen habe, von Altwerden und von Rheuma, sodaß ich ihm die tiefste Teilnahme hätte bezeugen müssen, wenn nicht der Ton seiner Stimme gar so munter und lebensfreudig gewesen wäre. Mir bleibt nichts anderes übrig, als zu lachen, zumal der Humor beim Meister schon längst gesiegt hat, und! sich m witzigen Schilderungen einiger Erlebnisse entladet. Wir frommen natürlich später auf die Kunst und insbesondere! tiuf Klingers „Beethoven" zu reden. Das giebt Anlaß, auch her Polychromie in der Plastik, der Rekonstruktionen von Nuatremere de Quincy und von Hittors zu gedenken. Und dann lenke ich das Gespräch auf des Meisters eigene Arbeiten, mit der Absicht, etwas von dem zu sehen und zu hören, das ihn augenblicklich beschäftigt. Gr versteht mich mrd erhebt sich: „Kommen Sie — ich werde Ihnen zeigen!" Wir durchschreiten den Speisesaal und gelangen in einen Salon, in dem über dem Sopha ein großes Bild leuch- tend in kraftvoller Farbenpracht unter Glas und Rahmen h"pöi — ein Bild, das mit fesselnder Macht die Augen auf sich zieht und nicht losläßt, ein Meisterwerk, gegen welches title anderen Gemälde dieses Salons zurücktreten. „Das it meine letzte Arbeit", höre ich den Künstler sagen, „Sie 11 .sucht ganz fertig — ich muß noch mehr hineinlegen!"i JJnb nach einer Weile kommt es mit leisem, elegischem An- j^ge^über ferne Lippen: „Mit dieser Arbeit weroe iu, ... schließen — eine andere wird wohl nicht mehr erstehen!"! Ich wende mich ihm zu und schaue wieder in {ein klares.
lebendiges Auge — die Sorge weicht, und ich denke an Tizian, der fast als Hundertjähriger noch! den Pinsel ge- führt hat.
Das Bild, ein Aquarell von fast zwei Quadratmeter Fläche, stellt das Urteil des Paris dar. Aehnliche Sujets hat Passini bisher nicht behandelt, denn die Architektur, das Interieur mit Portraitgestalten und das Genrebild aus dem italienischen Volksleben sind die vornehmsten Stoffgebiete für seine zahlreichen Werke gewesen. Aber es kommt schließlich nicht auf den Stoff, sondern auf die Qualität der Darstellung an, und es mag den Meister nach allen Erfolgen, die er im Laufe von Jahrzehnten errungen hat, gerade die Wahl eines Stoffes gereizt haben, dem öin Beigeschmack des Akademisch-Historischen anhaftet, und den vollkommen zu besiegen nur einem Künstler von Gottes Gnaden gelingen kann.
Glücklicher Paris, beneidenswerter Jüngling, daß dir so viele unverhüllte Schönheit zu schauen erlaubt ist! In den drei Göttinnen, von denen die eine ihr brennend rotes, florartiges Gewand noch in der Hand hält, offenbart sich in Wahrheit der beseligende Zauber des Olymp — es sind Gestellten, in denen Geist und Materie einen harmonischen Bund geschlossen haben, lebendurchglühte, warme, schönheitsverklärte Körper, deren Carnation im heißen Lichte des Soimnertages mit dem Grün des Laubes und der ganzen Landschaft zur berückendsten koloristischen Mnheit verschmilzt. Uno dem Meister genügt diese Wirkung noch nicht — er will noch mehr hineinlegen! Glück zu — ich glaube, es wird eine Schöpfung, in der ein großer Künstler die Summe feines Könnens konzentriert, um den klassischen Stoff auch in wirklich klassischer Vollendung darzubieten.
Aus dem Entree der Wohnung führt eine schmale Treppe zur Arbeitsstätte des Künstlers hinauf. Von irgend welchem bornbastischen, sogenanntem „malerischen" Aufputz keine Spur! Das Atelier ist ein großer, lichtdurchströmter Raum, in dem peinliche Ordnung herrscht. Mappen lehnen an den Wänden, in der Mitte steht ein großer Tisch an dem der Meister aquarelliert, hinten hängt ein Vorhang für das Modell, sonst noch einige Sessel nebst Divan und Tischen, das ist die ganze Einrichtung.
Wir blättern in den Mappen, um einige Photographien zu suchen. Bei dieser Gelegenheit habe ich Gelegenheit, Aktstudien des Künstlers zu sehen. Sie sind mit einer Sorgfalt ausgeführt, mit einer Beachtung jeglicher Form und Beleuchtungsfeinheit, als ob es sich um fertige Gemälde handle. Und nun erst die Aquarellakte zu den drei Göttinnen im „Urteil des Paris". Sie sind das Vollkommenste, was ich je an künstlerischer Vorarbeit gesehen habe. „Natürlich Modelle aus Italien", betont Passini, „denn bei uns in Deutschland sind sie in dieser Art nicht zu haben!" Und nun erzählt er, die Akte seien im Freien gemalt, und das eine Modell, eine Venezianerin, sei gewissermaßen die Krone weiblicher Schönheit gewesen — ein Modell, wie es ihm n solcher körperlicher Vollendung bisher nicht vorgekommen ei. Aber mit den Launen und Abenteuern solcher Modelle st nicht zu rechnen — nach einigen Sitzungen blieb diese chöne Donna aus, und ihr Verbleib war nicht mehr sest- zustellen. Andere Modelle traten an Stelle der Verschwundenen, ohne jedoch diese völlig ersetzen zu können. „Und so hat man", schloß der Künstler, „mit solchen Frauenzimmern nur seinen Aerger!"
Wir plaudern noch über Scharlows „Polyktet", den er nächst der Natur für einen der sichersten Führer bei der Konstruktionen schöner Körperverhältnisse hält, und von manchen anderen künstlerischen Dingen. Als ich mich endlich empfehle, geschieht es mit dem Wunsche im Herzen, daß der Meister in dem friedlichen, lichtfreudigen Raume noch viele Jahre in ungebeugter Kraft zum Ruhme der deutschen Kunst den Pinsel führen möge. —
Bei Adolf von Menzel.
Mcellenz wohnten schon in dem schönen Hause „Sigis- mundstraße Nr. 3", als er noch nicht zur höchsten Rang- klasse der preußischen Räte befördert und zum Ritter des hohen Ordens vom Schwarzen Adler durch die Gnade seines Königs und Herrn ernannt war. Damals wurde er schlecht- „Herr Professor" angeredet, aber genau mit derselben Ehrerbietung, wie jetzt.
Am 8. Dezember wird Wolf von Menzel 87 Jahre alt. Andere sitzen schon mit siebzig Jahren wie der redliche Dom zur Seite des wärmenbL» Ofens behaglich, int weichgepolsterten Lehnstuhle. Nichts davon bei ihm, dem


