Ausgabe 
23.3.1901
 
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Weise fortgeschritten ist, die Flasche senkrecht auf dem Kopf steht, wobei sich sämtliche Unreinigkeiten, dem Gesetze der Schwere folgend, am Pfropfen abgelagert haben.

Zur Fertigstellung sind nun nur noch einige wenige Handgriffe notwendig, zu deren Vornahme der Wein in besondere Räume kommt. Es wird nämlich zunächst der den Kork festhaltende Bindfaden durchtrennt; der Kohlensäure­druck treibt nun den freigewordenen Kork heraus, welcher die ihm anhaftende Hefe und schlechte Bestandteile mit­reißt; sodann wird der sogenannte Liqueur, eine Mischung von altem Wein oder Cognac mit Zucker und zuweilen noch anderen aromatischen Substanzen, deren Rezept das Ge­schäftsgeheimnis des Fabrikanten ist, zugesetzt. Der Wem wird hierauf schleunigst neu verkorkt, mit Bindfaden und Draht umwickelt, worauf nur noch die meistens von Frauen­händen besorgte Arbeit des Versilberns oder Vergoldens und Etikettierens zu erfolgen hat, um die Ware versand- fertig zu machen.

Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß zur Cham­pagnerfabrikation keineswegs edle Sorten benutzt werden. Fast sämtliche deutschen und österreichischen Sorten eignen sich dazu, und selbst aus dem so schwer verleumdeten Grüneberger wird ein durchaus nicht schlechtes Fabrikat gewonnen. Als bestes Rohmaterial gilt der lothringische Wein, der dem der Champagne am meisten ähnelt. Aber auch aus den billigen Weinen am Rhein, an der Mosel, der Saar, der Ahr, am Main und Neckar wird ein gutes Getränk hergestellt, und wen der Weg einmal zur goldenen Sommerszeit stacht der bergumkränzten Hauptstadt der grünen Steiermark führt, der wird es schwerlich bedauern, wenn er einmal das dortige Produkt in Gestalt einer Flasche Herzogsmantel probiert.

Der relativ hohe Preis des durch Flaschengährung her­gestellten Schaumweines rechtfertigt sich' trotz der Billigkeit des Ausgangsmaterials durch die umständliche Behand­lungsmethode und durch die bedeutenden Verluste, welche durch Springen der Flaschen während der Gährung ent­stehen. Es lag daher nahe, Champagner ähnliche Weine nach anderen Methoden herzustellen, bei welchem diese Uebelstände vermieden werden. Dies geschieht denn auch in großem Umfange dadurch, daß man geeignete abge- gohrene Weine mit Zucker und Liqueur versetzt und unter bedeutendem Druck mit künstlicher Kohlensäure imprägniert. In Deutschland werden mindestens drei Millionen Flaschen, zum Teil auch Obst-- und Beerencheine auf diese Weise hergestellt, und zu sehr billigen Preisen in den Handel ge­bracht. Ueber die Berechtigung dieses Verfahrens mag hier nicht gestritten werden, da nun einmal die Nachfrage nach solchen billigen Marken im Preise von 1,25 bis 2 Mark vorhanden ist, und vom Standpunkt der Bekömmlichkeit nichts Ernhaftes dagegen eingewendet werden kann. Ter Kenner aber wird schon durch die Zunge zur richtigen Be­urteilung gebracht werden. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, so genügt es, eine Flasche Schaumwein, über deren Herstellungsart man im Zweifel ist, ein Weilchen offen stehen zu lassen. Der durch Flaschengährung erzeugte ver­liert seinen Gehalt an Kohlensäure nur langsam, während letztere, wenn der Schaumwein durch Imprägnierung her­gestellt wurde, in kurzer Frist verpufft, sodaß ein fades Getränk in der Flasche zurückbleibt, dem die prickelnden Geister des echten Schaumweines abhanden gekommen sind.

Gemeinnütziges.

Die Kultur des Radies in Mistbeetkästen ist nicht an besondere Bedingungen geknüpft. Das Radies be­gnügt sich mit jeder Erde, wie sie zur Treibkultur verwendet wird, verlangt nur Feuchtigekit und 5 Zentimeter Pflanz­weite, damit es sich entwickeln kann. Das muß beachtet werden, wenn man säet oder pflanzt. Dann muß es zur rechten Zett geerntet werden, sonst wird es pelzig ober holzig. Zur Treiberei eignen sich nur die kurzlaubigen Sorten. Stehen die Radies allein im Treibbeet, dann ist ein reichliches Lüften sehr angezeigt, sonst tritt des Platzen der Wurzelknollen ein. Das läßt sich leider nicht verhindern, wenn das Radieschen als Zwischenpflanze bei einer anderen Kultur verwendet wird, wo starkes Lüften nicht möglich ist.

Ein gu ter Dünger für die Zimmer pflanzen. Wenn Pflanzen einige Monate in Wohnzimmern gestanden haben, so fangen sie an, abzusterben, wenn man ihnen nicht die gehörige Pflege zu Teil werden läßt. DasBulletin de Floriculture" empfiehlt zu diesem Zweck, die Pflanzen von Zeit zu Zeit mit folgender Lösung zu begießen: In zwei Liter Wasser löst man ein Gramm Kaliumphosphat, ein Gramm Magnesiumcarbonat, ein Gramm Natriumsilicat, zwei Gramm Salpeter und drei Gramm Eisenvitriol auf. Diese Lösung wird den Pflanzen bald ihr früheres gutes Aussehen verleihen, und ihr Wachstum fördern.

Aür die Küche.

Schweinefleisch wie Schwarzwildbret zu­bereitet. Der Schlegel eines jungen Schweines wird ge- klopft, auf dem Herde an einem offenen Stroh- oder Reisig- seuer aus allen Seiten besengt, dann leicht gewaschen, vom äußeren Fett befreit, 810 Tage in folgende Beize gelegt und täglich darin gewendet. Halb Weinessig, halb billiger Rotwein, Zwiebeln,'eine Zehe Knoblauch, Wachholderbeeren, wovon einige zerdrückt, Lorbeerblätter, Salz, Pfeffer, Ci- tronenschale. Alles wird gröblich gehackt und der Schlegel damit eingerieben. Nach 810 Tagen wird das Fletsch wie anderes Wildpret in Butter gut gebraten und mit saurem Rahm begossen. v

Praktischer Wegweiser", Wurzburg.

Litterarisches.

Kinder-Zeitung. Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 25. Was in der Welt vor geht: Ein Anschlag auf den Kaiser; Friedensverhandlungen in Südafrika? Hie Zahl der gefangenen Buren; Deutsche Schulen in der Fremde; Der Held von Taku; Die chinesischen Wettermacher; Ponies in China; Explosion schlagender Wetter"; Ein Brief von den Philippinen; Ein Räuber ge­fangen. Aus dem Reiche der Natur: Die ersten Stürche m Deutsch­land;Miez". Der Beobachter in Wald und Feld: Tierleben an einem schönen Apriltage.Peters wunderbare Reisen und Abenteuer." Erlebnisse. Anzeigen. Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhand­lungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 75.

Sk<rtai»fgabe.

Nachdruck verboten.

(a b o d die vier Farben; A Stg; K König; D Dame, Ober;

B Bube, Wenzel, Unter; V M H bie drei Spieler.)

M, der Mittelhandspicler, behält, da die beiden Andern passen, Tourn« auf folgende Karte:

a, b, o, dB, aK, D; bA, D; dK, D.

W M

Er tourniert a9, findet noch cA. Obwohl er sonach eine sehr gut aussehende Karte erhält, ist die Kartenverteilung doch so ungünstig für ihn, daß er das Spiel verliert. Die Gegner kommen bis 80. Was drückt! der Spieler? Wie saßen die Karten? Wie ging das Spiel?

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kapselrätsels in voriger Nummer:

Mast, Alm, Neid, Damm, Ohr, Linde, Insel, Nest, Ecke. Mandoline.

Für Burenfreunde!

Anfang und Mitte April werden dieFamilienblätter" ein Preisrätsel bringen. Die Einsender der zunächst aus der Urne gezogenen vier richtigen Lösungen erhalten als Pms je ein gebundenes Exemplar des von der Kritik als eine Er­scheinung allerersten Ranges gekennzeichneten Buches

Siegen oder Sterben.

Die Helden des Burenkrieges. Bilder und Skizzen nach eigener Erlebnissen von Fred. Rompel, Parlamentsberichterstatte und Kriegskorrespondent derVolksstimme" in Pretoria.

Die Namen der Gewinner werden seinerzeit in deu Familienblättern" veröffentlicht, und sind die Preise gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in unserer Geschäftsstelle Schulstraßek 7 in Empfang zu nehmen.

Rrdawo«: ®. Burkhardt. und Verlag der Brühl'schm UniderfitätS-Bnch. und Steindrnckerei (Pietsch Erben) in W4«.