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schon genug Sorgen. „ tx,,
„Jetzt red, Muatter, was soll t merk'n?" • .
No aber — aber —" die Bäuerin warf emen mitleidigen Blick auf den Johannes, der mit seinen strengen tiefeinqegrabenen Zügen, dem ergrauten Haupthaar und dem gebeugten Rücken den Eindruck eines Greises machte, gegenüber der wohlgepflegten, rundlichen Frau auf der Altane. „Der Ferl!" ries sie dann laut in gezogenem Tone.
Johannes schoß das Mut in das Gesicht. „Was t§
wie lang's no dauert —"
In diesem Augenblicke knallte es wieder vom Bergwerke her, Schuh aus Schuh. Da stieß Johannes zornig den Stock auf. . , re,
„Kreuzelement, i glaub', mr hats a schon packt, das neue Fiab'r! War' mir schon gnua! Na, wenn s chn schon eingrab'n den Bauern, i wenigstens will kein Schausei dazua wers'n. Was so lang in Ehren besteht, allen Femden zum Trotz, muaß do a a g'sunde Wurz'n hab'n, und wegen an Madel abfall'n — nix da! A End muaß werd n.
Einen festen Entschluß auf der kantigen Stirn, eilte er vorwärts. Dichtes Unterholz . nahm ihn auf, dura) welches nur ein schmaler Fußsteig führte. Er legte W seine Anrede an den Ferl dabei zurecht. Zuerst klang i
Das waren so seine Sprüche, die dem Alten durch I mit dem Ferl? Der Ferl ist a braver Mensch, über n Mark und Bein gingen, und die Mutter, selbst eine Wald- I Ferl laß' i nix komma.' .
bauerntochter, gab dem Jungen so halb und halb recht. I „Brauchst's za gar net. Hab t !vas g sagt?
„Man müßt do a bihl mit der Zeit geh'n und sein I »Gnu« hast g'sagt, um mir uwmletzte Freud z
Vorteil bedenk'n", meinte sie. I grft n. Aber der Ferl denkt an so was gar net.
Nur die Rosl blieb bei der Stange. Die hätt' am i „Hab r vom Ferl g redt? 4a
liebsten geweint, so oft ein Baum unter dem Axthieb fiel. I „Und d'Rosl erst recht net. An alte Freundschaft s, „Vater, giebt's denn Länder ohne Wald?" fragte siel anfg'wachsin san J' ^mllanander, a guatr Buab iH er. enim@nua giebt sie's, Rosl", erllärte Johannes. I ^Weib, mach mi net narrat. D'Rosl rUas her!" polterte
"Aber da thät i mi fürcht'n", erwiderte das Kind. I Johannes. , , ,, ., ...
Johannes vergaß nie diesen Ausspruch. Er enthielt I „Hast f' M felb r fortg schickt mit aner Botschaft zu alles, was er selbst empfand, ohne Worte dafür zu finden. I dei'm Först'r, der Mnaklhax.
Samstag ist um fünf Uhr schon Feierabend. Das ist I „Alors Grunm heißt er. Scham Da, über a Unglück ein alter, richtiger Brauch bei den Bauersleuten. Der Tag | spott'n, das er an unserm ^enst erlltt n. Aber es rs des Herrn braucht seine Vorbereitung, körperlich und geistig. | ja schon zwei. Stunden her, daß t d Rosl gjfäuiij»ab .
Die da drunten im Bergwerk kümmerten sich darum I „Mein Gott, der Wald laßt s halt net aus. So an freilich, nicht, das qualmte womöglich, noch ärger von allen I Abend dazua. Warum a net? Jung is jung und am Seiten, um den morgigen Ausfall vorweg einzubringen. I End - -
Jobannes sah zornig auf die schweren Rauchschwaden, I „Was am End? Am End mochst selb r hab n, daß die üi der schwülen Abendluft über seinem Walde lagertem I 's so kommt, daß. i in die Grub n fahr vor lauter Aerg r- Sogar das Samstagszigarrl roch nach Kohle; ärgerlich, nis und die ^g' frei gab ur Euch. Wer halt a bchh lckleuderte er es wea. I no net, no net! I will Di' grad tmgn irras n, orum
Plötzlich schrak er zusammen — ein Böllerschuß — noch I geh' i und red' selb'r mit die Leut. ~.
einer' Das Echo grollte von Thal zu Thal, vom Bergwerke I Er holte seinen Stock mit mächtigein Hirschhvrngrisf, her kam der Schall. I warf eine Joppe um und eilte hastigen Schrittes den
„Zu Ehren'Gottes schiaß'n die da drunt' net!" I Berg hinab dem Walde zu, aus dem eine seine Rauchsaule
Er rief nach seinem Sohne. Vor einer halben Stunde I kerzengerade emporstieg, gleichsam eine zarte Parodie aus
hatte er ihn in seine Kammer gehen sehen. I den schwarzen Rauchwulst, der sich hinter dem Berge erhob.
Statt dessen antwortete die Bäuerin von der Altane I ^rst als er den Hochwald betreten hatte, hielt er an, herab, eine immer noch stattliche Fräu, der es noch gar I naßm ben Hut vom Haupte und trocknete sich, kopfschüttelnd lebenslustig flackerte in den schwarzen Augen. 1 bie feuchte Stirn. „ „
„Weißt ja eh, das s' heut' den neuen Durchschlag I '@.o suchte er es immer in einem schweren Fall. Er feiern im Bergwerk. Hörst denn net schiaß'n? Der Herr I qing mft f^nem treuen, alten Freund zu Rat; das leise
Verwalter hat ihn no extra eing'lad'n, den Matthes", I Kuschen schon in den Fichten beruhigte ihn. ,
rief sie. I Die Moni hatte am Ende recht, er war ein blinder
„So, extra eing'lad'n — der Herr Verwalter!" höhnte I ^ix — Freundschaft zwischen an Buab'n von neunzehn Johannes. „Das is wohl a hohe Ehr?" I Fuhren und an Madel von siebzehn! War er denn me
„No, i meinet schon, wenn die Herrschaftn alle 1 :ung gewesen? _ ,,
komma, der Herr Direktor selb'r und die Herren Be- I zgas ihn aber am meisten verdrretzt bei der sach, amt'n von der Stadt —" I iS1 die Falschheit von der Rosl, die alleweil nut ihre»
„Thuat's Di net selb'r g'lüst'n?" meinte der Bauer. I Uab zum Wald sich so eing'schmeichelt hat bei ihm, wahrend-
„Mein Gott, i! Wenn ma' amal aufg'wachs'n is m I be§. Lt's nur dem Ferl 'golt'n, die Liab.
dem Glanb'n, was Schlechteres z'sein — aber die Jung'n, I Also Verrat ringsum, wo er hinschaut.
die denken ganz anders, und recht haben s', ganz recht, i Mer wenn's wirkli so is — was dann?
„Bist Du aufg'wachs'n in dem Glaub'n?" erwiderte! Ferl war der Sohn eines armen Taglöhners,
Johannes in hartem Ton. „I net! Was Schlechteres z sem, I . , ., Fünfzehnten bei ihm die Waldarbeit verrichtete,
g'wiß net. Aber in an andern Glaub'n bin i ausg wachs n, I Förster, wie die Moni ihn nannte. Er war in seinem daß a richtiger Bauer nix Mnan hat mit dene Leut, I verunglückt, ein Baum hatte ihm den linken Fuß die ihn im Herz'n do net schätz n und grad schon thuan I -erguetscht seitdem nannten ihn die spottsüchtigen Leut mit ihm, wenn s' ihn brauch'n könna. Natnrli, die werd'n I Schnaklhax"
auf Dein Buab'n wart'n." M toar eitt braüer Mensch, unentbehrlich für ihn,
„Mei Bua versteht nut denen umzugeh u, is net ,o 1 qunz verwachsen mit dem Wald, aber trotz alledem nur a brummiger wie Du", meinte schnippisch die Bäuerin. I v löhner Taglöhnerssohn ist kein Mann
„Auf den Buab'n sein schön's Gesicht warten's net, I «J °im BErntochter
aber auf den Buab'n fern Wald, so war s g meint. Aber I §( y^^rschied muaß fei’, a Ordnung, und er müaßt no is net sein Wald, verstand n? Werd s a net, wenn I ber ^tzte fei’ der da dran sich vergreift. Was soll
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Bäuerin. „Eppa der Rosl? No M, warum net? ^s ihr I A'^ine richttg'n Mensch'n! Fleißi is er zwar, der Ferl, ja so ans Herz g'wachsn — ber Wald! I a HdiHq’r Mensch, und wenn man's recht nimmt, is a
„Das ärgert Di wohl, daß sie zu mw halt. O, i merk s I „ Taglöhner mehr wert als a liaderlicher Bauern- schon lang, aber da geb Dr nur kaue Muah net, d Rosl I Mensch is eigeutli Mensch, und der Bauer is a e*6 KL S wirM? Was Da I ™ Mb-M. d-m Unt.-M-d -
do die jung'n Madeln kennst! Merkst denn gar nix vor
lauter Bam? Gar nix zwischen dief BamI"
Johannes überkam ein banges Gefühl. Was sollte denn von dieser Seite drohen, die anderen machten ihm ja


