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„Jchl bin nicht in der Stimmung, die höfliche Wirtin zu Mächen", trotzte sie.
„Ich befehle es Dir —"
Erstaunt, erschreckt durchs den drohenden Klang seiner Stimme, und den Ausdruck seines Gesichtes entfernte sie sich schweigend, mit trotzig in den Nacken zurückgeworfenem Haupte.
(Fortsetzung folgt.)
Wie die LMpemhlmder entstehen.
Bon Arnold Rohde.
(Nachdruck verboten.)
Wir wenden unser Interesse dem Neuen, dem Unbekannten zu, obwohl die Entstehungsgeschichte eines Tischmessers, eines Kochtopfes, eines Lampencylinders nicht minder interessant ist, wie der Bau einer kompliziertest Arbeitsmaschine.
Gin Lampencylinder! Ein simples cylindrisches Glas, welches oben und unten offen ist. Was läßt sich! da viel darüber sagen?
Zunächst — welche Funktion hat denn der Lampencylinder? Er spielt für die leuchtende Flamme dieselbe Rolle wie der Schornstein bei gewöhnlichen Feuerungsanlagen. Eine Petroleumlampe ohne Cylinder ist wie eine Kesselfeuerung ohne Zug und! Esse. Ter Cylinder hat also den Luftzutritt zu regulieren; denn zuviel Luft wirkt bei der Verbrennung ebenso nachteilig wie zu wenig. Tas wissen sogar die Küchenfeen — d. h. die intelligenten. Tie Flamme wird in ihrem durchsichtigen gläsernen Mantel nicht nur vor den ungünstigen Einflüssen des Windes geschützt, sondern es wird durch ihn auch! ein sehr lebhafter Luftzug erzeugt; die erhitzte Luft kann nur nach oben entweichen, und! um so rapider fällt von oben die kältere Luft ein, welche dem Brennstoff eine genügend große Sauerstoffmenge darbietet. Obwohl nun schon die einfache Cylinder- form, welche um das Jahr 1756 zuerst von dem Pariser Apotheker Quinguet angewendet sein soll, sich als sehr praktisch und! zweckmäßig erwiesen hat, so läßt sich doch! der Effekt noch bedeutend steigern. Man erreicht dies durch eine Verengung im unteren Teil des Cylinders, wodurch alle zuströmende Luft zu einer Berührung mit der Flamme gezwungen wird. Tiefe sinnreiche Cylinder-Einfchnürung hat der Klempnermeister Benkler in Wiesbaden erfunden. Uebrigens beweisen ja die sehr mannigfachen Formen der Lampencylinder, daß auch viele minder erfinderische Köpfe ihren Witz an diesem simplen Gegenstand geübt.
Aber nicht nur die mannigfachen Formen des Cylinders machen dem Fabrikanten die Aufgabe schwierig, sondern äuch das Material. Was wird doch alles von einem Lampencylinder verlangt? Er soll schön gerade und von möglichst tadelloser Form sein, er soll keine Blasen zeigen, das Glas soll schön klar sein, vor allem aber soll der Cylinder möglichst lange der Hitze widerstehen und selbstverständlich möglichst billig sein. Mit anderen Morten: für 10 Pfennige ein vollendetes Kunstwerk.
Wohl die wichtigste Operation bei der Fabrikation von Chlindern ist die Mischung der Grundstoffe für die Herstellung des Glases. Ter Hauptbestandteil der Mischung ist ein möglichst reiner Quarzsand. Derselbe wird in Form von Kieselbrocken in Steinbrüchen gewonnen, gründlich gemahlen und durchgesiebt, und in gebrauchsfertigem Zustand von der Glashütte bezogen. Der zweite Hauptbestandteil des Glases ist Bleiglätte. Als Flußmittel kommen noch Pottasche oder Soda hinzu. Tie Mischung für Lampen- cylinder erster Qualität enthält ungefähr 50 Prozent Silicium. Ter Sand wird mit den übrigen Bestandteilen itn großen runden Hafenöfen geschmolzen; diese werden mit Gas gefeuert und enthalten in der Regel 14 bis 16 große Schmelzhäfen, welche aus besonders vorbereitetem, sorgfältig durchgeknetetem, feuerfestem Thon geformt sind. Tie Häfen oder Schmelztiegel haben gewöhnlich! einen Meter Durchmesser, und eine Höhe von 1,25 Meter. Bierundzwanzig Stunden dauert es, ehe solch ein Hafen durchgeschmvlzen ist. Der Mischung wird gewöhnlich auch das bei der Fabrikation gewonnene Bruchglas beigefügt, so daß kein Material verloren geht.
Das Blasen selbst geschieht mit einem langen Eisenröhre, das als Pfeife bezeichnet wird-.. Dasselbe besitzt an einem
Ende ein Mundstück und am anderen eine glockenförmige Erweiterung. Bei der Arbeit wird erst das erweiterte Ende in den Glashafen getaucht und darin herumgcdreht, bis ein genügend großer Glasballen daran hängen geblieben ist. Dann wird die Pfeife aus dem Ofen genommen, der Glasballen auf einer Platte konisch gerollt und zu einer Glaskugel ausgeblasen. Der Glasbläser verfährt hierbei ganz wie die Kinder beim Seifenblasen. Darauf wird die Pfeife einem zweiten Arbeiter übergeben, der das vollständige Aufblasen besorgt. Tie Glasblase an der Pfeife ist an ihrem unteren Ende dicker und schwerer; um die notwendige langgestreckte Form zu erzielen, schwingt der Glasbläser die Pfeife hin und her, wodurch sich das Glas infolge seines Eigengewichts streckt. Indem so abwechselnd der heiße Glaskörper geschwungen und geblasen wird, erhält er nach und nach die cylindrische Form, die gewünschte Länge und annäheritd auch den richtigen Durchmesser. Aber das genügt nicht; die Dimensionen des Cylinders sind ja aus Millimeter genau festgesetzt, da sie für ganz bestimmte Brenner berechnet sind. Ter heiße Cylinder wird nun in eine aufklappbare Form gebracht und durch gleichzeitiges Blasen und Drehen der Pfeife an die innere Wand der Form angepreßt. Tas Rohr mit dem daran befestigten fertig geformten Cylinder wird dann einem anderen Arbeiter übergeben, der mit einer Federzange die Kerbe des Cylinders bildet, wobei natürlich das Glas stets aufs neue erwärmt werden muß, um es weich und biegsam zu machen.
Obgleich die Cylinder größtenteils mit Mund und Hand gefertigt werden, fo gewinnt doch die Blase-Maschine von Owen immer größere Verbreitung. Dieselbe besteht aus einer Säule, welche unten von einem kreisrunden Tisch umgeben ist, der ein halbes Dutzend der erwähnten Formen trägt. Nachdem nun der erste Arbeiter dem Glasballen die et» förderliche Gestalt gegeben hat, wird die Pfeife in die Form gebracht, das obere Ende durch eine an der Säule angebrachte Klanimer gesichert und dasselbe damit zugleich an eine Luftleitung angephlossen, die von einer kleinen Luftpumpe mit Luft versorgt tvird. Auf diese Weise kann ein halbes Dutzend Cylinder zugleich geblasen und geformt werden.
Tie Cylinder werden hierauf in den Kühlofen gebracht. Dieser ist mit einem durch den ganzen Ofen hindurchgehenden Metalltransportband ausgerüstet, auf dein die Cylinder aufgeschichtet und durch den Ofen hindurch geführt werden. Tie Bewegung des Bandes ist hinreichend langsam, um jeden Cylinder 12 bis 24 Stunden der angemessenen Temperatur des Ofens aussetzen zu können. Nach dem Kühlen werden die Cylinder in die richtige Länge geschnitten; dies geschieht in der Weise, daß die entsprechenden Stücke oben und unten durch ein heißes Eisen abgesprengt werden. In Amerika bedient man sich für diesen Zweck besonderer maschineller Vorrichtungen, durch welche ein dünner Strom erhitzter Luft an den Stellen gegen das Glas des rotierenden Cylinders geführt ivird, au welchen der Bruch erfolgen soll. Tie durch diese lokale Erhitzung hervorgerufene Spannung im Glase genügt, um die Arbeiterin, welche die Maschine bedient, in den Stand zu setzen, durch einen leichten Truck die Endstücke abzubrechen. Die Cylindermündungen sind nun aber scharf und rauh; es ist notwendig, dieselben noch besonders ztr glätten. Dieses geschieht an der Cylindermündung, indem man sie vor einem kleinen Gasgebläse bis zum Schmelzen erhitzt, wodurch eine vollendete Abrundung der Kanten erzielt ivird. Tas untere Ende der Cylinder wird rechtwinklig auf einem kreisförmigen, rotierenden Gußeisentisch, dessen Oberfläche mit Sand und Wasser bedeckt ist, regelrecht abgeschliffen. Nach dem Abschleifen kommen die Cylinder zur Stcmpel- maschine, welche mit einem ätzenden Fltrorwasserstoff-Brä- parat den Firmenstempel des Fabrikanten auf das Glas aufdruckt.
Schließlich gelangen die fertigen Cylinder in den Eti- kettierungs- und Packraum, wo sie mit Etiketten versehen, in Papier eingewickelt und in besondere Pappschachteln gelegt werden. Sehr häufig werdeu die Cylinder auch nur mit Stroh umwickelt und so versandt. Diese Verpackungsart bietet einen so wirksamen Schutz, daß z. B. Sendungen nach fernen Ländern, Afrika, Australien u. s. w-, ohne nennenswerte Bruchschäden ihr Ziel erreichen.


