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Hieronymus war es, der zuerst durch lebendig-anschauliche Schilderungen veranlaßte, daß man das Fest in den Kirchen theatralisch gestaltete. Albert erzählt darüber in seiner Populären Festpostille" folgendes:In der Mitte der Mrche war durch eine Erhöhung der Oelberg hergerichtet, auf dem mit ausgebreiteten Armen ein lebensgroßes Christusbild stand, das möglichst unauffällig mit Stricken an der Kirchendecke befestigt war. Nach einer feierlichen Prozession, wobei der 122. Psalm gesungen ward, führten der Priester und die Gemeinde, welche die Jünger dar- stettte, das Zwiegespräch:Ich fahre aus zu meinem Vater und zu Eurem Vater re." Hierauf stimmte die Gemeinde das uralte Festlied an:Christus fuhr gen Himmel". Weihrauchdämpfe umhüllten unterdessen das Bild und umgaben es mit einer Wolke, die nun die Figurvon den Augen hinweg zusehends" in den Kirchenhimmel hinauf­trug. Nun erschienen diezween Männer in weißen Klei­dern" vom Altar her und verkündeten der Gemeinde die tröstende Verheißung der einstigen Wiederkehr des Hinweg- benommenen. Auf dem Kirchenboden entstand während­dessen ein furchtbares Getöse; das sollte den Kampf Christi mit dem Teufel darstellen. Der letztere fiel endlich in Gestalt einer buntbemalten, mit Pech und Schwefel be­strichenen Puppe unter dem allgemeinen Jubel aller An­wesenden in die Kirche herab." Mit diesen und ähnlichen grobsinnlichen Veranstaltungen feierte man noch im Mittel- alter das Fest, wobei man fleißig acht gab, wohin der Heiland bei der Auffahrt das Gesicht wendete; denn aus dieser Richtung vermutete man die Gewitter. Auch andere Beobachtungen und Schlüsse machte man bei diesem Spiel. In Bayern verordnete das Bistum München-Freysing im Jahre 1835, daß die Christnsfigur nicht mehr in den Him­mel hinausgezogen, sondern durch die Kirche und in die Sakristei getragen werden sollte.

Mit dem Himmelfahrtsfest verschmolzen sich auch volks­tümliche Frühlingsfeiern, erinnerte doch der Donnerstag an Donar, den Gewittergott. Zu den Gebräuchen und althergebrachten Gewohnheiten, die mit der Feier dieses Tages eng verknüpft sind, gehört die weit verbreitete Sitte, am frühen Morgen einen Berg oder eine sonstige Erd­erhöhung zu besteigen. In Schwaben zieht man schon um Mitternacht mit Fackeln auf eine Anhöhe, um die drei Freudensprünge, welche die Sonne bei ihrem Aufgange thun soll, zu beobachten, und in manchen Orten der Nieder­lausitz besteht noch bis auf den heutigen Tag die alte Sitte, daß die Bewohner am frühen Morgen, ehe die Sonne aufgeht, in großer Zahl begleitet von einer Musikkapelle, auf die nächstliegende Erhebung steigen und das auf­gehende Tagesgestirn mit einem religiösen Liede begrüßen.

Ebenso alt wie das Bergsteigen ist auch das Kräuter­suchen am Himmelfahrtslage. Am frühen Morgen dieses geweihten Tages sucht man überall in Schwaben die soge­nanntenHimmelfahrtsblümle", gewöhnlichMausöhrle" genannt, während sie im Schwarzwalde die Bezeichnung Schäppelein" (Kränzlein)' führen. Hier werden die ge­heimnisvollen Blümchen zu Kränzen gewunden, welche man das ganze Jahr hindurch in Stuben über den Familientischen und in Ställen über dem Vieh hängen läßt, bis sie an demselben Tage des nächsten Jahres durch neue ersetzt werden. Solche rötlich und weiß blühenden Himmelfahrtsblümle" (Gnaphalium Divicum) werden von den Mädchen schon früh im Dunkeln gesucht; denn am Himmelfahrtstage gepflückt, schützen sie Haus und Hof, Menschen und Vieh vor dem Blitze.

Eine weiter gehende Bedeutung wird im Harz von dem schönen Geschlechte demAllerhermannskraut" (Gla- diolus) beigelegt, indem dasselbe nicht nurallen Uebeln des Leibes" heilsam begegnen, sondern auch die Kraft besitzen soll, heiratslusllgen Mädchen einen Bräufigam zu verschaffen. Beim Suchen dieser Pflanze sprechen die Kinder:

Allermannsherrn, Dich such' ich gern!"

Haben aber die Schönen mit Hilfe dieser natürlichen Liebesorakel kein erwünschtes Ehegespons erwischt, so sagen sie ärgerlich:

Dat Allermannsherren, Dat böse Krut,

Dat heww ick e socht. Und bin doch noch, keine Brut."

In fast allen katholischen Gegenden wurde früher am Himmelfahrtstage ein sogenannterFlurgang" auch Eschgang oder Eschprozession genannt unternommen. Während man ehedem die ganze Gemarkung durchzog, wandert man neuerdings nur der Länge nach! durch dieselbe, sodaß alle Grenzen zu überblicken sind. An vier Stellen wird Halt gemacht und ein Bibelabschnitt aus allen vier Evangelien gelesen, sowie der übliche Wettersegen ge­sprochen. Neuerdings findet diese feierliche Wanderung, die den Zweck verfolgt, um ein fruchtbares Jahr zu bitten, vielerorts auch am Pfingstmontag statt.

Wir scheiden von dem Himmelfahrtsfest mit den Dich­terworten :

O Himmelshblau, wie glänzest Du Herab mit hellem Schein, Wie lächelt Dir die Erde zu Im Frühlingssonnenschein!"

Ein Proletarier des Kunstgewerbes.

Nachdruck verboten.

Zu den lohnendsten Erwerbszweigen des Kunstgewer­bes gehörte noch vor nicht allzulanger Zeit die Porzellan­malerei. Betrachten wir uns aber h«eute das Los eines Porzelanlmalers, so müssen wir die traurige Thatsache konstatieren, daß er wohl der eigentlicheProletarier" des Kunstgewerbes geworden ist. Man darf sagen, daß; hier die Fortschritte in der Technik die Erwerbsverhält­nisse geschädigt haben.

Nur noch wenige größere Fabriken, vor allen die kgl. Porzellan-Manufaktur in Meißen, betrachten ihre Erzeug­nisse noch als wirkliche Kunstprodukte, wählend das Gros aller übrigen Porzellanwaren zur wohlfeilen Jahrmarkts­ware herabgesunken ist. Fragen wir uns nun, wie nur so kommen konnte, so müssen wir vor allen Dingeri dasDruckverfahren" auf Porzellan in Betracht ziehen. Zu diesem Behuf wird das gewünschte Muster in Stahl­oder Kupferplatten eingeätzt, von diesen letzteren auf Seidenpapier kopiert und in noch frischem, also feuchtem Zustande auf den betreffenden Porzellan-Gegenstand über­gedruckt. Während also derartige Arbeiten früher alle mit der Feder gezeichnet wurden, eine Thätigkeit, zu der man nur bessere Kräfte verwenden konnte, drucken jetzt ein paar Drucker-Mädchen für billigen Lohn in unglaublich kurzer Zeit die Muster in Masse, und bleibt dem Maler nur noch das Kolorieren und die Staffage nebst Rand.

Bedenken wir nun, daß früher ein Maler Pro Tag 23 bessere Service fertig stellte, so ist er jetzt genötigt, um auf einen Lohn von (sage und schreibe) 18 Mark pro Woche zu kommen, pro Tag 10 Service zu; malen; zahlt man. doch nur für ein Service achtteilig (eine Kanne, ein Sah­nentopf und ein halbes Dutzend Tassen dazu) 28 bis 30 deutsche Reichspfennige.

Doch wäre noch mancher zufrieden, wenn er das ganze Jahr einen Durchschnittsverdienst von 18 Mark pro Woche erzielte; so kommt aber noch die saure Gurkenzeit vor Weihnachten in Betracht. Während dieser Zeit gießt es für kaum drei Tage der Woche Arbeit.

Da war denn die Direktion einer Fabrik so findig, den Malern während der vollbeschäftigten Zeit einen Prozentsatz des Lohnes für die traurigen Weihnachten großi- mütig aufzuheben. Das sieht dann beinahe so aus wie ein Weihnachtsgeschenk; denn der Betrag wurde am heiligen Abend ausgehändigt.

Zu dem einfachen Druckverfahren kommt noch der Buntdruck. Bei diesem verfährt man fast genau so wie mit allen Abzieh-Bildern, die man ja schon lange auf Holz, Glas, Eisen usw. verwendet. Doch ist dies immer noch ein geringer Prozentsatz in Hinsicht auf das erstere Druckverfahren.

Ist es so die moderne Technik, die der Malerei ins Grab hilft und dem Maler das Leben so sauer wie möglich macht, s o ist man noch in anderer Art und Weise bemüht, dies edle Wirken zu vervollkommnen.

Zu keramischen Zwecken verwendet man nur wirklich gutes Gold und Silber, da geringeres Material das Feuer