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griffen, ihn in sein Allerheiligstes Götterzimmer hatte er Kindermund getauft geführt und war dort mit ihm von einem Marmorbild zum anderen geschritten, cr- llärend und lehrend.

Und er selbst, der Knabe, hatte dann von dem Samen, der in seine jungej Seele gestreut, weitergegeben an ein kleines Mädchen mit federleichtem, zierlichem Körper und großen sehnsüchtigen Augen. Dort in der Fensternische hatte sie an dämmrigen Abenden, oder wenn der Mond mit bleichem Antlitz ins Zimmer schaute, neben ihm ge­sessen, die dunklen geheimnisvollen Augensterne hatten an seinen Lippen gehangen, oder sie hatte mit ihrer süßen, glockenreinen Stimme gesungen, am liebsten alte Lieder und Weisen, wie sie das Volk schon gekannt vor Hunderten von Jahren. Sie waren seinem Gedächtnis entfallen, die naiven Worte und kunstlosen Melodien, lange schon, aber manchmal, mitten im Waldesrauschen oder am Ufer des Meeres hatte er sie zu hören gemeint, und war jäh em­porgefahren aus tiefem Sinnen.

Und dort vor dem riesigen braunglasierten Kachel­ofen hatten sie beide, eng aneinandergedrückt, gekauert, rot beschienen von bet, Glut, welche aus seinem Innern strahlte, und Berge und Thäler, phantastische Schlösser und Burgen, felsige Grotten und wilde Schluchten hatten sie darin zu erblicken gemeint.

Auch eine schöne bleiche Frau, des Kindes Mutter, war manchmal in diesem Raume gewesen. Hier in des Hausherrn bequemem, lederbezogenem Sorgenstuhl hatte sie gesessen, leise mit dem Onkel plaudernd. Noch jetzt in dieser Stunde glaubte er, sie beide zu erblicken: den alten, hageren, grauhaarigen Mann und das junge Weib mit dem Leidenszug im feinen blassen Antlitz.

Und doch schlummerten sie längst beide, des Elfchens Mutter und ihr alteq treuer Freund. Er war ihr bald gefolgt, schon nach kurzen Wochen. Dort im Götterzimmer, seinem Liebling, der Hebe von Canova, gegenüber hatte man ihn in einem Sessel sitzend gefunden: tot, mit ge- gebrochenen glanzlosen Augen.

Wie das ihn, den damals vierzehnjährigen Knaben, getroffen, wie er fich jetzt erst verwaist, Vater- und mutter­los gefühlt! Und das Kind, seine Gespielin, seine Schwester, fern, nicht einmal seinen suchenden Gedanken erreichbar! Wo war es geblieben? Warum war nie von ihm oder von der alten Frau, mit der es die geheimnisvolle Reise ange­treten, ein Lebenszeichen gekommen?

Wie oft hatte er sich diese Frage schon vorgelegt!

Wie viele Pläne, die. Verschwundene wiederzufinden, hatte er in der alten Krönungsstadt, in welcher er dann als Schüler, später als Student, und eine kurze Zeit als Privatdozent gelebt, geschmiedet!

Aber vielleicht war doch, noch eine Nachricht von ihr gekommen, in den letzten Jahren, während er in der Fremde weilte! Er hatte zwar bei seinem letzten Besuch im Städtchen, als er die Dozentenlaufbahn unterbrochen, um dem Süden zuzueilen, Weisung gegeben, ihn sofort zu be­nachrichtigen, wenn der Fall eintrete, aber vielleicht hatte man seine Adresse vergessen, oder sein Brief war verloren gegangen.

Er war aufgesprungen bei dem Gedanken kaum, daß er sich die Zeit genommen, die Schneidersfrau eine frühere Dienerin des Onkels/ welche die freie Benutzung der Giebelwohnung hatte von seiner Ankunft und daß er ihre Bedienung für die Zeit seiner Anwesenheit wünsche, zu benachrichtigen und die schmale Straße hinunter dem an der Kirche liegenden Psarrhause zugeschritten.

Man empfing ihn, das einstige Mündel des geistlichen Herrn, mit freudigem, respektvollen Staunen. In der Zeitung hatte man von seiner Rückkehr in die Heimat ge­lesen, auch daß seine Wissenschaft nichts Geringes von ihm erwarte, dem unermüdlichen Forscher, dem genialen Kenner des Altertums, dessen kurze, ab und zu in die Heimat geflatterte Berichte und Schilderungen schon so gerechtes Aufsehen in Fachkreisen erregten. Und trotzdem fei er hierher in das alte stille Nest gekommen, und den ganzen Frühling wolle er! darin verleben.

Vielleicht auch den Sommer", hatte er lächelnd darauf gemeint; es käme ganz darauf an, wie viel Zeit sein Buch,

welches ihn schon lange im Geiste beschäftige, und das ee hier zu schreiben gedenke, verlange.

Noch größeres Staunen, noch größerer Respekt in de« Mienen des schlichten, altert Gottesmannes, seiner rund­lichen Frau, seiner fünf blonden rosigen Töchter. Als» darum habe er sich stets so gegen den Verkauf des Doktor­hauses gesträubt: Zu seinem Tuskulum sei es bestimmt. Auch darauf hatte er lächelnd das Haupt geneigt und hin- zugefügt, er könne sich solchen Luxus ja gestatten, des Onkels Hinterlassenschaft, welche ihm das kostspielige Stu­dium, die weiten Reisen ermöglicht, erlaube auch das.

(Fortsetzung folgt.)

Das Himmelfahrtsfest in kulturgeschichtlicher Bedeutung.

Bon Ludwig Epstein (Jülich).

Nachdruck Verbote».

Wenn der Frühling auf die Berge steigt Und im Sonnenstrahl der Schnee zerfließt. Wenn das erste Grün am Baum sich zeigt Und fm Gras das erste Blümchen sprießt. Wenn vorbei im Thal nun mit einem Mal Alle Regenzeit und Winterqual:

Schallt es von den Höh'n bis zum Thale weit: O wie wunderschön ist die Frühlingszeit!"

So singt der Dichter begeistert von der ersten Früh­lingszeit, die uns nach langer Winternacht durch Sonne«- schein und Blätterschmuck, durch Blütenduft und Vogel­sang erfreut. Diese schöne Zeit geht nun allmähliche ihrem Ende entgegen, in unseren Herzen nichts zurücklassend als die Erinnerung an alle die Herrlichkeiten, die uns Mutter Natur in überreicher Fülle darbot. Nun ist die Zeit, von der O. Berdrow singt:

Noch! dünkt ein Wunder uns der blüh'nde Strauch, Der ersten Frühlingsblume süßer Hauch;

Noch hüpft das Herz bei jedem Amselschlag, Begrüßt mit Jubel jeden lichten Tag.

Nun, Seele, öffne Deine Augen weit

Und trink' Dich satt an all der Herrlichkeit!"

Ja, wunderschön ist auch diese Zeit 'des Uebergangs von dem holden Lenz, der Zeit der Saat, des schwellen­den Saftes und der keimenden Blüte, zu dem ernste« Sommer, der Jahreszeit des Reifens, der Frucht und der Ernte. Die Natur steht jetzt in herrlichster Pracht. Baum und Strauch, Gras und Blumen! alles grünt m üppigster Fülle. Am saftreichsten sind nun die Wiese«, im vollen Blätterschrnuck prangen die Wälder, und die Blumen haben ihre lieblichsten Farben angezogen. Nu« naht die Zeit der Rosen, die Otto Roquette zu folgende« herrlichen Worten begeisterte:

Noch ist die blühende, goldene Zeit, O Du schöne Welt, wie bist Du so weit!

Und so weit ist mein Herz und so blau wie der Taa, Wie die Lüfte durchjubelt, von Lerchenschlag!

Ihr Fröhlichsten singt, weil das Leben noch mait, Noch ist die schöne, blühende Zeit, Noch sind die Tage der Rosen!"

In dieser heiteren Jahreszeit feiert die christliche Krrche- zwer Freudenfeste, das Himmelfahrts- und das Pfingstfest.

Ersteres bildet als religiöser Nachklang der fröhlichen Ofterseier und als zweckentsprechender Borklang des nahe« Pfingstfestes einen vermittelnden Uebergang zwischen diese« beiden kirchlichen Festen. Während die meisten anderen christlichen Feste mehr oder weniger auf heidnischer oder jüdischer Grundlage beruhen, ist das Himmelfahrtsfest, dessen Feier bereits auf den Anfang des 4. Jahrhunderts zurückgeht, ein ganz und gar christliches. Auf dem Konzil zu Elvira in Spanien im Jahre 305 erhielt der Tag den Namen Ascensio Domini, eine Bezeichnung, , die fast i« alle Sprachen übergegangen ist; nur in England redet ma« von einem heiligen Donnerstag (Holy Thursday), doch hört man auch das' biblische Ascensionday. Die Kirchen­väter zeichneten die Himmelfahrtsfeier besonders aus, uttfr