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welcher diesem Gespräch folgte, bemühte sie sich, heiter zu erscheinen.
Es wurde beschlossen, daß die Familie den Sommer auf einem stillen Farmhause zubringen sollte, wo das Leben billig ist, und Howell wollte inzwischen in der Stadt bleiben, um irgend eine Stellung zu suchen. Nach zwei Tagen fand er auf dem Lande einen Ort, den er für paffend hielt, und die Familie machte so schnell als möglich Vorbereitungen zur Abreise. (Fortsetzung folgt.)
Die Schnitzerschule in Brienz.
------- Nachdruck verboten.
Das Pfarrdorf Brienz im Kanton Bern hat durch seine im Großen betriebene Holzschnitzerei, mit welcher sich mehr als 6v0 Arbeiter beschäftigen, eine gewisse Berühmtheit erlangt. Es bildet gleichsam den Mittelpunkt der kunstgewerblichen Holzindustrie in der Schweiz. Die Technik ist noch sehr jung, denn die ersten vor etwa 80 Jahren auf den Markt gebrachten Arbeiten, welche aus der Hand des Drechslers Christian Fischer hervorgingen, waren im Vergleich mit den heutigen Brienzer Kunstschnitzereien noch recht primitiv. Man war damals auch noch wett davon entfernt, diesen Arbeiten einen Kunstwert zuzuschreiben. Den armen Drechsler hatte die Not erfinderisch gemacht, und obwohl seine Schnitzereien nur wenig Kunstfertigkeit verrieten, fanden sie doch einer gewissen Originalität wegen eine größere Verbreitung, so daß man es als Verdienst Fischers ansehen darf, der schweizerischen Bevölkerung einen neuen Erwerbs- zwetg eröffnet zu haben. Es verging jedoch noch geraume Zeit, ehe man die Holzschnitzerei im Großen zu betreiben begann. Gegen Ende der dreißiger Jahre wurde aus privaten Mitteln im bescheidenen Umfang eine Gewerbeschule errichtet, um Leuten, die das Zeug dazu hatten, die nötigen Kunstgriffe beizubringen. Sehr bald übernahm die Regierung des Kantons, welcher die Idee der Brienzer gefiel, die Leitung der Schule und sorgte für tüchtige und geschickte Lehrer.
Leider begann der Staat in dieser Fürsorge sehr bald zu erlahmen und es bildete sich zum zweiten Mal eine Privat-Gesellschaft, um für die sorgfältige Ausbildung der Heranwachsenden Generation Sorge zu tragen.
Es ist das Verdienst dieser Gesellschaft, die Schule bis zum Jahre 1884 vortrefflich geleitet und sie zu einer Musteranstalt gemacht zu haben. Seitdem genießt dieselbe den Segen staatlicher Hilfe, welche allen Industrieschulen des Landes zu teil wird.
Als Schüler können in die Anstalt junge Leute eintreten, wenn sie den neunjährigen Kursus einer Elementarschule absolviert haben, also etwa im Alter von fünfzehn Jahren. Der Unterricht umiaßt drei Lehrjahre, doch ist es gestattet, auch über diese Zeit hinaus das Institut zu besuchen. Es sind 10 Florin Eintrittsgebühren zu zahlen, doch werden Unbemittelten diese erlassen und auch noch das Material unentgeltlich geliefert. Vom zweiten Jahre an erhält der Schüler «e Hälfte des aus seinen Arbeiten erzielten Verdienstes, während besonders fleißigen und strebsamen Zöglingen auch Prämien erteilt werden. Bei diesem System kann ein Schüler von hervorragender Begabung im Laufe des Jahres 800 Florin verdienen. Zöglinge von sechszehn bis neunzehn Jahren erwerben durchschnittlich ca. 500 Florin und das ist für einen jungen Mann am Brienzer See schon ein hübsches Sümmchen.
Die Anstalt besteht aus zwei Abteilungen, und zwar dient die eine für den Unterricht im Zeichnen und Modellieren, die zweite für den eigentlichen Schnitz-Kursus. Wöchentlich werden 54 Stunden erteilt, und zwar entfällt der Hauptteil dieser Zeit (36 Stunden) auf Arbeiten in der Schnitz- Werkstatt. Zum Schluß des Jahres 1898 hatte die Schule 27 Zöglinge. Die Zeichenklassen wurden außerdem von 47 Erwachsenen und 90 Knaben besucht.
Zu Anfang arbeiten die Schüler nur in Lindenholz, da dieses weich und wohlfeil ist,- sie schneiden nach der Zeichnung einfache Ornamente in das Holz, bis die Hand gelenkig genug ist, um schwierigere Aufgaben bewältigen zu können. In der Regel ist der Eleve schon nach wenigen Wochen soweit ausgebildet, um reizvolle Blätter- und Blumenornamente aus dem Holz herausarbeiten zu können. Begabte Schüler beginnen sehr bald ihre besonderen Neigungen zu entwickeln, und die erfahrenen Lehrmeister wissen sehr wohl eine individuelle Kraft zu schätzen und zu fördern. Selbst Lehrlinge von mäßiger Begabung können schon im Laufe des ersten Jahres das Versuchsstadium überwinden und zur ausübenden Thätigkeit übergehen. Am Ende des Kursus erhalten die Schüler Beschäftigung bet einem Meister oder als Angestellte des Instituts, welches gleichsam ständig einen Bazar unterhält. Besonders bemerkenswert ist, daß die Schüler auch zum Zeichnen und Schnitzen nach dem lebenden Modell angehalten werden und daß zu diesem Zwecke, anschließend an die Schule, ein kleiner Tierpark angelegt wurde.
Anfang des Jahres 1894 wurde unter Leitung der Oberland-Gesellschaft für Holz-Industrie in Brienz eine Ausstellungshalle für die Sammlung und den Verkauf der hergestellten Erzeugnisse eröffnet, welche sehr wesentlich zur Förderung der Schnitzerschule beitrug. Hier werden die Arbeiten gegen Zahlung einer geringen Gebühr ausgestellt und Aufträge entgegengenommen.
Die Ausstellung wird stets mit künstlerischen Arbeiten von hoher Vollkommenheit beschickt/ man steht dort Kästen, Schränke von wunderbarer Zeichnung und außerordentlicher Feinheit des Details, Kaminmäntel, Wandbekleidungen, Stühle, Gemälderahmen, Tiergruppen, Blumenstücke, überhaupt jede Art aus Holz gefertiger Zierstücke.
Im allgemeinen führt der Brienzer Holzschnitzer ein ganz erträgliches Leben. Eine große Anzahl dieser Leute betreiben ein wenig Ackerbau und beschäftigen sich nur im Winter mit ihrer Kunstschnitzerei, einer sehr lohnenden Beschäftigung, wenn man die bescheidenen Ansprüche der einfachen Bewohner dieses Fleckens in Rechnung zieht. In guter Zett können Erwachsene leicht 15 bis 20 Florin wöchentlich verdienen, und wenn es sich um einen originellen Artikel handelt, so ist vom geschickten Spezialisten sogar noch ein weit höherer Verdienst zu erzielen.
Rückblick des Gartenfreundes im Januar.
------- (Nachdruck verboten.)
Wenn der Garten in seine schützende Schneedecke gehüllt ist und der Frost alle Arbeiten darin unmöglich macht, dann ist die Zeit, in der der Gartenfreund einen Rückblick auf die im vergangenen Jahre erzielten Erfolge wirft, um darnach seine Vorbereitungen und Bestellungen für den Frühling zu treffen. In erster Reihe betrachtet er die Ergebnisse, die er mit den zahlreichen im vorigen Jahre angepriesenen Neuheiten erzielt hat/ und es ist mit Genugthuung zu sagen, daß verschiedene derselben unsere Erwartungen übertroffen und sich einen dauernden Platz in jedem Garten gesichert haben.
In erster Reihe ist es das prächtige Radies „Eiszapfen", welches sich im Sturme die Herzen aller erobert hat. Dieses durchsichtig weiße, 10 bis 15 cm lange, cylinder- förmige Radies ist ebenso früh, wie die frühesten Treibradiese und wird nicht holzig, selbst wenn es schon 8 bis 14 Tage ausgebildet ist. Dabei liefert ein „Eiszapfen" mehr „Stoff", als sechs „Non plus ultra«-Radiese. Wer diese herrliche Neuheit noch nicht kennt, versäume nicht, sich diese für seine Samenbestellung zu notieren.
Das Gleiche ist der Fall mit der „Zehnwochen"- Stangenbohne / der Name dieser Sorte besagt nicht zu viel. Diese Sorte brachte wirklich, ihrem Namen entsprechend, in 10 Wochen nach der Aussaat verbrauchssähige Schoten, die dazu, wie die der „Korbfüllerbohne" eine Länge bis zu


