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seine Fittiche regte, da gab es keine glücklichere Mutter als die Frau Rätin Goethe.

Seiner Mutter las Wolfgang seinLied er büch lein" vor, die Frucht seiner Leipziger Zeit, in welchem sich schon deutlich der später große Lyriker verriet, danndie Mitschuldigen", die Erinnerung an seine erste Liebe zu jenem Frankfurter Gretchen,die Launen des Ver­liebten", in welchem er das zärtliche Verhältnis zu Käthchen Schönkopf schildert.

Sein Mütterchen wurde seine Vertraute, sein guter, ehrlicher Kamerad, wie sie einstens seine Spielgenosstn ge­wesen, sein Mütterchen, das gerade achtzehn Jahre älter als er selbst war.

Ich und mein Wolfgang" erzählte Frau Aja später, haben immer verträglich zusammengehalten, das macht weil wir beide jung und nicht soweit wie der Wolfgang und sein Vater auseinander gewesen sind!"

Wie horchte die lebhafte, damals 37 Jahre alte Frau Katharina Elisabeth auf, als der Sohn ihr erzählte, daß er sich in Leipzig gar zu gern für ein akademisches Lehramt vorbereitet hätte, aber sich dennoch dem väterlichen Macht­wort unterwarf. Sein Eifer hätte gar bald nachgelasien, angeregt durch den Verkehr mit Medizinern, die er an der Mittagstafel des Hofrats Ludwig getroffen, habe er Naturwissenschaft studiert, die juristischen Kollegien wenig mehr besucht.

Von der Hofrätin Böhme erzählte er seinem Mütterchen, wie sie sich seiner angenommen, ihn auf Lesstng's Laokoon aufmerksam gemacht, ihn veranlaßte, Shakespeare, Corneille und Moliöre im Original zu lesen, und wie diese geistvolle Frau an seinen dichterischen Versuchen scharfe Kritik geübt!

Von Oeser und seinem Freunde Schlosser, dem späteren Gatten Kornelias, denen er so viel Anregung und die Ein­führung in einen litterarischen Kreis verdankte, sprach er mit Begeisterung, von seiner heimlichen Reise nach Dresden, dieser kunstsinnigen Stadt, in deren Bildergalerien und Samm­lungen die Liebe und das Verständnis für die bildenden Künste in ihm erwacht wäre.

Aber auch seine unglückliche Liebe zu Katharina Anna Schönkopf vertraute er dem Mutterherzen an.

Wie heiß er das schöne, muntere Mädchen geliebt, daß sie ihm wohl auch Interesse entgegenbrachte, ihn aber dennoch nicht ernst nahm. Durch Eifersüchteleien habe er sie gequält, so daß sie sich von ihm abwandte. Um seinen Liebeskummer zu betäuben, habe er viel Merseburger Bier getrunken, sich einem lockeren Leben ergeben.

Und nichts anderes konnte Dich trösten Wolfgang?" fragte ihm die Mutter.

Der Gedanke an mein Mütterchen war mir Trost l Der Ruf in meinem Innern:Zum Mütterchen, zum Mütterchen mit meinen Schmerzen! Das hielt mich aufrecht! Und dann die Poesie, sie war auch meine sanfte Trösterin.*) Meine Art ist eben, das, was mich freut, oder quält oder beschäftigt in ein Bild, in ein Gedicht zu ver­wandeln um darüber mit mir selbst abzuschlteßen, um mich selbst darüber im Innern zu beruhigen".

Aber die von ihm ersehnte Seelenruhe sollte ihn erst gegen Januar 1790 überkommen, wie uns ein letzter Brief an Käthchen Schönkopf lehrt:

Daß ich ruhig lebe ist alles was ich von mir sagen kann, und frisch und gesund und fleißig, denn ich habe kein Mädchen im Kopfe!"----

Als der völlig Genesene, fröhlich im Gemüte, ein Apoll an Schönheit und Kraft, Ende 1770 das Vaterhaus, das ihm zu enge geworden war, verließ, um seinen Weg nach Straßburg und Sesenhetm zu nehmen, wo gar bald wieder ein Mädchen sein Dichterherz einnehmen sollte, da konnte sein Mütterchen sagen:

*) Eigene Worte Goethes.

Ich habe die Gnade von Gott, daß noch keine Menschen- eele mißvergnügt von mir weggegangen ist, wes Standes und Alters sie auch gewesen! Ich habe die Menschen lieb und das fühlt Alt und Jung, bemoraltstere niemanden, suche immer die gute Seite auszuspähen, und das behagt allen Erdensöhnen und Töchtern!"*)

*) Eigene Worte der Frau Aja in einem späteren Briefe.

(Nachdruck verboten.)

Schuldig.

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Es war spät geworden, man hatte länger als es sonst Brauch in diesem Hause war, bei Tisch gesessen. Jetzt tauschte der Kommerzienrat einen Blick mit seiner Gattin, und diese hob die Tafel auf.

Ich muß Dich heute oder spätestens morgen allein sprechen, Eugenie," flüsterte Dr. Corbus der Kommerzieu- rätin zu, während er sie aus dem Speisezimmer in den in weiß und Gold dekorierten und mit goldgelben Atlasmöbeln ausgestatteten Salon führte, wo der Kaffee getrunken werden sollte.

Aber so erschrick doch nicht so! Nimm Dich zusammen. Mir imponieren Deine Nerven gar nicht!" herrschte er sie an, als sie bei diesen Worten zusammenfuhr, und er mußte eine große Herrschaft über sie besitzen, denn sie verzog augenblicklich das Gesicht zu einem liebenswürdigen Lächeln. Sie ließ sich auf einen Eckdivan, über welchem unter Palmen eine sehr schöne Flora aus weißem Marmor stand, nieder und winkte Aurelie zu sich, die sie in ein angelegentliches Gespräch verflocht, dadurch verhindernd, daß sie sich, wie eS in der Absicht des jungen Paares gelegen haben mochte, mit Hans zurückzog. Auch Felicitas konnte nicht zu einem Zwiegespräch mit dem Asseffor Sommer gelangen. Ihr lag es ob, den Kaffee zu bereiten, und außerdem hatte sie auf Hermine zu achten, die bald im Zimmer, bald im Garten sich mit August und Adalbert umherjagte.

Unter diesen Umständen fanden die beiden jungen Männer es für den Augenblick geraten, der Aufforderung des Kommerzienrates, ihn in sein Zimmer zu begleiten und da­selbst eine Zigarre zu rauchen, Folge zu leisten. Auch Or. Corbus war mitgegangen, und bald saßen sie, in dichten Dampf gehüllt, in lebhaftem Gespräch bet einander.

Bankier Sommer kam bald auf sein Lieblingsthema, den in seiner Nachbarschaft entstehenden Neubau zu sprechen und schilderte, angeregt von dem ausgezeichneten Wein, den er genossen, den seltsamen Kauz, der sich kurz vor Thoresschluß noch in den dem Untergang geweihten Häuser angesiedelt, so humoristisch, daß alle darüber lachen mußten.

Ja, Sie lachen, meine Herren, aber ich versichere Sie, der Lärm, den die Arbeiter dieses Mannes völlführt haben, war nicht zum Lachen- ich konnte ein paar Tage in meinem Zimmer nicht eine Zeile schreiben," bemerkte Affessor Sommer.

Die Zeitungen rügten die Langsamkeit, mit denen neuerdings die Prozesse beim Kammgergericht geführt werden, jetzt wird mir der Grund davon klar," scherzte Hans Hell­dorf, und erwiderte die Neckerei durch einen kräftigen Schlag, den er dem Freunde auf die Schulter versetzte.

Gleichzeitig wandte Dr. Corbus, den die Sache sehr zu interessieren schien, sich mit der Frage an Sommer: Warum haben Sie sich das gefallen lassen?"

Ja, was hätte ich dagegen thun sollen, da Baumeister Schüller damit einverstanden war?" entgegnete achselzuckend und mit einem Seufzer der Bankier- wie zur Beruhigung fügte er hinzu:Der Lärm hat übrigens seit ein paar Tagen aufgehört."

Gott sei Dank!" sagte der Assessor mit drollig klingender Inbrunst, und sein Vater versetzte mit dem Finger drohend: