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wie er mich mißhandelt und schlägt, weil ich ihm den Namen nicht verraten will* hörte sie jetzt und: »Wenn Sie mir wirklich, wie Sie gedroht haben, die Unterstützung entziehen, dann stehe ich für nichts, dann kann ich nicht mehr schweigen"

Warum haben Sie den rohen Patron geheiratet?" rief jetzt Ziel sehr ärgerlich.

Ach Gott, ich wurde ihn ja nicht mehr los!" Es wurde wieder undeutlich, und zuletzt:Also, ich darf zur gewohnten Zeit wieder kommen?"

Meinetwegen!" antwortete Ziel unwillig.Aber nicht früher."

Sie haben sich inzwischen auch vermählt?" begann die Frau von neuem mit veränderter, flötender Stimme. Darf ich mir erlauben zu gratulieren?"

Danke, danke," klang es kurz angebunden zurück. Ziel mochte dabei wohl eine entlassende Handbewegung ge­macht haben, denn gleich darauf schloß sich die Thür hinter der Besucherin, nnd Else schlich sich auf den Zehen in ihr Boudoir zurück mit dem festen Entschlüsse, ihren Mann so bald wie möglich zur Rede zu stellen.

Wo hast Du denn die schönen Rosen her?" begann sie ganz harmlos, indem sie auf den Strauß Theerofen deutete, den die Frau in der Hand gehalten hatte, und der jetzt Ziels Schreibtisch schmückte.

Geschenkt bekommen," lautete die kurze Antwort. Ziel war bei der Arbeit, und Elses Besuch kam ihm offenbar ungelegen. Sie aber achtete nicht darauf.

Von?" fragte sie weiter.

Von einer Klientin."

Wohl von der langen Frau, die ich vorhin auf dem Vorsaale traf?"

Möglich, daß Du sie getroffen hast."

Wie hieß sie denn?"

Ach Kind!" rief er etwas ungeduldig,wie kann Dich das interessieren, und Du stehst doch, daß ich beschäftigt bin."

Es interessiert mich aber sehr."

Also:Frau Schmidt."

Frau Schmidt?" wiederholte Else halb ungläubig, halb enttäuscht.Und warum brachte sie Dir die Blumen?"

Aus Dankbarkeit, denk' ich. Ich habe sie unterstützt und sie hat nämlich einen Blumenladen."

Einen Blumenladen. So." Else schwieg einen Augenblick nachdenklich still,- dann, während ihre Hände mit den Blumen spielten:

Weshalb unterstützest Du sie denn?" forschte sie weiter.

Er lachte.Vermutlich, weil sie dessen bedürftig ist."

Sie sah doch gar nicht danach aus," meinte Else beharrlich.

Das kann man den Leuten nicht immer ansehen," entgegnete Konrad und wollte sich seiner Arbeit wieder zu­wenden. Aber Else war entschlossen, sich nicht so kurzer Hand abfertigen zu lassen. Sie stellte sich gerade vor ihren Mann hin und fragte plötzlich ganz unvermittelt:

Worüber soll die Frau reinen Mund halten?"

Konrad verfärbte sich, und Else bemerkte, daß seine Hand, die auf dem Schreibtische lag, zuckte.

Du hast gehorcht!" rief er empört.

Sie schaute ihm trotzig ins Gesicht.

Was kann ich dafür, wenn Ihr so laut sprecht, daß man es draußen hört. Wenn Du ein reines Gewissen hättest, würdest Du nicht so böse und so erschrocken sein, weil ich zufällig einige Brocken von einer allerdings sehr sonder­baren Unterhaltung gehört habe, die Du mit einer sehr sonderbar aussehenden Frau geführt hast."

Er atmete schwer. Mit gerunzelter Stirn starrte er in das hübsche Kindergeflcht, das bet diesen inquisitorischen Worten einen scharfen und spitzen Ausdruck angenommen hatte.

Es scheint, ich habe einen sehr wunden Punkt berührt" meinte Else spöttisch.

Ja, das hast Du!" bestätigte er mit mühsam ver­haltenem Zorn. «Aber mehr noch als das kränkt mich Dein Mißtrauen, Dein unwürdiges Spionieren, Deine kindische Neugier!"

Kindisch!" wiederholt die junge Frau. «Wo es sich um die Ehre des Hauses handelt!"

Die Ehre unseres Hauses ist bei mir gut aufgehoben," sprach Ziel ernst.

»Ich will aber wissen," fing Else beharrlich von neuem an,was das für ein Name ist, den die sogenannte Frau Schmidt nicht verraten darf"

Konrad zuckte zusammen.

Und welche Bewandtnis es hat mit dem Jungen, der Dich soviel Geld kostet." Else bemerkte sein Erschrecken und war immer zuversichtlicher.Du stehst, ich weiß viel, und ich will alles wissen."

Er blickte zu Boden und überlegte, ob er ihr Wahrheit geben solle. Sie selbst, mit ihrer Sucht nach pikanten Neuigkeiten, würde vielleicht nicht allzutief verletzt werden, aber sie würde nicht schweigen, davon war er überzeugt/ zudem schien es ihm unwürdig, sich auf solche Weise ein Geständnis abringen zu lassen. Er beugte sich sanft zu ihr herab.Sei vernünftig, mein Elschen! Ich habe Dich so lieb und würde Dich nie durch irgend eine meiner Handlungen kränken oder beleidigen. Das mußt Du mir glauben. Und nun nichts mehr darüber."

Er faßte sie an dem rosigen Kinn und hob ihr Gesicht in die Höhe, um sie zu küssen. Aber diese zärtliche Be­wegung und seine sanften Worte übten eine unerwartete Wirkung auf die junge Frau aus. Sie wandte rasch den Kopf von ihm ab und brach in Thränen aus.

In ihrer Erregung hatte sowohl Konrad wie Else überhört, daß schon zweimal an die Thür geklopft worden war. Diese ward geöffnet, und ganz unvermittelt standen Frau Andree und Martha im Zimmer. Einen Augenblick herrschte peinliches Schweigen. Frau Andree sah von ihrer Tochter zu ihrem Schwiegersohn. Beide blieben stumm. Was ist Dir, Elschen? Fehlt ihr etwas?" fragte sie endlich.

Es ist nichts," antwortete Ziel ablenkend. «Eine kleine Meinungsverschiedenheit, die noch nicht ausgeglichen ist."

Macht das untereinander ab, und wir kommen einmal zu günstigerer Stunde wieder," meinte Frau Andree und wandte sich zum Gehen.

Aber Else hielt sie zurück.Nein, nein, Mama!" rief sie hastig.Bleibt da. Es ist gut, daß Du gekommen bist, und Du auch, Martha. Ihr sollt selbst urteilen. Er be­handelt mich wie ein Schulmädchen. Er empfängt Besuche, von denen ich nichts wissen soll/ bespricht Dinge, über die er mir jede Auskunft verweigert"

Ziel fiel ihr ins Wort.

Else hat während meiner Sprechstunde an der Thür gelauscht und mich nachher über fremde Geheimnisse zur Rede gestellt." Er hatte ganz ruhig gesprochen, aber mit großer Strenge im Ton.

Glaub' ihm nicht, Mama!" unterbrach ihn Else heftig. Es handelt sich nicht um fremde Geheimnisse. Das, was da verhandelt wurde, ging ihn an, ihn allein. Die Frau erhält Geld von ihm unter der Bedingung, daß sie still­schweigt, daß sie einen Namen nicht verrät. Ist das wahr oder nicht?"

Es ist wahr."

Stehst Du! Und warum geschieht das? Warum soll ich denn nichts wissen? Ohne Zweifel sind diese Beziehungen in früheren Jahren angebahnt worden und gehen mich nichts an. Was vor meiner Zeit war, kümmert mich nicht. Das hab' ich gleich gesagt Ihr entsinnt Euch? Und danach handle ich auch. Gewiß! Aber nach der Verheiratung