1899.

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Ein versöhnend Licht.

Rückert.

ernt an heitern Farben deine Tage darben, O, so zweifle nicht;

Unverseh'ns dazwischen wird sich tröstend mischen

sNachdrnck verboten.]

Die Sünden der Väter.

Roman von Osterloh.

(Fortsetzung.)

XIII.

Der Rechtsanwalt Ziel und seine Frau waren den ganzen Sommer über in der Stadt geblieben. Else war damit nicht recht einverstanden, allein der Arzt hatte ihr aus Gründen, die ihren Mann mit der höchsten Freude er­füllten, das Reisen untersagt) und eine Sommerwohnung wollte Ziel nicht mieten. Die Geschäfte erheischten seine Anwesenheit in der Stadt, und er wünschte sich möglichst wenig von seiner jungen Frau zu trennen. Else langweilte sich ein wenig. Ihre Bekannten waren fast sämtlich ausge­flogen, die Straßen waren leer und verödet.

Mißmutig kehrte sie eines Tages von ihrem gewohnten Spaziergänge heim. Sie war zur belebtesten Zeit auf den belebtesten Straßen gewesen und hatte nichts und niemand gesehen! Langsam stieg sie die Treppe hinauf und ärgerte sich über die widerliche aus Küchen-, Hof- und Hinterhaus­dünsten gemischte Atmosphäre. Plötzlich drang, diese über- übertäubend, ein starker, süßer Duft zu ihr herab. Sie blickte auf. Vor ihr, durch eine Wendung der Treppe bisher verdeckt, gewahrte sie die Trägerin des intensiven Parfüms: eine, wie es ihr auf den ersten Blick erschien, elegante Dame. Ein Kleid von schwarzer Seide schleppte hinter ihr her. Beim nächsten Treppenabsatz blieb die Frau stehen, um Atem zu schöpfen. Das Steigen strengte sie offenbar an, denn sie hüstelte trocken, und ihr Busen hob und senkte sich schnell unter dem schwarzen Spitzengewebe, das sie etwas phantastisch um die Schultern geschlungen hatte. Else hemmte ein wenig den Schritt, um sie nicht zu überholen und um das Bild der Fremden in sich aufzunehmen. Diese hatte entschieden etwas Auffallendes an sich, obgleich sie weder jung noch schön war. Früher mochte sie wohl anziehend gewesen sein. Das abgezehrte Gesicht mit stark hervor­

tretenden Backenkochen, einer feinen Nase und einem kleinen, Munde war geschickt geschminkt,- das wellige Haar, das in vielen Löckchen tief in die Stirn herabfiel, war leicht ge­pudert. Ein weißer Schleier hob den zarten Ton der Haut. In der Hand hielt die Frau einen Strauß großer, aus­gesucht schöner Theerofen.

Im zweiten Stocke angekommen klingelte sie und wollte ohne weiteres in Elses Boudoir eintreten, das früher als Privatwartezimmer benutzt worden war.

Bitte, links!" bedeutete sie der Schreiber, der die Thür geöffnet hatte.

Es ist wohl eine Aenderung vorgenommen worden?" fragte sie. Ihre Stimme klang hoch und dünn, und ihre Aussprache war geziert.

Ja. Seitdem der Herr Rechtsanwalt verheiratet ist." Die Thatsache selbst schien sie nicht zu überraschen.

Nachdem sich die Thür hinter der Fremden geschlossen hatte, schlüpfte Else in ihr Boudoir und von da in das Eß­zimmer, das an die Stube ihres Mannes grenzte. Sie hatte sich nicht einmal Zeit genommen, ihren Hut abzulegen, denn sie brannte vor Neugier, zu erfahren, wer die interessante Fremde sei, und was sie von ihrem Manne wolle. Sie verhielt sich mäuschenstill, um kein Wort zu verlieren. Eben sprach die Frau. Es dauerte ziemlich lange, was sie da vorbrachte. Leider dämpften die schweren Portieren beiderseits den Schall sehr erheblich, und der gleichmäßige Tonfall der dünnen Stimme machte die Rede für die Lauscherin völlig unverständlich.

Nein!" antwortete darauf Konrad laut und sehr be­stimmt.Nicht einen Pfennig mehr! Wenn Sie damit nicht zufrieden sind"

Ich bin zufrieden oh, ich bin zufrieden,- wenn nur er"

Sie wissen," unterbrach sie Ziel schnell,daß ich rechtlich zu nichts verpflichtet bin, weder ich, noch irgend ein anderer, und daß ich das Geld für den Jungen freiwillig gebe, einzig und allein unter der Bedingung, daß Sie reinen Mund halten. Mit Drohungen ist also gar nichts gethan. Sollte irgend ein Mensch, und wär' es der Junge selber, nur das Geringste erfahren, so bekommen Sie keinen Pfennig mehr/ dafür garantiere ich Ihnen. Also, Sie wissen, woran Sie sich zu halten haben. Der Junge hat mich schon genug Geld gekostet."

Else lauschte mit verhaltenem Atem. Und doch konnte sie das, was die Frau halblaut, wiederholt von Hüsteln unterbrochen, jetzt erwiderte, nur zum Teil verstehen.