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Krida, warum bist du so sonderbar, habe ich dir etwas gethan!"

Ach laß mich, ich bin müde," erwiderte diese ungeduldig und lief davon.

Renata blickte ihr kopfschüttelnd nach. Ein unruhiger Schlaf umfing fie diese Nacht, zwischen verworrenen Traum­bildern hörte sie singen:

Krone des Lebens, Glück ohne Ruh, Liebe, bist du!"

Am Flügel stand aber ihre Mutter mit Walter an der Hand, und er hielt die Taube, die Frau Pastor Nolte durchaus mit Obst füttern wollte. Da öffnete sich die Thüre, und der Konsul kam herein, sah aber aus wie der alte Gylfen und rief mit dröhnender Stimme:Helene, Helene!" Da wachte die Träumerin mit wildem Herzklopfen auf und hörte jetzt wirklich Stimmen vor ihrer Thüre. Erst glaubte fie, etwas Schreckliches müsse kommen, da unterschied sie Wolframs Stimme und legte sich beruhigter nieder. Wahrscheinlich brachte man den alten, wahnsinnigen Mann zur Ruhe. Frau Charlotte hatte ihr g> klagt, wie aufgeregt er sei. Bald schlief Renata fest und tief.

(Fortsetzung folgt.)

Wie ich Clown wurde.

Skizze aus dem Artistenleben von Oskar Geller.

------- (Nachdruck verboten.)

Es war ein sehr merkwürdiger Zufall, dem ich mein ganzes Glück zu verdanken habe.

Die Geschichte begann, da ich als 22jähriger Jüngling nach der Hauptstadt kam, um dort ernste Studien zu treiben. Mein Vater, ein braver, rechtschaffener Baumwollwaren­händler in einer kleinen Provinzstadt, wollte aus mir einen Staatsanwalt machen. Er schwärmte für diesen Beruf, weil er einmal als Geschworener fungiert hatte. Sein Sohn mußte daher studieren und sobald wie möglich die Rolle des öffentlichen Anklägers übernehmen. Ich that ihm soweit den Gefallen, daß ich mich ernstlich bestrebte, ein tüchtiger Student zu werden. Dies hatte ich auch glücklich in kürzester Zeit heraus, ich wußte, wo die besten Kneipen der Hauptstadt sind, wo man das süffigste Bier ausschenkt und wo es gemütlich zugeht. Fragte man mich aber, was ich sonst noch studiere, dann antwortete ich ehrlich und treu: Mein Vater behauptet, ich wäre Jurist."

In dem Hause, in dem ich wohnte, befand sich ein famoser Biergarten. Der hatte mich auch bestimmt, just diese Wohnung zu nehmen. Da konnte ich unten bequem bis in die späte Nacht meiner Lieblingsbeschäftigung nach­gehen und Bier trinken, das ich schuldig bleiben durfte, ein Vorzug, der mir ausnehmend gut gefiel. Am Ende des Monats, wenn mein Vater dann Geld schickte, beglich ich die Rechnung und konnte weiter auf Pump trinken.

Dies, wie besonders mein allabendliches Erscheinen in der Kneipe brachte es schließlich mit sich, daß ich auch mit den Stammgästen mehr vertraut wurde bis auf einen. Bis auf einen älteren, sehr würdig aussehenden Herrn mit glattrasiertem Gesicht, der jeden Abend zur bestimmten Minute erschien, sein Bier trank und dazu die Zeitung las. Wir hielten ihn alle für einen Gelehrten, er war stets schwarz gekleidet, hatte eine sehr ernste, würdevolle Miene, und trug einen großen, schwarz eingefaßten Klemmer auf der Nase. Dabei beachtete er keinen Menschen, trank in aller Stille seine paar Glas, zahlte und ging gemessenen Schrittes davon, um am nächsten Abend zur selben Stunde wieder zu erscheinen.

Dieser Herr war uns allen längst aufgefallen, aber kein Menfch wußte etwas näheres über ihn. Mich interessierte er aber besonders, denn ich bemerkte einigemale, wie er mich prüfend beobachtete und dabei ein wenig schmunzelte.

Offenbar gefiel ich ihm; dies entnahm ich auch daraus, daß ich ihn ein strenges Gesicht machen sah, als ich einmal eine unserer Kellnerinnen in die Wange zu kneifen versuchte. Eigentlich ärgerte mich dies; was geht es ihn an, wenn ich der schönen Münchener Resi ein freundliches Wort sage? Nun werde ich sie erst recht in die Wange kneifen.

Ich ließ mir einen frischen Krug Bier bringen, ergriff hierauf die Resi beim Arm und begann mit ihr zu plaudern. Als sie dann forteilen wollte, packte ich sie mit raschem Griff um den Nacken, es sah beinahe so aus, als hätte ich ihr einen Kuß geben wollen.

Der schwarze, würdige Herr, der diese Szene scharf beobachtete, schien über mich geradezu entrüstet zu sein, denn als die Resi dann mit kreischendem Lachen davonlief, geschah etwas Unerhörtes, der schwarze Herr erhob sich von seinem Sessel und trat auf mich zu.

Ich war mehr als erstaunt, und machte daher ein nichts weniger als geistreiches Gesicht. Er ließ sich aber nicht irre machen, schob den Sessel neben mir vor, lüftete ein wenig seinen Hut und fetzte sich nieder, ohne auf meine höfliche, einladende Bewegung weiter zu achten.

Sie bereiten mir sehr viel Schmerz, junger Mann," begann er,das ist nicht schön von Ihnen."

Ich sah ihn betroffen, sprachlos an.

Schickt es sich für einen jungen Menschen, in einem öffentlichen Lokal eine Kellnerin küssen zu wollen? Das ist höchst unpassend und Ihrer unwürdig . . ."

Ehrwürden," unterbrach ich ihn, da ich davon über­zeugt war, einen Pfarrer vor mir zu sehen,Ehrwürden urteilen streng"

Sie machen sich noch lustig über mich obendrein," bemerkte er ernst,was soll dasEhrwürden" ? Sie wissen doch ganz gut, daß mir ein derartiger Titel nicht zukommt. Ich will mit Ihnen ein vernünftiges Wort reden, aber lassen Sie Ihre Scherze. Wie alt sind Sie?"

Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt."

Was betreiben Sie?"

Mein Vater behauptet, ich wäre Jurist."

In Wirklichkeit aber sind Sie?"

Ein junger Kerl, dem die Welt gefällt!"

Das ist recht. Ich frage Sie daher kurz und bündig, wollen Sie meine Tochter heiraten und was tüchtiges werden?"

Ich lachte auf.Ein netter Scherz."

»Ich scherze nicht in dergleichen Dingen, junger Mann," erwiderte er sehr ernst,antworten Sie mir mit ja oder nein."

Aber gestatten Sie, das ist doch etwas sehr komisches, was Sie da zu mir sprechen. Ich kenne Sie nicht, Sie kennen mich nicht, zudem bin ich noch viel zu jung zum heiraten, und zuguterletzt verstehe ich überhaupt nicht . . ."

Das ist doch höchst einfach! Meine Tochter ist jetzt siebzehn Jahre alt, hat bereits eigenes Vermögen in der Höhe von 150000 Mark, ist mit glänzenden Verträgen für vier Jahre versehen, und wird mich, wenn ich abberufen werde, beerben. Ich habe auch meine 300000 Mark er­spartes Geld. Meine Tochter ist mein einziges Kind, und ich habe daher die Sorge um sie, ihr einen braven, recht­schaffenen Mann zu geb^en. Sie gefallen mir; denn Sie sind jung, schneidig und forsch, aus Ihnen schnitze ich schon einen tüchtigen Menschen und braven Gatten zurecht."

Das ist alles sehr schön--"

Ich weiß schon. Sie wollen meine Tochter zuvor kennen lernen. Wundert mich, daß Sie sie nicht kennen; in der ganzen Stadt spricht man von ihr."

Das ist gerade nicht empfehlend"

Sie sind wohl toll," fuhr er auf,eine Künstlerin wie meine Tochter bildet überall das Tagesgespräch."

Mit diesen Worten zog er aus der Brusttasche seines Rockes einige Bilder hervor, die ein entzückend schönes, junges Mädchen zeigten. Doch was sah ich, ein Bild