Nachdruck verboten.

Der Gylfenhof.

Eine Erzählung von P. Ditfnrth.

(Fortsetzung.) X

Die Gylfenchronik trug Renaten viel Neckerei ein, besonders Frida konnte diese Leidenschaft, wie sie es nannte, garnicht begreifen. Renata war sehr gehorsam und hielt sich möglichst kurze Zeit im Archiv auf, aber auf diese Weise wurde sie ja nicht fertig und so bat sie den Professor, ihr zu erlauben, das Buch mit in ihr Zimmer zu nehmen. Er that nicht nur dies, sondern brachte ihr selbst den Folianten, der für sie viel zu schwer sei, herauf. Sie war ganz beschämt über seine Freundlichkeit, aber er wehrte ihrem Danke und trat einen Augenblick zu Schneewittchen, das zutraulich auf die Schulter seines ehemaligen Herrn flog. Es fiel ihr wieder aufs Herz, wie sie ihn seines Lieblings beraubt) und ihre Augen sprachen das wohl aus, mit denen sie die beiden nachdenklich betrachtete, denn er faßte das Tierchen sacht bei den Flügeln und gab es ihr zurück. Wollte sie ihm denn nicht Walters Bild geben? Bergeffen hatte sie es nicht, aber die passende Gelegenheit war ihr noch nicht geboten worden. Sie holte es schnell hervor und überreichte

Sonntag den 22. Oktober.

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Weltblick.

ich meinen Blick zum blauen, Unbegrenzten Himmelszelt, Wird von wunderbarem Schauen

Oft die Seele mir erhellt.

Vor des innern Lichtes Scheine Schwindet plötzlich Zeit und Raum, Blick ich auf das ewig Eine Aus der Dinge dnnklem Tranm.

Wnrzeln schlag' ich tief im Grunde, Sterne sind der Wipfel Zier, Und der Welt geheime Kunde Dringt durch alle Adern mir.

Ob das arme Ich verloren, Wie der Brandung Schaum zerschellt, Gleich dem Phönix neu geboren Wird mein Geist zum Geist der Welt.

R. v. Gottschall.

es ihm mit lieblicher Schüchternheit:Sie sollen eine freund­lichere Erinnerung von dem herzigen Gesichtchen haben, als da es entstellt vor Ihnen lag."

Wie freudig leuchteten seine Augen, als er ihr so herzlich dankte. Heute wollte sie die Aufzeichnungen nun zu Ende lesen, denn der Abschied nahte morgen schon. Vieles hatte sie nur mit den Augen überflogen, dann kam der dreißig­jährige Krieg mit seinen Greuelgeschichten, die Renata meist überschlug. Zwei Söhne waren damals wieder auf dem Gylfenhofe, Heinrich schon verheiratet und der jüngere Eckardt, welcher in den Krieg zog. Heinrich mußte auch flüchten, und nun entstanden große Lücken in der Chronik. Ein Ver­wandter des Hauses, der Priester war, hielt sich am längsten im Hause versteckt und rettete verschiedene Wert­sachen sowie seine Aufzeichnungen, die er kurz vor Ausbruch des Krieges begonnen.

Zehn Jahre nach Bendigung des Krieges tauchte Roderich Gylfen aus und baute sein in Schutt und Asche gesunkenes Erbe wieder auf. Dank dem versteckten Vermögen war er nicht mittellos, und so entstand der Gylfenhof, wie er noch jetzt war. Roderich verheiratete sich und führte noch mehrere Jahre ein ruhiges, wenn auch arbeitsreiches Leben von Eckardt Gylfen hörte man nie wieder, er blieb verschollen.

Anfangs des achtzehnten Jahrhunderts trat ein Erich Gylfen zur evangelischen Kirche über,- mit dessen Enkel Walter starb das Geschlecht aus. Er h nterließ nur eine Tochter, und die Witwe forschte eifrig nach Nachkommen des ver­schollenen Eckardt, aber ohne Erfolg.

Die letzten Blätter waren lose, als seien sie gewaltsam herausgerissen, und das Ende der Aufzeichnungen fehlte ganz. Renata hätte gern gewußt, wem schließlich Jungfrau Agnes Gylfen ihre Hand gereicht, aber sie hatte ja genug über die Gylfens erfahren. Und so schlug sie das Buch zu und erhob sich, um in das Wohnzimmer zu gehen, wo ihrer gewiß wieder viel Neckerei wartete.

Lebhaftes Sprechen vieler Stimmen drang ihr entgegen, und als sie zögernd die Thür öffnete und eintrat, stand sie mehreren jungen Mädchen und einigen Herren gegenüber, die ihr, außer den Burghoffs, die sie sofort bemerkte, gänzlich fremd waren. Ihre Befangenheit stieg, als Fridas Stimme ungeniert laut rief:Endlich kommst du, ich dachte, du modertest schon bei deinen Gylfens!" und dadurch aller Augen auf das junge Mädchen richtete.

Frau Falkner stellte die jungen Leute einander vor, und Anna Burghoff erklärte, es gälte eine Probe zu einer gemein­samen Aufführung für die Hochzeit ihrer ältesten Schwester.