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gelenk damit, streift dann ihren kleinen Aermel zurück und ist gerade im Begriff, den Prozeß des Zeichnens auch auf ihren Arm auszudehnen, als die Dame mit den klaren Augen sie in ruhigem Ton anredet —
„Ich denke, jetzt könntest Du aushören, Jessie".
Unaussprechliche Bestürzung und untadelhastes Benehmen auf Seiten aller bis fünf Minuten vor vier Uhr. Da — o mein Gott, wie menschlich! — schien die jüngste Schülerin des Zimmers, welche für eine französische Stunde das Zeitwort zLiinsr" ausgearbeitet und demselben die geniale Ueber- schrift: „Die erste Kongregation" gegeben hatte, zu der gleichen Ueberzeugung wie Bacon gekommen zu sein, der Ueberzeugung nämlich, daß zu viel Zeit beim Studium zu verschwenden, nichts als die reine Trägheit sei. Sie legt ihre Arbeit beiseite, lehnt sich an ihren Sitz zurück und streckt ein zierliches Zünglein heraus- zuerst nur die Spitze, dann mehr —immer mehr — bis die ganze Zunge draußen ist- eine lange, rosenrote Zunge, die noch länger zu machen sie sich allen Ernstes, aber vergeblich bemüht.
Als die Zunge ihre größeste Ausdehnung erreicht, bemerkte Miß Fulton:
„Weiter wirst Du sie wirklich nicht herausbringen können. Komm lieber zu mir, mein Kind, und hilf beim Wegräumen der Federn. Jessie kann ebenfalls einen Augenblick kommen, und" — damit wendet sie sich an die Verfasserin der Schmähschrift „und Du, Ursula, auch- und bringe, bitte, das Papier, welches Du vorhin in jenes Buch legtest, mit. Ihr andern könnnt jetzt gehen".
Ein schneller Abschied. Niemand bleibt im Zimmer übrig als Miß Fulton und die drei kleinen armen Sünderinnen. Was mag Miß Fulton ihnen wohl sagen? Dunkle Blutwellen schießen in ihr Gesicht, und Thräne um Tdräne rinnt über ihre Wangen. Schäme Dich, Leser, daß Du fragst! Wenn große Erdenkinder die Schule weinend verlassen, belästigt man sie mit Fragen. Und dies sind noch dazu ganz kleine!
An der Thüre bleiben sie stehen.
„Dürfen wir — dürfen wir nicht irgend etwas für Sie thun?"
„Ja, Ihr könnt mir eine Taffe Thee herbringen".
„Oh! das Entzücken!
Sechs kleine Füßchen trippeln geschäftig davon- — sechs kleine Füßchen kommen behutsam wieder hinein.
„Stellt alles dorthin, Kinder, und--Aber Ihr
kommt spät nach Hause. Eilt Euch jetzt. Nun, Ursula? Immer noch da? Willst Du noch was, mein Kind!"
„Nein, ich danke- ich werde auch gehen".
An der Thür aber zögert sie von neuem.
„Würden Sie nicht doch gerne lesen, was ich auf das Papier, welches Sie mir zurückgaben, geschrieben habe?" kommt es endlich beklommen von ihren Lippen, während die Hand schon die Thürklinke umfaßt hält.
Miß Fulton blickt auf.
Sie sieht nichts weiter als einen kleinen, von dunklem Haar halb bedeckten Rücken und einen in atemloser Spannung gehaltenen Kops.
„Nein, Ursula".
„Aber Sie dürfen!"
Mit einem Sprung ist das Kind wieder an ihrer Seite und drückt ihr — über und über errötend — den zerknitterten Papierknäuel in die Hand.
„Sie wiffen nicht, wie schlecht ich bin".
„Ich will es auch garnicht wissen, mein Kind. Und auch niemand anders soll es je erfahren". Und Miß Fulton wirst das Papier in den Kamin.
Niemand! — Niemals — —
Welch ungewohnte Liebkosung wird der gütigen Lehrerin zuteil? Liebevolle Arme umklammern sie, ein heißes, thränen-
überströmtes Gesichtchen lehnt sich an das ihre, ein süßeS Rosenmündchen überschüttet sie mit zärtlichen Küssen und Worten unendlicher Dankbarkeit- es sagt dieser Frau, die mit dem Schamgefühl eines kleinen Kindes Mitleid hatte, sie sei eine gute Frau, eine herrliche Frau, eine verehrungswürdige Frau- viel, viel verehrungswürdiger alsPompejus-^ als Pompejus der Große!
Diese kleinen Erdenkinder, welch' seltsame Geschöpfe!
Eine Weile später, als Miß Fulton, nun wieder allein, an ihrem Kamin in träumerischer Versunkenheit dasitzt, spielt in ihren Augen, so klar und hell wie ein Spiegel, ein sanftes Leuchten.
Diese kleinen Erdenkinder, welch' süße Geschöpfe!
Als Miß Fulton endlich aus ihrer Träumerei emporfährt, sind ihre Augen, sonst so klar und hell wie ein Spiegels von Thränen getrübt.
Miß Fulton, die sehr allein in dieser Welt steht, fühlt sich ganz eins mit den ihr anvertrauten jungen Menschenknospen. ____________
GeinernnÄtziges.
ZSlumenpflege.
Pelargonienstecklinge. Viele Blumenfreunde, die Pelargonien zum Schmücken der Gärten verwenden, überwintern die im Herbst aus den Beeten ausgehobenen Pflanzen, haben aber in der Regel nicht viel Glück damit. Die mächtig ins Kraut gewachsenen Pflanzen, wenn sie nach Mitte oder gegen Ende Oktober in Töpfe gepflanzt und in den Ueber- winterungsraum gebracht werden, trauern, verlieren einen großen Teil ihrer Blätter, die ihnen noch verbleibenden werden zum Teil von Fäulnis und Schimmel ergriffen, die nachfolgenden aber werden immer kleiner und armseliger. Pelargonien, wenn sie gut überwintern sollen, dürfen daher nicht zu spät im Herbst in Töpfe gepflanzt werden. Am besten aber überwintern Stecklinge, die schon im Mai, Juni oder zu Anfang Juli gemacht und nicht ausgepflanzt, sondern in Töpfen kultiviert werden.
Mr die Küche.
Konservieren der Kürbisse in Esfig und Zucker. Man nimmt die reifen Kürbisse schält und halbiert sie, befreit sie von den Kernen, schneidet sie in entsprechende Schnitten und legt diese sechs bis acht Stunden in Essig. Dann nimmt man die Schnitte heraus, trocknet sie gut ab, nimmt drei Teile guten Essig, ein Teil Wasser — auf 1 Liter Esfig 1 Kilogramm Zucker — siedet den Essig und den Zucker zusammen, nimmt den Schaum herunter legt Zimmt und Gewürznelken in den siedenden Essig, kocht die Kürbisstücke so lange, bis sie gar, aber nicht weich sind, legt sie in ein Glas und wenn sie gut abgekühlt sind, so gießt man den vorher tüchtig eingekochten und abgekühlten Essig darüber und verbindet mit Pergamentpapier oder Schweinsblase.
Rezept zur Bereitung von Rhabarberwei«. „Zu je 5 Pfund dünn geschnittenen Stielen giebt man 2J/a Liter Regenwasser, bringt die Mischung in ein Holzgefäß und rührt dreimal täglich während einer Woche mit einem Holzstab um. Dann läßt man die Flüssigkeit durch ein weites Sieb laufen und setzt zu je drei Liter 5 Pfund weißen Zucker, den Saft von zwei Zitronen und die auf Zucker abgeriebene Schale einer Zitrone zu. In einem Fasse läßt man die Mischung gädren, klärt und füllt im März auf Flaschen. — Oder es wird der Säst aus den Stengeln gepreßt und auf je 4 Liter Saft 4 Liter Wasser und 7 Pfund brauner Zucker gegeben. Die Flüssigkeit läßt man vergähren.
Redaktion: «. Burkhardt. — Druck tmb Verlag der Brühl'scheu UniverfitLtS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Lrben) in Gießen.


