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machen. Der Kapitän hatte entdeckt, daß ich mit Navigations- Berechnungen gut Bescheid wußte und hatte mich daher beauftragt, ihn stets bei Mittagshöhe der Sonne mit meinem Sextanten zu erwarten.
Der Junge, welcher auf den Knieen lag und schabte so gut er konnte, wurde vom Maat gescholten, daß er das Deck beschädige. Er antwortete, die Flecke gingen sehr tief, und er müsse scharf kratzen, um sie herauszubrtngen.
//Ich sage dir, daß du das Deck beschädigst; ich will dich Prügeln, du Kröte, daß du am Leben verzagen sollst, wenn du frech bist."
„Aewer seihn Se sülwst, Str, bat Deck is hart Itn ik kann de Flägg nich rute kregen, ahn scharp tau schaben."
„Was, du willst dich verantworten, du Lümmel, du!" brüllte der Maat, an ihn herantretend. „Du hast wohl den meuterischen Hunden vorn was abgelernt?"
Dabei schlug er mit der geballten Faust den Jungen an den Kopf, daß er umfiel wie ein Klumpen Blei und ihm gleich das Blut aus Nase, Mund und Ohren lief.
Es waren gerade Leute in der Mitte der Brigg an einem Segel beschäftigt, als der Junge den Schlag erhielt und zusammenbrach; sie blickten wild herüber und ließen ein Murren hören.
Der Maat sah sich nach ihnen um und, bei dem Jungen stehen bleibend, befahl er ihm, sich aufzurichten und mit seiner Arbeit fortzufahren.
„Keine Verstellung! Auf mit dir!" schrie er, „ich kenne deine Kniffe. Auf deine Kniee und wieder angefangen, oder ich werde dich an den Fersen aufhängen mit dem Kopf nach unten, und dann magst du so schaben." Damit gab er dem armen, kleinen Kerl noch einen Fußtritt.
Dies war mehr, als Fleisch und Blut ertragen konnten.
„Fort mit Ihrem Fuß!" schrie ich. „Sehen Sie nicht, daß der Knabe bewußtlos ist?"
„Mit wem sprechen Sie?" donnerte er mich an, während Wut und Mord aus seinen Augen sprühten.
Der Kapitän stand gleichgültig mit dem Sextanten in der Hand dabei.
„Sie haben den Knaben so geschlagen, daß er die Besinnung verloren hat," sagte ich- „und ihn jetzt noch mit dem Fuß zu stoßen, ist eine wahre Bestialität."
„Ueber Bord sollst du fliegen, du Knote!" brüllte der Maat, sich wie ein Rasender geberdend. „Ich werde dir die Knochen im Leibe zerbrechen, du Landtölpel, du!"
Ich legte den Sextanten eilig nieder und zog den Rock ab.
„Wenn Sie bis auf eine Elle herankommen, so schlage ich Sie kurz und klein," sagte ich.
Die Leute hatten inzwischen sowohl das Segel wie ihre Arbeit auf dem Vorderdeck verlassen und sammelten sich hinten.
„Kapitän Franklin," kreischte der Maat, schäumend vor Wut, „befehlen Sie, daß er in Eisen gelegt wird, sehen Sie nicht, was seine Absicht ist? Wenn Sie das durchgehen lassen, wird die Brigg genommen werden. Dieser verfluchte Hund ist der Rädelsführer!"
Ich hatte mich fest auf meine Beine gestellt, ihn zu empfangen, und meine Faust war bereit, auf sein Gesicht niederzuschmettern, aber der Schurke, welcher einen Knaben schlagen konnte, hatte nicht den Mut, mit mir anzubinden.
„Ziehen Sie Ihren Rock an und nehmen Sie Ihren Sextanten ans," sagte der Kapitän barsch zu mir, zu Mr. Sloe aber: „ich wünsche Ruhe, alles übrige wird sich finden," und zu den Leuten: „Was wollt ihr hier? Fort an eure Arbeit! Tragt den Jungen in seine Hängematte, ein Scheuerbesen hierher!"
Ich gehorchte den Befehlen des Kapitäns, und der Maat ging sogleich nach hinten. Kaum war der noch immer bewußtlose Knabe nach vorn gebracht, als Miß Franklin auf Deck kam. Als sie das Blut erblickte, stutzte sie, sah mit entsetzten, weit aufgerissenen Augen darauf hin, dann nach
mir, dann rückwärts nach dem Maat, und lief dann zu ihrem Bruder. Nach kurzem Geflüster mit diesem kehrte sie in die Kajüte zurück.
Ich hatte das Gefühl, daß das Drängen der Leute nach hinten und die Erinnerung au die Szene, wo der Maat von ihnen niedergeschlagen worden war, mich gerettet hatte. Vielleicht war es auch ein plötzlicher Widerwille gegen die viehische Rohheit des Maats, und Furcht vor den Folgen des dem Knaben erteilten Schlages, was den Schiffer zur Unthätigkeit veranlaßt hatte. Gewiß ist, daß, wenn der berichtete Vorfall vor der ersten Auflehnung der Mannschaft stattgefunden hätte, sich Kapiiän und Maat einmütig auf mich gestürzt haben würden,' ich würde mit Eisen an den Beinen bei Wasser und Zwieback eingesperrt und schließlich in Sydnky unter Anklage der Meuterei vor Gericht gestellt worden sein.
Der schwerste Schlag für den Maat war, daß der Kapitän stillschweigend meine Partei genommen hatte. Er sagte später nichts zu mir über meine Einmischung- aber die finsteren, haßerfüllten Blicke, die er mir zuwarf, verrieten mir, daß er auf Rache sann. Sein Benehmen veranlaßte mich zur Wachsamkeit gegen einen hinterlistigen Angriff seinerseits.
Ich hatte an diesem Tage während der ersten Hundswache den Dienst auf Deck und nach der ersten Viertelstunde bemerkte ich gerade vor uns Rauch am Horizont. Ein frischer Seitenwind jagte diesen den Klüsen gegenüber die See entlang. Ich dachte, daß es ein heimfahrender Dampfer sei, und daß wir einander bald begegnen würden. Unter dieser Annahme ging ich nach hinten, um zu sehen, ob auch die Signal-Leinen klar und die Signale im Flaggen Kasten zur Hand wären.
Einem nach der Heimat steuernden Schiff zu begegnen, ist auf See immer ein bemerkenswertes Ereignis für ein nach auswärts segelndes Fahrzeug. Man denkt daran, daß der Fremde unseren Lieben in der Heimat Nachricht von unserem Wohlbefinden bringen wird. Ich lächelte traurig über meine Eile, nach hinten zu laufen, um alles klar zum Signalisieren zu machen. Niemand wartete daheim auf Kunde von mir. Es gab auch kein einziges Augenpaar in ganz England, das um meinetwillen freudig aufgeleuchtet hätte bei der Nachricht, daß die „kleine Lulu" in dem und dem Breitengrad gesehen worden und an Bord alles wohl war.
Ich hielt das Glas unausgesetzt auf die Stelle gerichtet, wo der Rauch seinen Herd hatte, vermochte aber weder Schornstein noch Spieren zu entdecken- ich begann deshalb zu glauben, daß es ein denselben Kurs mit uns steuerndes Dampfschiff von sehr geringer Fahrt sei, dem wir uns allmählich näherten. Nach einer Weile brachte mich die zunehmende Dicke der horizontalen Rauchsäule auf einen neuen Gedanken.
„Es sieht wie ein brennendes Schiff ans, Sir," sagte ich zu dem Kapitän, welcher auf Deck gekommen war und sich über die Verschanzung lehnend den Ranch ebenfalls betrachtete.
,,Was soll es denn anders sein?" erwiderte er schroff, ohne nach mir hinzusehen. Dies war so dann und wann sein Benehmen gegen mich seit dem Streit mit dem Maat.
Es ging eine ganze Stunde hin, ehe der Rumps des brennenden Schiffes in das Gesichtsfeld des Glases trat. So gut ich zu erkennen vermochte, war es, nach dem Schnitt seiner Backen zu urteilen, ein großes nordamerikanisches Schiff. Es sah aus wie eine kleine vulkanische Insel. Der Rauch stieg schwarz wie Tinte in dichten Massen empor und zog am Horizont entlang wie der Schatten einer Küste. Ich ließ mein Auge über das Wasser schweifen, um zu sehen, wo seine Boote wären- aber nicht das kleinste Fleckchen war sichtbar. Einerseits um den Rauch zu vermeiden, anderseits um einen deutlicheren Anblick des Schiffes zu erhalten,


