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das Leben und ward darin von der Kommerzienrätin unter­stützt, die ihrem Liebling nichts abzuschlagen vermochte.

Noch mehr als den Sohn hatte sie freilich die Tochter verzogen, die sie erst zehn Jahre nach Adalberts Geburt ihrem Manne geschenkt hatte.

Seit dieser Zeit kränkelte sie fortwährend und ihre Reizbarkeit hatte sich in einem Grade gesteigert, daß ihre Umgebung schwer darunter litt und man es ihr, was auch geschah, um ihre Launen zu befriedigen, selten recht machen konnte.

Da sie unfähig war, die sehr lebhafte und von ihr im höchsten Grade verwöhnte kleine Hermine viel um sich zu dulden und sie mit krankhaftem Eigensinn darauf bestand, das Kind dürfe eine öffentliche Schule nicht besuchen, so mußte eine Erzieherin ins Haus genommen werden.

Damit war aber eine neue Klippe für den ohnehin so sehr gefährdeten Hausfrieden geschaffen. Hermine gehorchte keiner Erzieherin und hatte einen Rückhalt an der Mutter, die ein Vergnügen darin zu finden schien, der Fremden, der sie ihr Töchterchen doch nun einmal anvertrauen mußte, das Leben so sauer wie möglich zu machen. Wiederholt kam es zu stürmischen Auftritten, bei denen der Kommerzien­rat sich in die peinliche Lage versetzt sah, den Schiedsrichter zwischen der Gattin und der Erzieherin zu machen. Das Ende vom Liede war- immer, daß die letztere ihr Bündel schnürte und die schöne, aber für sie reckt ungastliche Villa Helldorf in der Bellevuestraße in Berlin verließ, in die sie vor einigen Wochen mit ganz anderen Erwartungen einge­zogen war.

Seit ein paar Monaten schien nun diesem unerquick­lichen Zustande, unter dem sämtliche Hausgenossen gelitten hatten, eine Ende gemacht zu sein durch den Eintritt von Felicitas von Kressen, die das kleine Mädchen, das ihr zu­erst mit Trotz und Widersetzlichkeit begegnete, durch Güte wie durch Ernst und Festigkeit zu bezwingen und sich sogar sehr anhänglich zu machen gewußt hatte.

Hermine klagte die Erzieherin bei der Mütter nicht mehr an, sondern zeigte ihr Liebe und Vertrauen, und ent« fesselte dadurch in der Brust der Kommerzienrätin den Dämon der Eifersucht. Das Herz ihres Kindes sollte sich keiner anderen zuneigen- was es dieser Fremden gab, war der Raub an ihr.

Dabet blieb es aber nicht- Felicitas gab dem zur Eifersucht so sehr geneigten Gemüte ihrer Herrin noch ganz andere Nahrung. Der Kommerzienrat und seine beiden Söhne waren der jungen Dame dankbar für das Behagen, das sie ihnen bereitete, hielten mit ihrer Anerkennung nicht zurück und begegneten ihr mit derjenigen Zuvorkommenheit und Hochachtung, auf die sie vermöge ihrer ganzen Persönlich­keit die begründetsten Ansprüche hatte.

Das vermochte Frau Helldorf nicht zu ertragen. Sie ärgerte sich über jedes freundliche Wort, das ihr Gatte an die Erzieherin richtete, über jede Artigkeit, die ihr durch Adalbert erwiesen wurde, und grollte ihr sogar darüber, daß Hans aufmerksam gegen sie war, obwohl sie den Stief­sohn durchaus nicht liebte. Sie hatte sich in den Kopf ge­setzt, ihr Mann ziehe ihn den Kindern zweiter Ehe vor und beneidete ihn auch um das Vermögen, das er von seiner Mutter geerbt und das sich unter der umsichtigen Verwaltung des Vaters bedeutend vermehrt hatte.

Ob sie liebte oder haßte, gleichviel, sie wollte von allen angebetet sein und niemand neben sich dulden.

(Fortsetzung folgt.)

Der Herzog kommt!

Eine Theatergeschichte aus der Hundstagszeit.

Von Edmund May.

---- (Nachdruck verboten.)

In Saalfeld in Thüringen im Theatersaale des Herrn Zapfe spielte Ende der achtziger Jahre eine Gesellschaft,

welche fast durchweg aus Mitgliedern größerer Bühnen be­stand, die für den Sommer sich zusammengethan hatten, um unter der Leitung eines bekannten Bühnenleiters die saure Gurkenzeit zu überdauern. Der Direktor, ein alter Bekannter von mir, traf mich nach Beendigung der Saison in Berlin und erzählte mir in guter Stimmung seine Erlebnisie.

Der Sommer hat mir" so begann er seine Schilde­rungwie üblich wieder viel Sorgen gemacht. Von einem Gagetage zum andern mußte ich mich abmühen und quälen, um die paar Pfennige zusammenzubringen, die ich den Mit­gliedern aüszuzahlen hatte. Auf welch raffinierte Weise aber ein Direktor in der Provinz, lieber Freund, es versuchen muß, Einnahmen zu erzielen, das hat mir Saalfeld aufs neue bewiesen.

Der Gagetag stand vor der Thür, und die Geschäfte gingen miserabel. Manche Einnahmen brachten mir nicht die Tageskosten, und ich sah das drohende Gespenst des Krachs vor mir auftauchen. Da hörte ich, der Herzog von Meiningen wolle nach langer Abwesenheit seine liebe und getreue Stadt Gaalfeld besuchen. Auch die Freifrau von Heldburg, seine hohe Gemahlin, würde ihn begleiten. Ganz Saalfeld war in Aufregung, man dachte womöglich noch weniger ans Theater als sonst, und drei Tage vor der Ankunft des Herzogs kam ich infolge Vorbereitung einer Novität nicht zum Spiele». Es wurden große Empfangsfeierlichkeiten geplant und am Abend der Ankunft seiner Hoheit war ganz Saalfeld am Bahnhof, und bis in die Nacht hinein währte der Trubel. Für den nächsten Tag hatte ich eine Vorstellung zu Ehren der Anwesenheit Sr. Hoheit angesetzt und sah mich schon wiederSchneider" werden. In der Nacht reifte in mir ein Plan, wie ich am nächsten Tage das vielköpfige Ungeheuer ins Theater locken wollte. Mit dem Frühesten, als meine Mitglieder noch alle in Morpheus Armen lagen, ging ich in die Druckerei, ließ mir auf Atlas einen Zettel der Abend­vorstellung abziehen und erzählte dabei beiläufig, daß ich mich beim Hofmarschall habe melden lassen, und Hoheit bitten wollte, mir die Ehre seines Besuches im Theater zu schenken. Sodann ging ich in die vornehmste Möbelhandlung, suchte zwei wunderbare Polstersessel aus, um sie später in die erste Reihe des Sperrsitzes zu stellen, wobei ich selbstverständlich die Bemerkung fallen ließ, daß die beiden Sessel für den Herzog und seine Gemahlin bestimmt seien, die voraussichtlich die Vorstellung mit ihrem Besuche beehren würden. Sodann warf ich mich in meinen Frackanzug und trollte mich aufs Schloß. Der Herzog, welcher gerade von einem Ausfluge zurückgekehrt war, schlief, und der Hofmarschall ein sehr liebenswürdiger Herr empfing mich. Der Weg aufs Schloß ( keine Straße ließ ich unberührt) währte von meiner Wohnung aus mindestens 25 Minuten, obwohl ich den Weg in fünf Minuten ganz bequem hätte zurücklegen können- aber dann hätten mich die lieben Einwohner von Saalfeld nicht gesehen, und wenn ein Theaterdirektor mit Chapeau claque und Frack in der Stadt umherläuft und der Herzog weilt zum Besuch in der Stadt, dann weiß man doch,was los ist". Und die Neugier der lieben Saalfelder wollte ich ja erregen. Der Hofmarschall, nachdem ich ihm gesagt hatte, daß ich dem Herzog als dem Protektor der dramatischen Kunst persönlich die Einladung zur heutigen Vorstellung überbringen wollte, machte mich darauf aufmerksam, daß Hoheit schliefe, er aber gern der Dolmetscher meines Gesuches sein wolle. Das könne er mir aber schon vorher sagen, daß Hoheit nicht kommen könne, da Hochdiefelben am Abend in Gesellschaft seien und das Diner, zu welchem die Einladung bereits ange­nommen sei, sehr lange dauern könne. Jedenfalls erwiderte ich ihm, hätte ich es doch für meine Pflicht gehalten, wenn Se. Hoheit in der Stadt anwesend sei, eS nicht zu versäumen, um die Ehre seines Besuches zu bitten, auch wenn ich im Voraus überzeugt wäre, daß anderweitige Einladungen und Festlichkeiten ihn abhielten, sich den Musentempel Saalfelds auch einmal anzusehen, da Se. Hoheit doch vor allem es sei, in dem die Schauspielkunst ihren eifrigsten Förderer und