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Schützer zu sehen hätte. Vom Schlüsse aus ging ich ins Hotel zum blauen Hirsch zurück — diesmal brauchte ich dreißig Minuten — wo die ledigen Herren der besseren Gesellschaft zur Mittagstafel immer versammelt waren. Als ich den Speisesaal betrat, kam natürlich der Wirt sofort auf mich zu:
„Nun, Herr Direktor, wo kommen Sie in so feierlichem Aufzuge her?" Und ich erwiderte mit gewichtiger Miene: „Ich war zu Hoheit aufs Schloß befohlen". „Nanu? fragte mich der intelligente Wirt, „wie kommt denn .das? Will Hoheit denn heute das Theater besuchen?" Ich erwiderte ausweichend, Hoheit wollte sich nur über die Besetzung des Stückes informieren, und erzählte, daß der Herzog zum Diner eingeladen sei, und wen» es ihm möglich wäre, wollte er noch zum zweiten oder dritten Akt ins Theater kommen.
Auf welch teuflische Gedanken verfällt ein armer Direktor nicht, wenn er Geld braucht, um die Gage zahlen zu können. — Im Nu war es im ganzen Städtchen herum. „Heute abend kommt der Herzog ins Theater". Um sechs Uhr war schon alles ausverkauft. Herr Zapfe gab seine besten Teppiche her, damit wir sie vom Hauseingang auf die Straße legen konnten. Alles wartete mit Spannung der Dinge, die da kommen sollten. Meine Mitglieder selber glaubten an den hohen Besuch und sahen sich schon sämtlich als Herzoglich meiningensche Hosschauspieler,- alles war in festlich gehobener Stimmung.
Bei Eintritt der Dunkelheit illuminierten sämtliche Häuser der Straße, wo der Herzog durchkommen mußte,- das Publikum, welches die Vorstellung besuchte, war in festlicher Toilette, die Herren im Frack oder Gesellschaftsanzug, die Damen in Balltoilette, so daß ich mir schließlich selber einredete, „der Herzog kommt vielleicht doch!" Es war natürlich auch bekannt geworden, daß Hoheit erst nach dem ersten oder zweiten Akt kommen würde, und mein liebes Publikum hatte für die Vorstellung gar keinen Sinn. Sowie die Thür zum Saaleingang sich öffnete, drehte alles wie auf Kommando den Kopf nach hinten. Nach dem zweiten Akt ließ ich durch einen mir befreundeten Herrn die Nachricht verbreiten:
„Hoheit hätten abgesagt!"
Nun hätten Sie die Enttäuschung auf allen Gesichtern sehen sollen, lieber Freund! aber mein Zweck war erreicht. Das Haus war ausverkauft, und die Gage hatte ich beisammen.
Am nächsten Tage, wie ich in das Hotel zum blauen Hirsch komme, sagte mir der freundliche Gastwirt:
„Na hören Sie, Direktor, das haben Sie aber gut gemacht,- ganz Saalfeld war ja rebellisch. Die Illumination hat mich allein circa zwanzig Mark gekostet. Aber zum zweiten Mal falle ich nicht drauf rein, wenn Sie mir sagen:
Der Herzog kommt!"
GEeinnÄtzigss«.
Mlumenpflege.
Lotheerstecklinge. Wie und wann macht man Lorbeerstecklinge? Dieselben macht man im Sommer nach der erfolgten Ausreifung des Triebes. Man steckt die Stecklinge in Handkästen, die mit Mistbeeterde, auf die man eine 2 bis 3 Zentimeter hohe Sandschicht gebracht hat, gefüllt sind. Die Kästen stellt man in ein kaltes Mistbeet nahe unter dem Glase auf, wo die Kallusbildung bald vor sich geht. Die Wurzeln werden sich in den meisten Fällen jedoch erst im nächsten Frühjahr bilden. Man bringt die Stecklinge zu diesem Behufe auf einen warmen Untergrund, welches Verfahren bei allen harten Herbststecklingen zu empfehlen ist. Giebt man nach dem Stecken sofort Bodenwärme, dann bildet sich zwar eine große Menge Kallus, der jedoch der Wurzelbildung sehr hinderlich ist. Die Ueberwinterung der Sreck-
linge kann im Kalthause oder im Mistbeetkasten geschehen, doch muß dieser frostsicher zugedeckt werden. Nachdem die Bewurzelung erfolgt ist, werden die jungen Pflänzchen in Stecklingstöpfe gesetzt, wozu man eine Mischung von Mistbeet- und Komposterde verwendet. Je nach Belieben können die Lorbeeren nun in Töpfen oder im Kasten ausgepflanzt weiter kultiviert werden.
Das Stiefmütterchen ist eine unserer liebsten und dabei anspruchlosesten Blumen, die während des ganzen Sommers ihre Farbenpracht entfalten und das in immer vollkommenen Farbcnzusammenstelluvgen gezüchtet wird. Besonders wirkungsvoll ist es, wenn dieselben Farben in Massen verwendet werden. Da wird es vielfach als eine Erschwerung empfunden, daß es nicht möglich ist, eine bestimmte Farbenstellung aus Samen rein weiter zu züchten. Demgegenüber wird daran erinnert, daß es leicht ist, die Farbeneinheit der Blüten zu erhalten, wenn man die Stiefmütterchen nicht aus Samen weiterzieht, sondern durch Stecklinge vermehrt. Man schneidet die abgeblühten Pflanzen einfach in mehrere Teile, von denen jeder einige Blätter haben muß und steckt diese Teile in etwas erwärmte, gute Erde. Sie treiben ohne weiteres Wurzeln und man erhält zuverlässig die Farben der Mutterpflanze wieder.
Aür die Küche.
Melone« einzumachen. Nachdem die Melonen blanchiert, und abgetropft, legt man sie in zu dünnem Eyrup gekochten Zucker, welchen man nach 24 Stunden rein abgicßr, auskocht, gut abschäumt, etwas einkochen läßt und heiß über die Melonen gießt,- nach abermals 24 Stunden schüttet man behutsam die Früchte auf ein Sieb, läßt sie rein abtropfen, kocht den Zucker zu dickem Syrup ein, thut die Melonen hinein, schäumt sie gut aus, läßt sie einmal aufkochen, füllt sie in Gläser und verbindet diese mit Popier. Nach zwei bis drei Tagen wiederholt man die letzte Prozedur noch einmal, verbindet aber die Gläser mit gut gereinigter Kalbsblase, nachdem man ein mit Rum getränkres Popierblättchen darauf gelegt hat.
Gurkensalat. Bei der Bereitung des Salates ist ein Haupterfordernts, daß die Gurken möglichst frisch, am besten eben erst oder doch wenigstens am selben Tage abgenommcn sind, daß man sich nach dem Schälen überzeugt, daß sie nicht bitter schmecken, was häufig vorkommt, und daß man den Salat nur wenige Minuten vor dem Anrichten macht, denn es ist eine völlig irrige Meinung er sei gesünder, wenn man ihn eine Stunde vor dem Anmachen einsalzt und dann ausdrückt und den Saft wegschüttet. Der Saft muß bleiben, da sonst der Salat nur zähe und schwer verdaulich wird, auch den ihm eigentümlichen erfrischenden Wohlgeschmack gänzlich verliert. Man schneidet die Gurken möglichst fein auf dem Gurkenhobel, vermischt sie mit Salz, reichlichem guten Oel, Essig und gestoßenem Pfeffer und giebt den Salat sofort zu Tische.
Literarisches.
Es erschien im Verlag Europ. Modenzeitung, Dresden, und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen: Neuer Leitfaden für moderne Damenschneiderei, reich illustriert mit über 50 Abbildungen. Preis gebunden nur 1 Mk. Dieses Merkchen will ein Wegweiser und Ratgeber auf dem Gebiet der Damenschneiderei sein, die es bis in die kleinsten Details, in einfacher, leichtfaßlicher Sprache erklärt und das Verständnis durch zahlreiche instruktive Abbildungen unterstützt. Es ist für alle Lernenden von großer Zweckmäßigkeit und für alle Könnenden ein Nachschlagebuch von beträchtlichem Wert. Ueber die Vielseitigkeit des Buches mag die nachfolgende gedrängte Inhaltsangabe orientieren: Das Zuschneiden, das Füttern des Rocks, die verschiedenen Nähte, der Rockschweif, der Rockbund. — Das Zuschneiden des Futters, des Ober- stosfes, das Aufheften, die Anprobe, das Ausarbeiten der Nähte, das Plätten, das Einfügen des Fischbeins, der Hacken-, Knopf- und Schnürverschluß, Taillenband, Kragen, Aermel. — Die englische Taille. — Das Merkchen dürfte seine Aufgabe, ein wirklicher, nützlicher Ratgeber zu sein, zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllen.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitärr-Buch- und Stcindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


