1899.
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Zum Sonntag.
te Sonne sank, der Abend naht Und stiller rvird's auf Straß' und Pfad, Und süßer Friede, Ruh und Rast Folgt auf des Tages Sorg und Last.
Es schweigt der Wald, es schweigt das Thal,
Die Vöglein schweigen allzumal, Sogar die Blume nicket ein Und schlummert bis zum Tag hinein.
Der Abendstern mit güldnem Schein Blickt in die stille Welt hinein, Als rief er jedem Herzen zu: Sei still, sei still, und schlaf auch du.
Hoffmann v. Fallersleben.
Schuldig.
Erzählung von F. Arnefeldt.
------- (Nachdruck verboten.)
I.
Ich dächte, wir könnten ganz froh sein, daß wir endlich die Rechte gefunden haben. Eine bessere ist nicht aufzutreiben- das mußt Du doch selbst sagen."
„Ja, das ist cs eben, daß gar so wenig an ihr auszusetzen ist. Darüber könnte ich manchmal rasend werden."
Nun mußte der alte Herr, obwohl er sonst weit mehr zum Ernste neigte, als dazu, die Dinge von der komischen Sette zu nehmen, doch laut auflachen.
„Das ist ein Vorwurf, der wohl nicht leicht gegen jemand erhoben wird," sagte er.
„Und doch ist es einer, der gar nicht leicht wiegt und wohl bessere Beachtung verdiente!" rief die Dame und zog die dunklen, scharf gezeichneten Brauen finster zusammen. Die Heiterkeit ihres Gatten schien sie zu verletzen.
Kommerzienrat Helldorf schaute auch schon wieder ganz ernsthaft darein und fuhr fort: „Da wir nun einmal bei der Angelegenheit sind, so laß sie uns ordentlich durchsprechen, Eugenie. Fräulein von Kressen —"
„Fräulein von," unterbrach ihn seine Frau, das Gesicht verziehend, als habe sie eine übelschmeckende Arzenei zu verschlucken. „Schon dieser Titel ist lästig."
„Den kanntest Du, als Du sie engagiertest, und er schien Dir damals durchaus kein Hindernis,- im Gegenteil—"
»Willst Du mich schon wieder auf ein Wort festnageln,
das ich damals hingeworfen haben mag?" fiel sie in gereiztem Ton ein. „Es mag sein, daß ich gesagt habe, ich setzte bei einer Erzieherin aus einer adligen Familie besonders gute Manieren voraus."
„Und besitzt Fräulein von Kressen die etwa nicht?" fragte der Kommerzienrat schnell.
„Gewiß, wie überhaupt alle Vollkommenheiten," war die höhnische Antwort.
Unbekümmert darum fuhr er fort: „Ist sie nicht anspruchslos, bescheiden und vom günstigsten Einfluß auf Hermine? Wenn Du sie entließest —"
„Aber ich denke ja gar nicht daran!" rief die Frau Kommerzienrätin, die es heute besonders darauf abgesehen zu haben schien, ihren Mann keinen Satz ausreden zu laffen. „Ich lehne mich nur auf gegen die Vergötterung, die allgemein mit ihr getrieben wird, und suche wenigstens durch mein Verhalten das notwendige Gegengewicht zu schaffen."
„Das ist vernünftig, das lobe ich!" sagte mit beifälligem Nicken der Kommerzienrat. „Der ewige Wechsel war unerträglich. Wir haben jetzt endlich Ruhe und wissen Hermine gut aufgehoben."
Das noch immer schöne und interessante, aber sehr bleiche Gesicht der Kommerzienrätin verzog sich zum Weinen und sie seufzte:
„Ich verstehe den Vorwurf, der in Deinen Worten liegt, sehr gut, Konstantin! Ich sollte die Erziehung meiner einzigen Tochter selbst leiten können, dazu keiner fremden Hilfe bedürfen! Ach, Du hast ja recht! Niemand beklagt das schmerzlicher als ich! Aber —" Sie vollendete nicht und sank wie gebrochen in ihren Lehnstuhl zurück.
Der Kommerzienrat, der bisher im Zimmer auf und ab gegangen, war sogleich an ihrer Seite, legte den Arm um ihre Schulter und streichelte ihre schlaff herabhängende, krankhaft weiße, von blauem Adergeflecht durchzogene Hand.
„Aber meine liebe Eugenie! Wie kannst Du nur so etwas denken!" rief er. „Wie würde ich Dir solche Anstrengungen zumuten!"
„Es wäre meine Pflicht und meine größte Freude!" erwiderte sie mit einem traurigen Aufschlag der schwarzen Augen, in denen ein unruhiges Feuer brannte. „Glaube mir, Konstantin, das quälende Gefühl, dieser Aufgabe nicht selbst genügen zu können, sie einer Fremden überlassen zu müffen, trägt nicht wenig dazu bei, mich gegen diese reizbar und vielleicht auch ungerecht zu machen."
Dankbar für ein Zugeständnis, zu welchem die stolze und sehr verwöhnte Frau sich nicht so leicht herbeizulassen


