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zählt 1, 2, 1, 2, 1, 2,, so daß man jedesmal die Zahl 1 beim Ausatmen, die Zahl 2 beim Einatmen aus­spricht. Diese Gruppierung der Zahlen bewirkt ein gleich­mäßigeres, tieferes Atmen als im gewöhnlichen Zustande, welches ebensowohl durch sein monotones Geräusch, als durch ein schwaches Gesühl von Schwindel unsere Vorstellungen unklar macht und zum Einschlafen nötigt. Die betreffenden Zahlen muß man sich dabet jedesmal bildlich vor Augen führen, damit bei diesem Vorgang nicht andere Gedanken verfolgt werden können, welche uns wieder munter machen. Stellt sich auch dann noch kein Schlaf ein, so suche man jeden sich nahenden Gedanken durch einen neuen zu ver­scheuchen, bis durch den fortgesetzten Wechsel eine Verwirrung in der Vorstellung entsteht. Gleiches leistet das Hersagen erlernter, nichtssagender Reime oder auch das Lesen eines langweiligen Buches, oder endlich das andauernde Richten der Gedanken auf ein gleichgültiges Objekt, wie es schon Kant empfohlen hat.

Die Notwendigkeit der Fernhaltung äußerer Reize für das Zustandekommen des Schlafes haben wir bereits oben erwähnt. Hier kommt zunächst das Schlafzimmer selbst in Betracht. Es soll möglichst von der geräuschvollen Straße abgelegen und sich nach dem Garten zu befinden. Sind die Augennerven sehr reizbar, so ist es noch zu verdunkeln. Sehr wichtig ist auch die Temperatur des Schlafzimmers und Luftbeschaffenheit in demselben. Erstere soll ungefähr 15° C. betragen, da eine mäßige Wärme den Schlaf be­günstigt, indem sie einen Zufluß von Blut zur Oberfläche des Körpers und Blutarmut des Gehirns bewirkt, doch darf ein Schlafzimmer nicht zu heiß sein, ein Umstand, der be­kanntlich uns im Sommer vielfach den Schlaf stört. In diesem Falle empfiehlt sich Schlafen bei offenen Fenstern. Damit die Luft im Schlafzimmer von bester Qualität sei, muß der Luftkubus des Zimmers, in welchem das Bett steht, nach den Gesetzen der Ventilation mindestens 20 Kubik­meter groß sein. Fleißiges Lüften des Schlafzimmers ist deswegen notwendig. Auch dem Bett muß hinsichtlich der Luftbeschaffenheit eine viel größere Beachtung geschenkt werden, als es gemeiniglich geschieht. Das noch viel gebräuchliche Federbett ist wegen seiner vielen Schädlichkeiten durchaus zu verwerfen, denn die Federn saugen die menschlichen Aus­dünstungen auf und bewahren sie, wodurch Schimmelpilzen und Bakterien ein guter Nährboden geschaffen wird, während gleichzeitig den Körper die um ihn befindliche Dunstaimosphäre in hohem Maße schädigt. Diesen Nachteil vermeidet das eiserne Bettgestell mit Sprungfedermatratze, da es durch seine Ventilation den Ausgleich dieser Ausdünstungen mit der äußeren Luft vermitteln kann. Als Oberbett empfiehlt sich eine wollene, nicht zu schwere Decke. Nicht minder wichtig ist die Lage des Schlafenden. Rückenlage ist zu vermeiden wegen Entstehung von Beängstigungen und Träumen, am meisten ist eine sanftgebogene Seitenlage zu empfehlen.

Ist Blutarmut des Gehirns die Ursache der Schlaflosig­keit, so sind auch wieder hygienisch-diätetische Maßnahmen am Platze. Hier muß zunächst die Ernährung mithelfcn. Reich­liche Abendmahlzeiten, am besten erst kurze Zeit vor dem Zubettgehen, sind dann am Platze. Doch darf deswegen die Nahrung nicht zu voluminös sein, denn ein zu sehr über­lasteter Magen hindert bekanntlich den Schlaf. Physiologisch läßt sich dies in der Weise erklären, daß während der Ver­dauung eine reichlichere Blutzufuhr zu den Verdauungs­organen stattfindet und dadurch das Gehirn zu stärkeren geistigen Leistungen unfähig wird, eine Wahrnehmung, die wir täglich an uns selbst machen, wenn uns nach der Mittags­mahlzeit das Verlangen nach einem Schläfchen anwandelt, obwohl eine starke Ermüdung nicht vorhanden ist. Unter­stützend wirkt daneben der Genuß von Alkohol, namentlich Bier, sowie von etwas Baldrian oder Orangenblütenthee.

Der Kopf soll niedrig gelegt und mit einem Prießnitzschem Umschläge bedeckt werden.

Umgekehrt werden Leute, die an Blutandrang nach dem Kopfe leiden, und bei welchen diese als Ursache der Schlaflosig­keit anzusehen ist, am besten mit erhöhtem Kopfe ruhen. Außerdem sind diesen kühle Halb- und Sitzbäder, kalte Fuß­bäder, Prießnitzsche Einpackungen der Füße, der Waden, des Stammes oder des ganzen Körpers, kalte Umschläge auf den Kopf zu empfehlen. In leichteren Fällen empfiehlt sich auch das Waschen des Kopfes mit frischem kalten Wasser und fortgesetztes Reiben der Füße, entweder durch die Hand eines anderen oder mittels einer weichen Flanellbürste, zumal vor dem Schlafengehen. Auch lauwarme Fuß- und allgemeine Bäder begünstigen den Schlaf bei nervösen empfindsamen Personen. Bei Leuten mit übergroßer Empfindlichkeit gegen äußere Reize sind den warmen Bädern die feuchten Ein­wickelungen bei weitem überlegen. Denn erstlich sind sie im Haushalte leichter herzustellen, dann ist auch die Temperatur­regulierung eine leichtere.

Man macht die Einwickelung in der Weise, daß man den Kranken in ein feuchtes Laken einhüllt und über dasselbe wollene Decken legt. Anfänglich findet, da man gewöhnlich kaltes Wasser nimmt, eine starke Abkühlung der Hautober­fläche statt, dann aber wird die Haut rot, und es wird das erste Laken auf Körpertemperatur erwärmt. Eine große Menge der Wärme wird an die wollenen Decken abgegeben, welche um das Laken gewickelt sind und an deren Oberfläche sich eine Wafferverdunstung eine Wärmeabgabe etablieren, so daß diese als Haut funktioniert, während die wirkliche Haut diesen Reizen entzogen wird; sie giebt nur eine gewisse Menge Wärme an den sie umhüllenden Wasserdampf ab, wie vorher an das umgebende Wasser. Geistig angestrengt Arbeitende leiden namentlich häufig an Schlaflosigkeit, wenn sie die Arbeit bis spät in die Nacht fortsetzen, dann ab­brechen und nunmehr den Schlaf suchen. Dieser flieht sie aber, weil ihr Gehirn noch voller Eindrücke ist, welche sie eben noch beschäftigten, ihr Gehirn ist mit Blut überfüllt, und ein solches Organ ist zum Schlafe nicht disponiert. Hier muß die Schlaflosigkeit in ihrer Ursache bekämpft werden. Die geistigen Anstrengungen sind bereits einige Stunden vor dem Schlafengehen einzustellen. Eine kurze Nachmittags­ruhe ist dabet zu empfehlen, der Nachtschlaf wird dadurch nichr verscheucht, sondern im Gegenteil vorbereitet. In ähnlich nachteiliger Weise auf den Schlaf giebt sich auch im Uebermaß genossene Geselligkeit zu erkennen. Kaffee und Thee, kurz vor dem Schlafengehen genommen, wirken auf viele Menschen aufregend und schlafhemmend. Diese Getränke sollen von solchen Personen gemieden werden.

Handelt es sich um seelische Momente, wie Furcht vor Schlaflosigkeit, so kann manchmal die Schlaflosigkeit durch die Suggestion im Wachen, oder wenn diese nicht ausreicht, in cer Hypnose versucht werden. Doch dieses Gebiet wollen wir dem Arzte überlassen.

Literarisches.

Die Kunst -es Schneiderns gehört mit zu denjenigen Fertig­keiten, die dem weiblichen Geschlecht in allen Lebensstellungen und unter allen Umständen von Wert sind. Der Gattin, der Mutter kommt die Kenntnis im Schneidern zu statten, die vornehme Frau vermag dadurch einen wirksamen Einfluß auf die individuelle Gestaltung ihrer Toiletten zu nehmen, dem Mädchen, welches auf eigenen Füßen stehen muß, wird damit eine Existenz geboten. Niemand sollte daher versäumen, sich diese so nützliche Kunst anzueignen, die nicht bloß im Nähen, sondern auch in der Kenntnis des Zuschnitts besteht. Speziell für den letzteren giebt es in einem im Verlag Europ. Modenzeitung neu erschienenen Zuschneide- werk, betitelt die Perfekte Schneidert«. (Preis in Mappe Mk. 5.). Anleitungen von überraschender Einfachheit, die durchaus auf dem Wege des Selbstunterichts in kürzester Zeit zu den günstigsten Resultaten führen. Das Werk fand in allen Kreisen die denkbar günstigste Beurteilung und innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit eine Verbreitung in vielen 1000 Exemplaren. Prospekte über alle wichtigen Hilfsmittel zur Erlernung der Schneiderei verlange man vom Verlag Europ. Modenzeitung, Dresden.

Redaktion:

®, Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UnivcrsitätS-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch

Erben)

in Gießen.