(Nachdruck verboten.)

Die Sünden der Väter.

Roman von Osterloh.

(Fortsetzung.)

XL

Am nächsten Tage holte sich Ziel, einer schriftlichen Aufforderung der Frau Andree folgend, das Jawort von Elsens Lippen- und ehe noch seine Freunde Zett gehabt hatten, sich von der Ueberraschung über diese ganz unerwartete Verlobung zu erholen, waren die beiden auch schon Mann und Krau. Und ein allerliebstes Frauchen war die kleine Else, darüber waren Ziels Freunde sämtlich einig, mochten sie im übrigen mit seinem Abfall von der Junggesellengilde einig sein oder nicht.

An der Wahl ist nichts auszusetzen, wenn einmal geheiratet sein mußte," meinte der elegante Jsenyardt, Ziels Intimus, ein großer Verehrer des weiblichen Geschechts, und Du warst gerade in dem gefährlichen Alter, wo sich verwöhnte Männer der lieben Bequemlichkeit wegen mit ehelichen Ketten an ihre Wirtschafterinnen zu schmieden Pflegten, notabene, wenn sie in dieser Beziehung so gut versorgt sind, wie Du." Und die Paffende Gelegen­heit benutzend, fügte er hinzu:Solltest Du etwa Deine Perle zu entlassen beabsichtigen, so denke an mich. Ich pränumeriere."

Ziel lachte.Du bist vorgemerkt. Aber vorläufig mache Dir nicht zu viel Hoffnungen. Meine kleine Frau und der Drache vertragen sich noch ganz leidlich- nach­dem nämlich der erste Schreck überstanden war. Denn gerade freundlich hat meine verehrte Frau Teichgräber seinerzeit die Nachricht von meiner Verlobung nicht ausgenommen."

Wäre auch zuviel verlangt gewesen," bemerkte Jsen- hardt philosophisch.

Jetzt geht es, wie gesagt, ganz gut- solange Else ihr alles überläßt und selbst keine wirtschaftlichen Anwandlungen bekommt."

Rr. 102.

BW 8

Lmurerstag den 20. Juli

W

ft noch mit Schnee im Angesicht Blicken schon Blumen in's Tageslicht. Man meint, es wären die groben Arten; Aber die duftigen sind's, die zarten

I. Trojan.

Damit hatte es vorderhand gute Wege. Else spürte gar keine Lust zu Eingriffen in Frau Tetchgräbers Rechte­ste ging spazieren, machte Besuche und Einkäufe und genoß die goldene Freiheit und das süße Nichtsthun in vollen Zügen. Erst waren die Neuvermählten vierzehn Tage ver­reist gewesen, in Wien und Pest- eine längere Reise hatten die ungünstige Jahreszeit und Ziels Geschäfte nicht gestattet. Else hatte alles bewundert: die großartigen Hotels und die Theater, die Museen und die Modenmagazine- letztere am meisten. Zu Hause kam es ihr dann etwas seltsam vor, daß ihr Mann so wenig Zeit sür sie hatte und den ganzen Tag zwischen Aktenstößen vergraben saß.

Warum arbeitest Du denn eigentlich soviel?" fragte sie einmal.

Um Geld zu verdienen natürlich," war die Antwort. Du hast doch schon genug," meinte sie naiv.

Er umarmte sie lachend.Du bist ein kleines, un­verständiges Mädchen.

Sie schmollte ein wenig.Was ist dabei unverständig ? Wenn man so reich ist, wie Du, sollte man überhaupt nicht mehr arbeiten."

Ich bin nicht reich," sagte er einfach.

Sie machte große Augen.Treib' keine Scherze," erwiderte sie halb ängstlich, halb ärgerlich.Schon als ganz kleines Kind wußte ich, daß Du sehr, sehr reich seist."

Wirklich?" scherzte er.Was solche kleinen Mädchen nicht alles wissen. Doch Spaß beiseite, damals war ich in der That reicher als jetzt."

Das Lächeln schwand aus ihrem Gesicht.

Huh! Welch' kummervolle Miene! Närrchen, so schlimm steht's nicht. Ich verdiene genug für uns beide. Sei nicht bange. Ich habe aber thatsächlich in den letzten Jahren größere Ausgaben gehabt, denen" er ließ die Stimme ein wenig sinkenich nicht aus dem Wege gehen konnte."

Wofür?" fragte sie kurz. Die Eröffnung kam ihr sehr unerwünscht.

O allerlei!" antwortete er ausweichend. _

Zum Beispiel?" forschte sie weiter.

Laß das, mein Herz," entgegnete er freundlich aber bestimmt.Ich wünsche nicht mit Dir darüber zu sprechen."

Du hättest es mir ruhig sagen können," bemerkte sie nach einer Weile renommistisch -ich kann mir's ohnehin denken, und ich habe sehr weitherzige Anschauungen in dem Punkt."

Er hätte fast lachen mögen, so komisch altklug kam