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erhaltenen Spektrums scharf von einander zu trennen. Dieser war eS auch, der zuerst schwarze Linien im Sonnenspektrum wahrnahm- eingehender untersuchte sie dann noch der berühmte Optiker Fraunhofer, dessen Namen sie noch heute tragen. Kirchhoff interessierte sich von Anfang seiner Thätig- fett an hierfür sehr, doch gute, zur Darstellung der Fraun- hofer'schen Linien taugliche Flintglasprismen gab e5 damals noch selten. Erst 1857 erhielt Kirchhoff das erste, von Fraunhofer selbst geschliffene Flint-Prisma. Sofort machte er sich mit Bunsen an die Untersuchung der Beziehung der dunklen Linien zu den Hellen- er erzeugte ein Sonnenspektrum und betrachtete darin die von Fraunhofer mit „D." bezeichnete dunkle Linie, dann brachte er zugleich eine kochsalzhaltige Flamme in's Gesichtsfeld und erwartete die früher schwarze Linie nun hell zu sehen. Die Linie wurde aber bei Hellem Sonnenlichte nur noch dunkler. Mit den Worten: „Das scheint mir eine fundamentale Geschichte!" verließ er das Zimmer und am nächsten Tage hatte er die Ursache gefunden: Die dunklen und Hellen Linien sind nicht wesentlich verschieden- jeder Körper absorbiert genau dasselbe Licht, welches er aussendet — ist er hell auf dunklem Grunde, so erscheinen auch seine Linien hell auf dunklem Untergründe — ist er dagegen selbst schwach leuchtend, und sieht man durch ihn eine hellere Fläche, so erscheinen dieselben Linien dunkel auf Hellem Felde. Kirchhoff hatte seinen Lehrsatz von der Beziehung zwischen Absorptions- und Emissionsvermögen gesunden. Nun kam die Frage nach der Unveränderlichkeit dieser Linien. Hier kamen die Forschungen Bunsen's sehr zu gute. Es war schon lange bekannt, daß die meisten Substanzen der Lötrohrslamme, sobald sie durch deren Hitze verflüchtigt und lebhaft glühend werden, eine ganz charakteristische Färbung erteilen, Natrium eine gelbe, Lithium eine rote, Kupfer eine grüne usw. Ein Körper, der das Gelb zeigte, war also sicher Natrium. Brachte man ein Gemisch verschiedener Substanzen in die Lötrohrflamme, so war man jedoch nicht mehr imstande, durch das bloße Auge die Bestandteile in dem leuchtenden Farbengemische zu erkennen. Kirchhoff erkannte nun sofort, wie dieses möglich werden könnte, wenn man nämlich alle Strahlen in reines Spektrum räumlich auseinander legte. Die Farbe jedes Bestandteiles des Gemisches mußte dann an einer andern Stelle des Spektrums zum Vorschein kommen und somit jeder Bestandteil sofort an seiner Farbe zu erkennen sein. Er konstruierte nun einen ausgezeichneten Spektralapparat mit vier Fraunhofer'schen Flintglasprismen und vielen feinen Meßvorrichtungen. Nun erst zeigte sich, daß im glühenden und flüchtigen Zustande jeder Körper nur ganz bestimmtes, ihn unfehlbar charakterisierendes Licht aussendet. Bringr man ein Gemisch von Körpern in die Flamme, so treten im Spektralapparate die Linien jedes Bestandteiles, räumlich getrennt, nebeneinander auf, so daß man jede unzweideutig mit völliger Sicherheit erkennen kann. Alle diese Untersuchungen, welche die Grundlage der Spektralanalyse für alle Zeiten bilden, wurden im Jahre 1859 und folgenden Jahren veröffentlicht. So erschienen 1860 „Chemische Analyse durch Speklralbeobachtungen" und 1862 „Zur Geschichte der Spektralanalyse und der Analyse der Sonuenatmosphäre". Kirchhoffs Ruhm als Entdecker der Spektralanalyse lief wie ein Blitz über'n Erdenrund.
Wenn man bedenkt/ daß mit Hilfe dieser Analyse z. B. Kochsalz im Gewichte von drei Millionstel eines Milligramms noch deutlich nachgewiesen werden kann, wenn man ferner bedenkt, welche geradezu verblüffenden Aufschlüsse dieselbe über das Wesen der Sonne und Sterne gewährt und ihre eminent praktische Bedeutung (in der Zuckerindustrie, beim Bessemerprozeß, zur Erkennung der Weinverfälschung, zur Unterscheidung der Farbstoffe, in der Medizin zur Analyse des Blutes usw.) in's Auge faßt, dann wird man eine Idee bekommen von der Größe Kirchhoffs, und stolz darauf fein, daß dieser große Gelehrte ein Deutscher war und den Ruhm
des deutschen Volkes, als des gebildetsten der Erde, auf's neue für alle Zeiten begründet hat.
G-nT-rnnützige».
Das Härten der Gipsabgüsse ist ein Problem, dessen Lösung um so erwünschter ist, als Gips auf die Dauer leicht bröckelig wird. Man kann demselben eine ganz unverwüstliche Härte und Dauerhaftigkeit geben, wenn man ihn mit 2 bis 4 Prozent Eibischwurzel vermengt. Die Abgüsse sind dann so hart, daß man alle Prozeduren mit ihnen vornehmen, sie sogar drechseln, polieren und lackieren kann.
Das Reinige« der Schleier. Schwarze Schleier taucht man in warmes Wasser, in welchem Ochsengalle aufgelöst ist, und spült sie dann kalt nach. Um sie zu steifen, zieht man sie durch Gummiwasser, klopft sie zwischen den Händen halb trocken und steckt sie dann auf. Weiße Schleier werden in blutwarmem Seifenwaffer gewaschen, leicht ausge- rungen, dann in kaltem Brunnenwasser nachgespült, gebläut, gestärkt und zwischen den Händen trocken geklopft, alsdann aber zum vollständigen Trocknen aufgesteckt.
KesundHeitspffege.
Houig als Heilmittel. Ehe man den Zucker kannte, war der Honig das einzige Mittel, die Speisen zu versüßen, sowie geringere Weinsorten zu veredeln. In der Medizin hat er schon bei den Römern seine Verwendung, sowohl bei den inneren als bei den äußeren Krankheiten gefunden und findet sie noch heute. Honig befördert die Verdauung, wirkt schmerzstillend, erweichend, verdünnt das Blut, hat eine gelinde, abführende Kraft, belebt Brust und Lungen und findet vielfache Anwendung in der Chirurgie.
Mr die Küche.
Vorzüglicher Pudding von Suppenfleisch. 150 Gramm Butter werden erst allein, dann mit sechs Eigelb recht schaumig gerührt, hierauf werden 620 Gramm gekochtes, kalt gehacktes Rindfleisch, ein Hering, Zitronenschale und etwas fein gewiegte Zwiebeln, Muskatnus und 100 Gramm gestoßene Semmel dazu gethan- zuletzt wird der Schnee von sieben Eiweißen (ein Eigelb bleibt zum Beiguß zurück) leicht darunter gemischt. In gut bestrichener und bestreuter Form wird der Pudding eine Stunde gekocht. Zum Beiguß werden die Heringsabfälle mit Zitronenschale in Fleischbrühe tüchtig gekocht, durch ein Sieb gegossen, mit ein wenig Rotwein und Mehl glatt gekocht und mit dem Eigelb abgezogen. Kalt mundet der Pudding vorzüglich als Pastete.
Lederfuppe. Hierzu nehme man eine Kalbsleber, koche diese in siedendem Wasser eine halbe Stunde ab, wonach man sie herausnimmt, zum schnellen Abkühlen in kaltes Wasser legt und dann auf einem Reibeisen reibt. In zwei Kannen kochender Fleischbrühe thut man eine derbe Portion geschnittene Petersilie, nach Belieben ein wenig Majoran, und läßt dies zusammen aufkochen. Die Suppe wird über gerösteten Semmel- oder Brotschnitten angerichtet, und etwas Pfeffer darüber gestreut.
Feine Mitgift. Erster Schnorrer: „Sag' mer, Hersch, was giebfte Deiner Tochter mit, wenn ich se soll heiraten?" — Zweiter Schnorrer: „Geb' ich ihr mit de ganze Provinz Posen!" — Erster Schnorrer: „Wie haißt — die ganze Provinz Posen?" — Zweiter Schnorer: Werd' ich D'r sagen. „Ich geh' 's ganze Jahr schnorren in de Provinzen Brandenburg, Preußen, Schlesien und Posen — werd' ich jetzt blos gehen in Brandenburg, Preußen und Schlesien, kriegst Du, wenn De wirst mei Schwiegersohn, de ganze Provinz Posen!"
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


