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Er hatte ja alles gethan, um das Geheimnis zu wahren, I Martens Glück nicht zu trüben.
Wenn der Himmel selbst nicht wollte —
Da ging die Thüre hinter ihm —
Holaus hatte nur einen Gedanken, man kam ihn zu I befragen, und er zögerte einen Augenblick, sich zu wenden, I nach Fassung ringend, nach einer Ausrede — I
Da flüsterte eS mit ersticktem Atem — „Herr Holaus!" i Jäh wandte er sich. — Fichtner stand vor ihm, zitternd I an allen Glieder«. I
„Retten Sie mich! — Sie wollen mich holen! — Alle I Ausgänge sind besetzt. — Ich schwöre Ihnen, daß ich nichts I verrate, so wahr mir Gott helfe, nur retten Sie mich! Ich I habe mehr auf dem Kerbholz, als ich Ihnen gestand. Wenn I Sie mich fangen lasten, sage ich alles."
HolauS flößte dieser feige, zitternde Mensch unwider- I stehltchen Ekel ein.
„Wie kann ich Sie retten? Ich will Sie auch gar | nicht retten."
„Den Vater Mariens wollen Sie nicht retten? Dem I Gerichte ausliefern? — Das sagen Sie nur so. — Das I können Sie nicht — das dürfen Sie nicht —"
Er hob flehend die zitternden Hände.
„Man wird mich hier nicht suchen, man wird Ihnen I alles glauben, was Sie sagen. — Verstecken Sie mich in irgend einem Winkel — auf dem Boden — Sie haben den Schlüssel —"
Die Angst verzerrte seine Züge, und während er hastig, atemlos sprach, horchte er in die Ferne, ob seine Verfolger noch nicht nahten.
„Zögern Sie nicht! Sie werden es bereuen! Um Mariens willen. — Ich fliehe dann sofort, wenn die Gefahr vorüber, Sie sollen mich nie mehr sehen —"
Holaus zögerte unentschlossen. „Um Mariens willen," sagte er, das war eine gewaltige Berufung.
„Man kommt! — Ich höre sie — wenn man mich bet ! Ihnen trifft. — Bedenken Sie, man wird mich bet Ihnen treffen. — Geben Sie den Schlüssel."
Dieser letzte Grund wirkte auf Holaus. —
Hastig eilte er zum Schreibtische, wühlte unter einem Bunde Schlüssel und reichte einen davon Fichtner.
„Da, nehmen Sie — Ich will auch daS noch — daun fliehen Sie — aber für immer — sonst — zum zweiten- male —"
Fichtner ergriff mit dem Schlüssel Holaus' Hand und küßte sie.
„Dank! Tausend Dank! Ich werde Ihnen das nie vergessen, ewig schweigen."
Da stieß Holaus zornig den Fuß auf.
„Ah was! Sie hätten auch so geschwiegen. Sie find ja zu allem zu feige. — Fort! — Fort!"
Doch Fichtner ging nicht. Weit vorgebeugt stand er da, mit offenem Munde, als ob er den verhallenden Worten deS Mannes vor ihm nachhorchen wollte.
„Wie? Zu feige? Zum Reden? Hätte ich reden sollen? Zu ihr?"
Sein Blick ruhte jetzt fragend auf Holaus.
Dieser ballte drohend die Fäuste.
„Fort sag' ich, oder soll ich —"
Er machte Miene, gegen das Fenster zu eilen.
„Ich gehe schon."
Der Ausdruck der Angst in dem Antlitz Fichtners war jetzt wieder dem verschlagenen gewichen, der ihm sonst eigen war.
„Warum sprechen Sie denn nicht deutlicher — nur einen Wink —"
Holaus machte Miene, auf ihn einzudringen, thn zu fassen.
Da glitt er gewandt wie eine Schlange zur Thür.
„Alles in Ordnung, Herr Holaus, wir verstehen uns." Fort war er.
Holaus stand mit geballter Faust vor der Thür, btt*« riß er fie rasch auf und blickte auf den Gang.
Niemand war mehr zu sehen. — Was war das?
War in seinem Gesichte eine Aufforderung zu lesen, in seinen Augen?
Er drohte ihm, er hätte ihn geschlagen in seinem gerechten Zorne, wenn er noch einen Augenblick gezögert hätte.
Aber er wird ja nicht. Wo denn? Wann denn?
Lächerlich! Er wird seinem Gott danken, glücklich durchgekommen zu sein. Wenn er nur schon so weit wäre!
Er horchte. — Schritte auf der Treppe. Eine Uniform blitzte im Dämmerlichte.
Er trat schleichend in daS Zimmer zurück.
DaS soll die letzte Lüge sein. — Er setzte sich an den Schreibtisch und ergriff ein Buch.
Es klopfte.
Nachlässig sagte er Herein.
„Ein Polizist wünscht Herrn HolauS dringend zü sprechen."
Die derbe Stimme des Wachtmeisters klang ganz dünn.
Holaus wandte sich nicht.
„Nun, so lassen Sie ihn eintreten."
Gleich darauf stieß ein Säbel auf den Boden.
„Was wünschen Sie von mir?"
„Herr Holaus werden entschuldigen. Ich habe hier einen Haftbefehl, auf einen gewissen Fichtner lautexd, welcher sich in Ihrem Hause befindet."
„Fichtner?" fragte Holaus scheinbar erstaunt.
„Er hat sich bei Ihnen unter dem Namen Merkel gemeldet."
„Ah der! Der Merkel! Nun, was kann ich da mache«?
Dann verhaften Sie ihn eben."
Holaus hatte noch immer nicht aus dem Buche aufge- j sehen, er fürchtete den Blick Opels, den er auf sich ruhen fühlte.
| „Das will ich eben, Herr Holaus," entgegnete der Polizist. „Aber der Mensch ist nirgends mehr zu finden, obwohl er vor einer Viertelstunde gesehen wurde- da habe ich mir erlaubt, Herrn Holaus selbst um Auskunft za bitten."
„Mich? Was soll ich denn wissen? Glauben Sie vielleicht, ich hab den Burschen in meiner Rocktasche? Suchen Sie ihn gefälligst, wo Sie wollen, aber mich lassen Sie in Ruhe. Ja? Bitte."
„Er könnte ja vielleicht ohne Ihr Wissen — in das Haus geflüchtet —
„In dieses Haus während der letzten Viertelstunde? Unmöglich! Uebrigens wenn Sie wollen —"
„Bitte, Herr Holaus, wenn Sie selbst verfichern — „Entschuldigen Sie nur, Herr Holaus."
Der Säbel stieß wieder auf den Boden. Der Polizist verließ das Zimmer.
Holaus wandte fich jäh um, da stand Opel vor ihm, kerzengerade in militärischer Haltung und sah ihm fest in das Gesicht.
Holaus erschrak, als ob er der verfolgte Verbrecher wäre. Er hatte den Alten vergessen.
„Was wollen Sie denn hier?" herrschte er ihn an.
Opel verzog keine Miene.
„Ich meinte nur für den Fall, daß der Kerl noch im Hause wäre, Herr Holaus."
„Wie kommen Sie denn darauf?" fragte Holaus mit geheucheltem Erstaunen. .
Opels Blick vergrößerte fich, seine Wachtmeister - Erfahrungen schienen ihn völlig im Stiche zu lassen.
„Der Mensch heißt nämlich nicht Merkel, wie er angegeben, sondern Fichtner, Herr —"
„Nun? Und waS ist dann?"
„Andreas Fichtner, Herr."
„Zum Teufel mit Ihrem Fichtner! Für mich heißt er


