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KesundyeiLspflege.
Die Heilung des Schnupfens ohne alle Kosten. Personen, welche mit derjenigen Form des Schnupfens behaftet sind, die man die Grippe zu nennen Pflegt, werden eine wunderbare Wirkung in dem einfachen Mittel wahrnehmen, sich aller flüssigen Nahrungsmittel zu enthalten, bis die Symptome der fieberhaften Aufregung, das Thränen der Augen und die öftere Nötigung, sich zu schneuzen, nachlassen. Das Mittel wurde von einem berühmten Arzte empfohlen, schon vielfach versucht und in den meisten Fällen für gut befunden.
Heißes Waffe» als Heilmittel. Es dürfte wohl vielen unserer Leser nicht bekannt sein, daß heißes Wasser auf mannigfache Art und Weise als vortreffliches Heilmittel gegen allerlei äußerliche und innerliche Leiden in Anwendung gebracht werden kann. Gegen Magenkrampf und Kolik hilft in der Regel nichts besser und schneller, als ein Hand- oder Waschtuch, das in heißes Wasser getaucht, schnell etwas ausgerungen und dann sofort auf die Magengegend gelegt wird. Nicht allzu heftige Kopfschmerzen lassen bald nach, wenn der Nacken und gleichzeitig auch die Füße mit heißem Wasser benetzt werden. Von ebenso überraschend guter Wirkung sind Heißwasserumschläge bei Lungen- und Halskrankheiten, sowie namentlich bei örtlichem Rheumatismus. Verspürt man z. B. rheumatische Schmerzen in einem Arm oder Bein, so dürfen nur je alle zwei Stunden Heißwafferumschläge, so heiß man sie vertragen kann, drei- bis viermal oder auch nur jeweils nachts vor dem Zubettgehen auf die schmerzhaften Stellen gelegt resp. gebunden werden, und die Schmerzen werden bald nachlasfen. Auch Zahnschmerzen werden in der Regel durch solche Umschläge gehoben. Ein mit heißem Wasser getränktes Stück Flanell mehrfach um den Hals eines vom Stickhusten befallenen Kindes gelegt, bringt schon nach wenigen Minuten beim Kinde eine auffallende Beruhigung hervor. (Prakt. Wegw.)
Jür die Küche.
Gegen das Schimmeln der Fruchtfäfte. Nichts ist besser und schützt mehr vor dem Schimmeln der Fruchtsäfte, als eine dünne Decke von Paraffin. Man läßt letzteres auf dem Feuer zergehen und gießt vorsichtig soviel über den erkalteten Saft, daß eine dünne Decke darauf entsteht. Diese wird sofort erhärten, und die Gläser bedürfen dann nur noch des Ueberbindens mit Pergamentpapier. Auch Gelees und Obstmarmeladen lassen sich auf diese Weise vor Schimmel bewahren. Den Paraffindeckel hebt man vom Gelee, sobald man letzteres gebrauchen will; hat man mehrere Deckel wieder zusammen, so schmilzt man sie zu einer Masse ein, die dann immer wieder auf's neue gebraucht werden kann.
Rahm-Sauce zu Wildbraten rc. erhält einen ganz besonders pikanten, kräftigen Geschmack durch eine kleine Zuthat von Liebigs Fleisch-Extrakt, das ja heutzutage zum eisernen Bestand jeder praktischen Küche gehört. Beispielsweise eine Hirschkeule von 3 Kilogr. Gewicht, mit Salz eingerieben und zierlich gespickt in den entsprechend geheizten Bratofen gelegt, wird unter fleißigem Begießen mit 380 Gr. bräunlicher Butter gebraten. Alle kleinen Abfälle werden gut ausgekocht, und diese Brühe verwendet man in der letzten Stunde des Bratens zum Nachgießen. Die Sauce, unter Hinzufügung von 5 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt mit etwas in dicker saurer Sahne verquirltem Kartoffelmehl verdickt, schmeckt köstlich.
Farcierte junge Birkhühner. 10 Personen. Bereitungszeit 2 Stunden. Zuthaten: 3 junge Birkhühner, die in den Federn 3 bis 4 Tage in kühler Luft hingen, 375 Gramm Speck, 6 Stück Sardellen, 3 Chalotten, ein wenig feingewiegte Zitronenschale, eine kleine Prise gemischtes Gewürz, Salz nach Geschmack, 200 Gramm Butter,
Vs Liter sehr kräftige Jus aus Liebigs Fleisch-Extrakt, Vs Liter Rotwein. — Nachdem die Hühner sorgfältig gerupft, gesengt und mit einem sauberen Tuch abgerieben worden sind, macht man mit einem scharfen Messer längs des Rückgrates einen Einschnitt, löst die ganze Haut, in der die Keulen und Flügel sitzen bleiben müssen, von den Gerippen, schneidet das Brustfleisch los, kocht die Knochen mit dem Rotwein ganz kurz ein, bis sich eine Glaco bildet, und hackt das Fleisch mit dem Speck, von dem 125 Gramm zurückbleiben, und den übrigen Bestandteilen, als: Gewürz, Sardellen, Chalotten und Zitronenschale, fein. Ist dies geschehen, so füllt man die Farce wieder in die Haut und näht diese zu, sodaß sie wieder die ursprüngliche Form des Huhnes annimmt. Mit Speckscheiben umwickelt, werden die Hühner nun in der Butter gar gebraten, wobei man allmählich die Jus aus Liebigs Fleisch-Extrakt und den Rotweinfond, der durch ein feines Sieb geseiht wurde, hinzufügt. Auf diese Weise zubereitet, schmeckt das sonst leicht trockene oder härtliche Geflügel vortrefflich.
Vermischtes.
Das Häuschen Ariosts. Pobooico Ariosto, der gefeierte Dichter des weltberühmten romantischen Epos Orlando furioso (Der rasende Roland), (f 1533 in Ferrara), hatte sich ein kleines Häuschen bauen lassen, in dem er seine letzten Lebensjahre in Frieden zu verbringen gedachte. Ein Freund von ihm, der es sah, fragte ihn, wie es komme, daß er, der in seinem Orlando so viele großartige, prachtvolle Paläste beschrieben habe, sich mit einem so unscheinbaren, niedrigen Häuschen begnügen könne. Da antwortete der bescheidene Dichter: „Die Worte kosten weniger als die Steine!"
Litterarifches.
Unsere wichtigsten Kulturpflanzen. Von Privatdozent Dr Giesenhagen in München. Mit zahlreichen Abbildungen im Text. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlichgemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 12 monatliche Bändchen zu je 90 Pfg., geschmackvoll gebunden zu je Mk. 1.15, oder 54 wöchentliche Lieferungen zu je 20 Pfg.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. — Mit Recht widmet die Sammlung „Aus Natur und Geistesleben" ihr neuestes Bändchen den für den Menschen wichtigsten Kulturpflanzen, den Getreidepflanzen, welche uns das Brot und das Bier und unseren wichtigsten Haustieren die Nahrung liefern. Dem Grundsatz der Sammlung getreu, beschränkt sich die frische Darstellung des rühmlichst bekannten Verfassers nicht etwa auf die Schilderung der Getreidepflanzen, sondern die Darstellung des Körperbaues und der Entwicklung und Verrichtung der Organe der Getreidegräser vermittelt zugleich dem Leser in anschaulichster Form allgemeine botanische Kenntnisse. Sodann aber giebt der Verfasser noch einen äußerst intereffanten geschichtlichen Ueberblick über den Getreidebau bei den Chinesen und bei den alten Aegyptern, wie in Europa, insbesondere aber über die Entwicklung des deutschen Getreidebaues bis zur neueren Zeit; er gewährt einen Ausblick auf die kulturgeschichtliche Entwicklung des Menschengeschlechtes überhaupt und besonders unserer germanischen Vorfahren. Den Schluß bildet eine Darstellung der Krankheiten der Getreidegräser. — So kann das reich illustrierte Bändchen bei dem billigen Preis ebenso dem warm empfohlen werden, der, inmitten« des Landbaues stehend, sich für das Leben seiner Pfleglinge und seine Geschichte interessiert, wie dem, der ihm in der Großstadt entrückt, sich mit diesem Urberuf der Menschheit vertrant machen möchte.
(Auflösung folgt in nächster Nummer.)
Bilderrätsel
(Nachbildung verboten.)
Auflösung des Logogriph in voriger Nummer: Barbe, Garbe, Narbe, Farbe.
RtWtiin: 6. Burkhardt. — Bruck und Verlag der Brühl 'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gieße«.


