18SS. - »r. 112.

WM

Unterhattungsb

Alüerhattungsblall M MeßmerAnMer Geneml-Anzeiger)

WD

I

iW

ni

Av

Big

!

D

iijgifeä

/

itimitnil

AWMNEWL

^jüWl Dienstag den 8. August

«fimilienbk.,

fie Sprüche, die geklungen

Von allen deutschen Zungen,

Die alten goldnen Lehren,

Die haltet wohl in Ehren. A. Stöber.

Nachdruck verboten.

Die Sünden der Väter.

Roman von Osterloh.

(Fortsetzung.)

XXIII.

Fort! fort! flüchten, so schnell ihn seine Füße trugen: das war Leonhards einziger Gedanke.

Es war ganz dunkel draußen. Die lange Straße, die von der Kaserne in die Stadt führt, war nur in weiten Abständen durch Laternen erhellt. Die wenigen Menschen, die jetzt da gingen, achteten des dahineilenden Soldaten nicht'/ höchstens rief ihm einer oder der andere ein Scherzwort nach, ob er es denn gar so eilig habe, zu seiner Liebsten zu kommen oder dergleichen.

Wie er, dem Ende der Straße nahe gekommen, sich noch immer unverfolgt sah, schoß ihm zum erstenmale die Frage nach dem Wohin durch den Kopf. Wohin rannte er eigentlich? Was wollte er anfangen? Fort, nur fort! Sich in einen Eisenbahnzug setzen, der ihn über die Grenze brächte das weitere würde sich dann finden. Aber in seiner Uniform ohne Mantel unmöglich.

Das war ihm eingefallen, als er völlig atemlos einen Augenblick halt machte. In den belebteren Straßen mußte er ohnehin seine Schritte mäßigen. Und da kam ihm all­mählich ein wenig Klarheit.

Flüchtig streifte er die Möglichkeit umzukehren und die volle Verantwortung für das Geschehene auf sich zu nehmen. Undenkbar! Es war zu viel. Es schüttelte ihn bet der bloßen Vorstellung, Rößler Wiedersehen zu müssen. Eines aber war nötig, er mußte sich irgend einer menschlichen Seele anvertrauen. An Martha dachte er zunächst. Ja, wenn er sie allein sehen könnte doch da war die Mutter und vor sie konnte er nicht hintreten als Verbrecher, als Fahnenflüchtiger als---

Sein Schwager Ziel wäre der erste gewesen treu und zuverlässig. Aber der war mit Else verreist. Dievenow?

Er hatte ihn noch immer als Fremden betrachtet. Doch Martha liebte ihn. Das war eine Bürgschaft seines Wertes, und um Marthas willen würde er ihn aufnehmen.

Hellmut Dievenow saß an seinem Schreibtische, in die Lektüre eines wissenschaftlichen Werkes vertieft. Er blickte unwillig auf, als unangemeldet ein Besuch in sein Zimmer trat.

Was wünschen" begann er in seiner gemeffenen Weise; aber er unterbrach sich sofort, da er den Besucher, der inzwischen in das Bereich des Lampenlichts getreten war, erkannte.Wie sehen Sie aus, Leonhard!"

Die Haare hingen ihm in feuchten Strähnen ins Gesicht, die dunklen Augen leuchteten unheimlich. Er öffnete den Mund unzusammenhängende Laute, unverständliche Silben.

Was ist Ihnen denn?" fragte Dievenow befremdet.

.Sie müssen mir helfen," brachte er endlich mühsam hervor. Er war an den Schreibtisch getreten, und sich mit der Hand an der Kante desselben festhaltend, sank er auf einen daneben stehenden Stuhl.

Sagen Sie doch zunächst, was geschehen ist?"

Leonhard fühlte die kalten, blauen Augen prüfend auf sich ruhen. Er raffte sich auf.

Ich muß fort gleich. Geben Sie mir einen Anzug, einen Mantel aus Liebe zu Martha. Sie wird es Ihnen danken."

Ich möchte doch erst"

//Mein Gott! es gab Streit er hatte es lange daraus angelegt ich habe ja sonst gelernt mich zu be­herrschen, aber wenn sie einem das Heiligste besudeln! Aus Barmherzigkeit fragen Sie nicht weiter geben Sie mir einen Mantel oder irgend etwas"

Wirr, zusammenhanglos hatte Leonhard die Sätze hervorgestoßen- Dievenow antwortete nicht gleich, dann langsam mit der kühlen Ruhe, die ihm stets ein Uebergewicht über lebhaftere, erregte Naturen sicherte:Sie find in in einem Zustande, junger Freund, in dem ich Sie nicht sich selbst überlassen kann. Ich verstehe Sie gar nicht vollständig, aber ich glaube annehmen zu dürfen, daß Sie eine Schlägerei oder dergleichen gehabt haben, und daß Sie, den ich hier in des Königs Rock vor mir sehe, zu desertieren beabsichtigen. Dazu kann ich in meiner Stellung als Reserveleutnant unmöglich die Hand bieten. Ganz abgesehen hiervon, scheint mir dieser Schritt so verhängnisvoll, daß ich Ihnen nicht dringend genug von einer so folgenschweren Uebereilung abraten kann!"