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schmückte« Herz verzierter Verschluß auf der Mitte der Stirne Prangte. Die kleine Kapsel am Schluffe diente nicht selten einem getrockneten Vergißmeinnicht als Schrein! —
In einer bekannten Stadt am Fuldastrande brachte ein Juwelier jener Zeit einmal Ohrgehänge in seiner „Auslage", von denen ein Stück des Paares ein zierlich gearbeitetes, goldnes Vorhängeschloß, das andere den dazu paffenden Schlüssel repräsentierte! Da nun die Herren der Schöpfung zur Zeit auch dem Ohrringtragen huldigten, weil's »gesund für die Augen" wäre, so wurde erst angenommen, Schloß und Schlüssel für die Ohren sollte Herrenschmuck vorstellen. Dem war nicht so!!
Künstliche Haarflechtereien erfreuten sich während des fünfzigjährigen Friedens großer Beliebtheit.
Außer den erwähnten Stirnbändern trug man Ringe, Armbänder, Uhrketten und als Brosche: kleine Haarbouquets hinter Glas und goldnen Rähmchen. — Das Bildnis des „Herrn Liebsten", welche Bezeichnung für den Gemahl der dreißiger und vierziger Jahre in der Gesellschaftssprache gang und gäbe war, trug man in ähnlicher Fassung wie jene Haarblumen: als Brosche oder Anhänger, oft von beträchtlicher Größe! Das Medaillon spielte eine große Rolle. Es trat als ganz einfache, goldumrandete Glaskapsel auf, um Locken eines lieben Hauptes zu bergen — ganz in Gold, einer kleinen Uhr ähnlich, dann auch oval, geziert durch Herz, Kreuz und Anker, in schwarzer Emaille ausgeführt. Schlangen aus Haargeflecht, mit goldnen, rubingekröntem Kopfe, rosetten- geschmückte, glatte Reife (wie geschmacklos oft), endlich Breit« gliedrige Goldbänder erfreuten unter dem Namen „Bracelet" das Frauenherz.
Koralle und Bernstein, diese Kinder des Meeres leuchteten aufdringlich als Halsketten (die Koralle zumeist in kleinem Geäst) unter bescheidenerem Schmucke hervor.
Was die Koralle dem italienischen Laodwädchen ist, das bedeutet der Bernstein vielfach der deutschen Bäuerin- z. B. tragen im Bückeburger Ländchen, sodann in dem reichen Teil des ehemaligen Kurhessens: „der Schwalm", junge und alte Frauen Bernsteinketten von gewaltigem Umfange der Perlen, von denen die einzelnen oft wie eine Kinderfaust groß sind. Der zeschmack- und ideenlose Knoten von leichtem Golde, als Brosche in den fünfziger Jahren viel gl kauft, wie weit stand er an Schönheit und Feinheit hinter dem einfachen oder doppelten Spiralgewinde urältester Kunstpcriode zurück! — Zu Anfang der sechsziger Jahre begann das sogenannte Mattgold dem hellglänzenden Edelmetall den Rang streitig zu machen. In dieser Zeit verlor auch das Ohrgehänge einen Teil seiner Länge, beliebte den Namen „Bouton" und bestand häufig nur aus einer Rosette oder' gefaßter Gemme. Eine solche in vergrößertem Maßstabe wurde als Brosche dabei getragen.
Allmählich verloren sich die vom hellen, billigen Gold angefertigten, wenig geschmackvollen Schmuckgegenstände, in die kleinen Juweliergeschäfte, denen Frauen und Mädchen vom Lande ihre silbernen Eicheln als Ohrgehänge, ober die Goldnadel mit dem porzellanenen Täubchen als Knopf entnahmen.
Mit der Vorliebe für Silber entwickelten sich bedeutend geschmackvollere Formen. Altvenetianisches Filigran bot seine Muster- Hals- und Uhrketten, die bisher im gedrehten Strick ein beliebtes Urbild sahen, entnahmen altitalienischen und orientalischen Vorbildern die zierliche Gliederung! — Wie sehr der gewerbliche Aufschwung nach dem deutsch-französischen Kriege belebend auf die Goldschmiedekunst wirkte, davon redet jedes einigermaßen ausgestattete Schaufenster unserer gegenwärtigen Goldgeschäfte!
Die Wiederaufrichtung des deutschen Reiches erweckte Reminiscenzen an die mittelalterliche Kaiserherrlichkeit! Die gediegene Pracht reicher vaterländischer Vergangenheit, das Patrizierhaus der Hansestädte, Dürer'sche Kunst, Ceüini's
Ideen, der Hildesheimer Fund, Schliemann's Erfolge, der märchenhafte Glanz orientalischen Schmuckes, dies alles bot der ouflebenden Kunst eine Fülle von Vorbildern, ließ mit reichem Gerank neue Blüten ouf dem fruchtbaren Boden des schon Dagewesenen emporblühen.
Daß sich dem Edel-Schönen auch unglaubliche Modethor- heiten zugesellten, kann nicht Wunder nehmen- von solchen ist keine Zeitperiode der Kulturgeschichte aller Völker frei gewesen.
Den Bemühungen derer, die Herren sind im Reiche feinen Geschmackes und dem nimmer ruhenden Volkswitz, gelingt es wohl, Auswüchse zu beseitigen, wie das vor nicht allzulanger Zeit überwundene Bettelarmband, wie die gewaltigen Berloques der Uhrkerten, die baumelnden Ohrgehänge.
Fast mehr noch als im Anzuge bekundet sich ein feiner Sinn in der Wahl im zeitgemäßen Tragen von Schmucksachen! Anders schmücke die Jugend, anders das Alter sich? mit Perlen, Diamanten und „rotem Golde"!
Humoristisches.
Lesefrüchte. „Na, Karlchen, wie bist Du mit Deiner Eisenbahn zufrieden?" — „Ach, gar nicht, die Schienen sind viel zu gut, da kann ich gar keine Entgleisung draus machen!"
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Ein Vergleich. „Wie heißt denn Ihr Söhnchen?" — „Wissen Sie, ich wollte ihn Arthur nennen, meine Frau aber Rudolf! Da schlossen wir denn einen Vergleich . . ." — „Und wie nannten Sie das Kind?" — „Natürlich Rudolf!" * * *
Feinste Gesellschaft. „Darf ich fragen, gnädige Frau Baronin, was Sie für eine geborene „Von" sind?" (Lust. Bl.)
Litterarisches.
Das Weihnachtsheft von „Vom Fels zum Meer" (Stuttgart, Verlag der Union Deutsche Verlagsgesellschaft) enthält als Kunstbeilage eine doppelseitige Aquarellfaksimilereproduktion des Gemäldes Hofkonzert im Karlsruher Schloß, von Prof. Kaspar Ritter Das Original war in diesem Sommer auf der Münchener Kunstausstellung zu sehen und erregte wegen der graziösen Behandlung des interessanten Schlosses, der duftigen Darstellung der eleganten Frauengestalten und der scharfen Charakteristik der männlichen Figuren das größte Aufsehen. Das farbige Titelblatt „Weihnachtsmarkt", nach dem Aquarell von C. H. Küchler, eröffnet den Reigen der zahlreichen Kunstblätter des Heftes, die wie „Vor dem Weihnachtsballe", „Kirchgang am Weihnachtsmorgen", „Junges Glück", „Anbetung des Jesusknaben", den festlichen und weihevollen Charakter des Heftes aufs beste dokumentieren. Von der Serie „Unser Kunstgewerbe" ist ein 4. Abschnitt erschienen, der „Glas und Fenster" behandelt und mit zahlreichen, meist mehrfarbigen Illustrationen geschmückt ist, welche u. a. Gläser von Galls, Tiffany, Christiansen rc vorführen. Im Romanteil treffen wir auf Namen wie Gabriel, Reuter, Emil Marriot, Wolf von Tainach.
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Vom Weihnachtsbazar plaudert in sehr humorvoller Weise F. Frhr. von Dincklage in dem soeben erschienenen Heft 8 der „Modernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57, Leipzig, Wien, Stuttgart. Preis 60 Pfg.). Eine treffliche Illustration von E. H. Zirkel führt mitten in das interessante Leben eines solchen Bazars hinein. Ueberhaupt erschließt Heft 8 einen so außerordentlichen Reichtum an ausgezeichneten Bildern und an Text, und zwar in so vorzüglicher Ausstattung, daß man der „Modernen Kunst" unbedingt den Vorrang vor allen anderen illustrierten Blättern des In- und Auslandes einräumen muß. Man staunt, daß ein Heft mit einem solchen reichen und ausgezeichneten Inhalt nur 60 Pfg. kostet Zudem werden den Abonnenten und solchen, die noch jetzt in das Abonnement eintreten, sieben ausgezeichnete, als Wandschmuck bestimmte Kupferdruck-Kunstblätter nach hervorragenden Gemälden erster Meister zu dem Vorzugspreise von 4 Mark pro Stück geliefert, während der Preis eines jeden Blattes im Kunsthandel 30 Mark beträgt.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitüts Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


