19

Er stand selbst beklommen ihr gegenüber.Faß Dich," sagte er weich,vertraust Du mir so wenig?"

:e schön war sie, als ihr jetzt das Pelzkäppchen von den blonden Locken glitt, so wunderltebltch in ihrer verschämten Angst, er sank zu ihren Füßen nieder und bedeckte ihre Hände mit Küsten.

Sie entzog sich ihm ungestüm und sprang auf.Sage mir jetzt ra'ch, was Du mir zu sagen hast, Albert. Nein bleib dort an Deinem Platz und laß mich hier, Gott weiß, welch ein Opfer ich Dir in diesem Augenblick bringe."

Sie war so ernst und hoheitsvoll, daß Albert zurücktrat, aber er murrte innerlich und nannte sie pedantisch.

Er murmelte etwas von übertriebener Prüderie, er hatte sich diese stunde sehr wonnig ausgemalt, war mit seinen Gedanken weit mehr bei dem Genuß des Augenblicks, als bet der fernen Zukunft.

Es war eine Sekunde lang peinlich still im Zimmer, draußen rief die Wirtin mit schriller Stimme nach ihrem Manne, Mathilde erbleichte und fuhr zusammen.

Albert lächelte beinahe spöttisch.Kleiner Hasenfuß," sagte er,ich hielt Dich für mutiger. Und von Oir wird noch weit Schwereres und Ungewöhnliches verlangt, ich rechnete auf Deine groß angelegte Natur."

R-de," sagte sie kurz. Sie stand da mit fragenden, sieberglänzenden Augen ihm gegenüber und sah ganz anders aus, als sonst. Em fremder Zug lag in ihrem schönen Gesicht, den Albert nicht kannte. Sie litt unter einem Ge­fühl tiefer Scham und Demütigung, das er nicht verstand.

Und endlich sprach er und setzte seinen Plan auseinander. Ihr Ohr sog begierig jedes ferner Worte ein, sie prüfte seine Vorschläge, die seltsam verschlungenen Verhältnisse fast nüchtern.

(Fortsetzung folgt.)

Schmuck.

Von Jeannette Bramer.

---- (Nachdruck verboten.)

Es giebt nichts neues unter der Sonne! Ob der weise Rabbi sein Wort auch heute noch aufrecht erhalten könnte? Jetzt im Zeitalter der sich drängenden Erfindungen, die das Erstaunliche von noch Erstaunlicherem übertrumpfen lassen? Ben Akiba's Weisheit würde vielleicht Schlüsse zu ziehen vermögen, die seinen unsterblichen Worten keinen Abbruch thun würden!

Der Ueberfluß anNeuem", welcher immer wieder den Markt füllt, an Gegenständen, die den Menschen selbst und seinHeim" schmücken sollen, beweist trotz der Versicherung Allerneuestes nur den Kreislauf, den die Dinge dieser Zeit mit ihrer alten Mutter Erde immer wieder nehmen.

Ein Zurückgreifen auf schon Dagewesenes in Form, Farbe oder Stoff tritt dem denkenden Beschauer der Aus­lagen einer Großstadt leicht entgegen.

Je weiter hinaus in die Vergangenheit gegriffen wird, um so mehr gereichen die Muster oft manchen Zweigen moderner Industrie zum Vorteil.

Zu diesen Zweigen gehört unstreitig auch die Jahrtausende -alte Freude des Menschengeschlechtes:der glänzende Sch muck"!

Der schlichte Reif einfachster Ornamentierung, diese aus seinen Strichen oder Mäanderverschltngung bestehend, bar heute in seiner Nachahmung den Arm der modernen Frau umschließen, wie er die Germanin der Urzeit schmückte, bevor der Einfluß glänzenden Römertums in Deutschlands Wälder drang!

Wie die Germanenfrau, die noch kein anderes Metall -als das heimische graue Eisen kannte, die Fibel, die das Gewand nestelte, den Kamm, der die Fülle des Haares stützte, den Ring, der den Arm schmückend umspannte, aus blank geputztem Eisen trug, so kann die heutige Anbeterin des

Neuesten" auch in Form und Stoff gleichen Schmuck, unter gnädiger Erlaubnis der Mode, anlegen.

Die ungezählten feinen Silber- oder Goldreifen, welche Frau Mode ihren Jüngerinnen bietet, hat sie auch schon Chrimhild und Brunhild zu tragen erlaubt- dieses hochbeliebte Geschmeide durfte schon vor nahezu 2000 Jahren keinem Schatzkästlein fehlen!

Ist es wohl ein Schritt der Rückkehr zum Heldenqeiste gewaltiger Recken der Vorzeit, an deren Armen viele Ringe von rotem Golde" klirrten wenn sich in tonangebenden Kreisen die Herren der Gegenwart ihr Handgelenk mit kost­barem Armband schmücken?

Jedenfalls aber war's eine Rückkehr zur hohen Tugend reiner Vaterlandsliebe, als die Frauen und Jungfrauen aller Stände während der Befreiungskriege ihre wertvollen Ketten, Gürtel, Gehänge, ja selbst ihre goldenen Trauringe aus dem Altäre des Vaterlandes ' opferten!Gebt Euer Gold für Eisen! war die Losung! Manch' ein eiserner Ehering aus jenen Tagen wird noch mit Stolz in deutschen Familien aufbcwahrt!

Als endlich sich wieder Frieden über unser Vaterland breitete, begann eine Zeit der Einfachheit, geläuterter Sitten und harmloser Lebensfreude. Die Mittel, verlorene Luxus- gegenstände, vor allem Schmuck von Gold und Edelsteinen, sich wieder anzuschaffen, fehlten durchschnittlich. Aberam Golde hängt, nach Gold drängt doch alles". Die Freude am Blinkenden ist der Jugend eingeboren, das Alter ver­schließt sich ihr auch nicht. In den zwanziger Jahren kam ziemlich viel Schmuck ausTombak", falschen Steinen und Wachsperlen in den Handel, der aber nur geringen Beifall fand. Man begnügte sich lieber mit der schlichtesten Form aus dünnem Golde aber edles Metall sollte es fein, jene Zeit gab nichts auf den Schein!

Kunstvoll gearbeitete Sachen würden zu teuer gewesen fein, fanden nicht genügenden Absatz, und so machte sich denn bald eine gewisse Eintönigkeit und sogar Geschmacklosigkeit auf dem Gebiete des Frauenschmuckes bemerkbar! Vor allem ein gänzliches Entfernen von antiken Mustern.

Das blaßgoldene Ringelein mit dem himmelblauen Ver­gißmeinnicht, den silbernen Fingerreif mit angehenkeltem Silberherz, widmete Liebe und Freundschaft. Als kostbare Gabe galten die hoch im Ansehen stehenden Ohrgehänge.

Rücksichtsvolle Eltern, Paten und Freunde bedachten schon in frühester Jugend die kleinen Mädchen mit öem ver­hängnisvollen Geschenk, an das sich, infolge des Einbohrens in die Oehrchen, zumeist einige schmerzensreiche Tage schloffen.

Gewappnet mit dem Mute der Gracchen Mutter begab sich die Mutter des ohrringbeschenkten Mädchens zu dem Gold­schmiede, dessen geübte Hand die zum Einhaken des Schmuck­stückes notwendige Operation vollziehen sollte! Während der Meister dem zitternden Kinde mit einer Hand einen Kork­stopfen hinter das Ohrläppchen drückte, bohrte er mit der anderen die spitze, lange Nadel durch des zarten O hrchens Ende und schob alsdann in die kleine, blutende Wunde den goldenen Reif mit dem Gehänge.

Die kleine Märtyrerin der Eitelkeit konnte nun, von Schmerz und Glückseligkeit erfüllt, sich den freudig erstaunten Angehörigen in ihrem glänzenden Schmucke zeigen. Die erste Nacht nach der grausamen Behandlung des Oehrchens brachte ja durch Brand und Anschwellung des Ohriäppvens rechtes Unbehagen, aber der Gedanke:Was weraensie" morgen in der Schule sagen, half wirksam über den Schmerz hinaus".

Wie wollte sich andern Tages die k.eine, beohrringte Schar in der Klaffehalb tot lachen", als die Lehrerin von wilden Menschen erzählte, welche Ringe, durch die Nase ge­bohrt, trügen! Nein, so was!!

Ein lieblicher Schmuck der zwanziger Jahre war das Stirnband von Sammet oder Haargcflecht. Man trug cs, als Halt des glatten Scheitels, um den Kops herum gelegt, so daß sein goldener, häufig mit einem winzigen rubmge-