— 696
Es ist nun schon seit mehreren Jahrzehnten bekannt, daß die Maxima der Sonnenflecken eine Periode von etwa 12 bis 14 Jahren innehalten und zwar so, daß eine Häufung derselben meistens schon im 10. Jahre Eintritt, int 11. Jahre den höchsten Betrag erreicht und auch noch bis weit in das 12. Jahr hineinreicht.
Es ist daher mehr als Zufall, daß seit fast 200 Jahren — soweit reichen nämlich zuverlässige Aufzeichnungen zurück, welche sich auf thermometrische Beobachtungen und nicht auf das Gedächtnis der oft zitierten ältesten Leute gründen je um das 11. Jahr herum in Gruppen, von zweien oder dreien auffällig warme Winter häufen, während in den Zwischenräumen Jahre liegen, deren Winter den gewohnten kalten kontinentalen Charakter haben. Natürlich schiebt sich zuweilen in den Zwischenräumen von 9 bis 10 Jahren auch häufig ein kalter Winter ein, über deffen Ursachen wir noch vollkommen im unklaren sind. Im allgemeinen kehren aber die Wärmeperioden mit großer Regelmäßigkeit wieder, wie die nachstehende Tabelle der warmen Winter beweist, welche so zu lesen ist, daß jedesmal der Winter von der angeführten Jahreszahl zu der nächstfolgenden zu verstehen ist: 1771, 1772, 1773-1778-1787, 1788, 1789—1794—1805, 1806,1807—1821, 1822, 1823—1832,1833,1834—1843, 1844, 1845-1850-1865-1877, 1878—1833, 1884- 1897, 1898 zu 1899.
Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit dürfte demnach auch unser diesjähriger Winter von 1899 zu 1900 einen wärmeren Charakter haben, wenn seine Temperatur vielleicht auch nicht so außergewöhnlich warm sein sollte, wie die seiner beiden Vorgänger.
Diese Prognose gewinnt an Wahrscheinlichkeit noch durch den Umstand, daß nach einer ebenfalls fast zwei Jahrhunderte alten Erfahrung das Volkssprichwort „kalter Sommer, warmer Winter und umgekehrt" keineswegs sich bewahrheitet, sondern daß auf einen recht heißen Sommer gewöhnlich auch ein milder Winter folgt. In diesem Jahre zeichnete sich nun zwar das Frühjahr absolut nicht durch Wärme aus. Von der zweiten Hälfte des Jahres angefangen bildete sich aber im Vergleich zu gewöhnlichen Sommern ein derartiger Wärmeüberschuß heraus, daß der September den Charakter des Augusts, und der Oktober jenen des Septembers annahm. Wir treten daher mit einem derartigen Wärmevorrat der oberen Erdschichten in den Winter ein, daß jener schon aus diesem Grunde mindestens in seiner ersten Hälfte sich mehrere Temperaturgrade über dem Durchschnitt bewegen dürfte.
Interessant, wenn auch nur in indirektem Zusammenhang mit unserem Thema stehend, ist übrigens die Wahrnehmung, daß seit Mitte unseres Jahrhunderts eine Häufung warmer Winter außerhalb der Perioden der Sonnenflecken stattgefunden hat. Wahrscheinlich steht dieser Umstand in Zusammenhang mit der auffälligen Thatsache, daß seit jener Zeit auch die Gewitter und die Blitzgefahr sich für Mitteleuropa außerordentlich vermehrt haben.
Das den Schlittschuhsport liebende junge Volk wird freilich mit der Aussicht auf einen warmen Winter nicht zufrieden sein. Die Allgemeinheit aber zieht aus warmem Winterwetter doch so bedeutende Vorteile, daß es nur mit Freude zu begrüßen ist, wenn die rauhe Jahreszeit sich nicht gar zu grämlich anläßt und das hält, was sie nach ihren beiden letzten Vorgängern verspricht.
G-in-innÄtziges.
Mr die Küche.
Reh-Koteletten farciert. Bereitungszeit 1/3 Stunde. Zu einem Kilo sauber geschnittenen, geklopften und gesalzenen Reh-Koteletten schneidet man drei Zwiebeln fein, schwitzt sie in Butter gelblich, stäubt ein wenig Mehl über, läßt sie
einige Minuten rösten, verkocht sie mit V* Liter starker Bouillon aus Liebig's Fleisch-Extrakt zu einer dickseimigen Sauce, bindet diese mit zwei Eidottern und streicht sie durch ein Sieb. — Nachdem die Koteletten in der flachen Pfanne auf einer Seite in Butter gebräunt sind, wendet man sie um, bestreicht die gebratene Seite fingerdick mit dem Brei, überstreut sie dick mit geriebenem Parmesankäse, läßt sie fünfzehn Minuten bei mäßgem Feuer langsam braten und serviert sie mit guter Jus.
LttterarischeS.
Ideale und Dissonanzen, zwei Novellen von K. Zitelmann, 216 Seiten 8°, Preis brosch. 2 Mk., elegant gebd. 3 Mk. — Verlag I. Harrwitz Nachf., Berlin SW., Friedrichstraße 16. — Ein neues Buch der rühmlichst bekannten Verfasserin von „Was wird sie thun?" ,3m Kampf um die Ueberzeugung," „Wo liegt die Schuld?" u. s. w., das ihr sicherlich zu den alten viele neue Freunde gewinnen wird. Es ist eine gesunde Lektüre, die an der Wende des Jahrhunderts den durch raffinierte und lüsterne Kost vielfach übersättigten und überreizten Lesern hier geboten wird, doch eine, Die auch den verwöhntesten Geschmack befriedigen kann: Denn die zwei Erzählungen sind nicht nur gut erfunden und äußerst spannend, sondern sie behandeln auch sehr interessante Probleme und wir finden in ihnen die psychologische Vertiefung wieder, die die anderen Arbeiten der Verfasserin auszeichnet. Die vortreffliche und humorvolle Schilderung des Münchener Künstlerkreises in der ersten Novelle wirkt ebenso erheiternd, wie der Seelenkampf der Heldin in den „Dissonanzen" erschütternd. Den Inhalt beider Novellen bildet der Konflikt zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen Schein und Wesen. Die ethische Behandlung des Stoffs und die glückliche Lösung des Knotens werden das Buch zu einem gern gesehenen Gast auf jedem Weihnachtstische machen! —
Die Weihnachtszeit naht, die selige Zeit des Gebens und Nehmens! Wie viel Kopfzerbrechen macht es aber oft, das Richtige zu geben, das dem Beschenkten auch wirklich Freude macht, um so die oft reichlich angewandte Mühe sowie die erheblichen Kosten belohnt zu sehen. Wir möchten da all den Ratlosen empfehlen, die letzte Nummer der im Verlage von Franz Lipperheide in Berlin erscheinenden Modenwelt (nicht zu verwechseln mit „Große Modenwelt" und „Kleine Modenwelt"), zu durchblättern; es weht ordentlich Weihnachtsstimmung daraus entgegen, und fleißige Hände werden sich sofort regen, um zum mindesten noch einen Teil der reichen Auswahl von geschmackvollen Handarbeiten oder kunstgewerblichen Gegenständen nachzubilden. Besonders wertvolle Vorlagen für Tischgedecke, Tischläufer, Handtücher usw. enthält auch das der Nummer beiliegende Blatt: Tisch- und Hauswäsche. Eine ganze Seite ist den Puppen und dem Spielzeug für die Kleinsten gewidmet. Bei all diesem Reichtum an Gegenständen tritt doch nicht die Toilette in den Hintergrund, besonders reizvoll sind verschiedene duftige Ballkleider für die eben in die Welt tretende junge Dame, neben der Gesellschaftsrobe für die Mama, die mit Stolz auf ihr zierliches Töchterchen blickt. Die verschiedenen Preisaufgaben, deren Schicksal in nächster Zeit entschieden wird, erhalten die dabei beteiligten Abonnentinnen in einer gewissen Erregung und hoffnungsvollen Erwartung.
Das Buch »er jungen Frau. Ratschläge für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett von Dr. med. H. Bur ck Hardt. Fünfte, verbesserte Auflage. In Originalleinenband 2 Mark 50 Pfg., in Geschenkeinband 3 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Die Entfaltung aller geistigen und körperlichen Anlagen und Kräfte des Menschen beginnt im Schoße der Familie und setzt bereits in denkbar zartester Jugend ein. Sobald daher die junge Gattin den Keim zu einem zweiten Wesen in sich trägt, sobald das erwachende Mutterherz, von Freude und Stolz erfüllt, sich durch die schönsten Hoffnungen beseligt fühlt, erwächst auch schon die sittliche Pflicht, mit der Gesundhet vorsichtig zu sein, denn eine ganze Reihe von Gefahren können zu Störungen oder gar zur Unterbrechung dieses glücklichen Zustandes führen. Eine verständige Mntter, eine erfahrene Freundin, Deren Rat vor jenen Gefahren warnte, steht aber nicht jeder jungen Frau zur Seite. In diesem Falle hat sie in dem nun schon in fünfter Auflage erscheinenden Buche einen berufenen Ratgeber zur Hand, der in sachkundigster Weise auf alle die Pflichten aufmerksam macht, welche die junge Mutter gegen sich und das keimende Leben zu beobachten hat.
Logos riph.
Nachdruck verboten
Spielzeug bin idj'für Kinder; doch wenn du mein erstes Zeichen, Mit einem neuen vertauschst, dien' ich als Speise dir gern. P.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Kapselrätsels in voriger Nummer:
Ein voller Bauch studiert nicht gern.
Retsltien: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universttätz-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Siele«.


