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wirklich, der Bräutigam? Sprechen Sie!" drängte Fichtner.

Sehr wohl möglich," erklärte HolauS, schwer auf­atmend.

Nein, nicht möglich" rief jetzt Fichtner zornig, und grimmiger Haß leuchtete auf in den grauen Augen, weil ich es einfach nicht dulde, ich, verstehen Sie, der Vater!"

Holaus bemerkte in diesem Augenblicke, daß Franz das Pferd einem herbeieilenden Diener übergab und auf die Villa zuschritt, ohne Zweifel zu ihm.

Vor allem mußte dieser Mensch entfernt werden. Aber wohin damit?

Auf dem Gange mußte er Franz in die Hände lausen, es blieb nur noch ein kleines Nebenzimmer.

(Fortsetzung folgt.)

Wie wird fich der kommende Winter gestatten?

Eine meteorologische Betrachtung.

Von vr. Gustav PetterS.

------- (Nachdruck verboten.)

Prophezeien ist eine schwierige und meistens auch eine recht undankbare Aufgabe. Das ist eine Erkenntnis, welcher sich schon der Evangelist Matthäus nicht verschließen konnte, als er die Thatsache des schnöden Undankes der Welt in die Worte zusammenfaßte:Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande." In einem Punkte aber wird vor aller Welt darauf losprophezeit, als ob jeder die untrügliche Gabe des Blickes in die Zukunft besäße nämlich in puncto des kommenden Wetters, denn da hat fast jeder sein untrügliches Rezept: der Jäger daS Benehmen des Wildes, der Förster und Landmann seine Wahrnehmungen an der Vegetation in Wald und Feld, und noch andere orakeln gar aus den Schmerzen in der gichtischen Zehe oder dem Kaffeesatz, und schließlich kommt der Regenspender und macht die Sache ganz anders. Natürlich hat nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnnng auch immer ein gewisser Teil unserer wettermachenden Mit­brüder mit ihren Voraussagungen recht, und wenn sie ein klein wenig Glück haben, entwickeln sie sich je nach ihrer Lebenslage, Verkehrskreis und Mundwerk zu mehr oder minder großen Wetterkapazitäten vom Schlage des alten Schäfer Thomas bis zum auch nicht unfehlbaren Falb.

Indes muß billigerweise zugestanden werden, daß in einer Zeit, wo täglich hunterttauscnde in den Zeitungen die Wetterberichte und die graphischen Darstellungen des Fort- schreitens der barometrischen Maxim« und Minima studieren, das Interesse des Publikums an der Gestaltung des kommenden Wetters seine volle Berechtigung hat, und zwar umsomehr dann, wenn es sich um den voraussichtlichen Wettercharakrer einer ganzen Jahreszeit handelt. Die letzten Jahre insbesondere haben in klimatischer Hinsicht übrigens so viel regelwidriges geboten: milde Winter, kühle, regnerische, an Hochwasser­katastrophen reiche Sommer usw., daß man schließlich darauf gefaßt ist, daß auch diesmal der Wintergott recht launenhaft schalten und walten könnte.

Im allgemeinen ist unter Laien jetzt die Meinung ver­breitet, daß unsere Winter milder werden. Fragt man aber nach den Gründen, so wird die Antwort schuldig geblieben, und daS Auftreten mehrerer warmer Winter ist es allein, welches zu dem Glauben einer beträchtlichen, anhaltenden klimatischen Veränderung verführt, ebenso wie mehrere auf einander folgende ungewöhnlich harte Winter sofort den Glauben Hervorrufen, daß wir einer neuen Eiszeit entgegen­gehen.

Letzteres ist nun in einem gewissen Sinne zwar richtig - denn es ist eine unanfechtbare, astronomische Thatsache, daß der Winter der nördlichen Erdhälfte, welcher im Vergleiche zu jenem der südlichen Erdhälfte als warm bezeichnet werden muß, seine höhere Temperatur nur dem Umstande verdankt, daß gegenwärtig der Zeitpunkt, in welchem der Erdball der

Sonne am nächsten ist, auf den Winter und zwar auf den 1. Januar fällt- dieser Zeitpunkt der größten Sonnennähe verschiebt sich aber allmählich und durchläuft in ungefähr 25 OOO Jahren das ganze Jahr, sodaß in 10 000 Jahren der Zeitpunkt der größten Sonnennähe auf Ende Juni, also die Zeit der längsten Tage, fallen wird, während um Weih­nachten herum der Erdball sich in Sonnenferne befinden wird. Daraus folgt aber, daß in jener fernen Zukunft die südliche Erdhälfte fich unserer jetzigen klimatischen Verhältnisse er­freuen wird, während in unseren nördlichen Gegenden ein strenger langer Winter und ein kurzer heißer Sommer vor­herrschend ist, welche vielleicht das Hereinbrechen einer neuen Eiszeit mit gewaltiger Vergletscherung für das nördliche Europa zur Folge haben werden.

Klimatische Schwankungen, welche von einem bis zum anderen Extrem über 12 000 Jahre brauchen, können sich aber unmöglich binnen wenigen Jahren fühlbar machen - zudem steht das Auftreten mehrerer ungewöhnlich warmer Winter in der letzten Zeit in direktem Gegensatz zu der aus den astronomischen Eigentümlichkeiten der Erdbahn für eine ferne Zukunft mit Sicherheit vorauszusagenden Abkühlung der nördlichen Erdhälste. Die Ursachen der Abnormitäten müssen also anderswo liegen.

Man hat nun in den letzten Jahren mit Sicherheit nach­gewiesen, daß der Charakter unseres mitteleuropäischen Wetters in hohem Grade von dem mehr oder minder häufigen Auf­treten von Eisbergen im Atlantischen Ozean abhängt, welche mit der kalten arktischen Strömung zu Tausenden vom Be­ginne des Sommers an bis tief in den Spätherbst und Winter hinein gegen Süden hinuutertreiben und in ver­schiedenen Jahren sehr verschieden zahlreich auftreten. Damit ist aber die Frage nach der Ursache unserer jetzigen wärmeren Winter noch nicht beantmonet, sondern nur in die andere Frage umgesormt, warum in den letzten Jahren die Eistrtst im nördlichen Atlantischen Ozean eine so ungewöhnlich schwache gewesen ist.

Eine große Anzahl von Beobachtungen deutet nun darauf hin, daß der Grund hierzu in kosmischen Verhältnissen zu suchen ist, welche von weit außerhalb des Erdballs her auf unser Klima einwirken, nämlich in periodischen Vorgängen auf der Sonne, die wahrscheinlich sehr mannigfaltiger Natur sind, von denen wir aber wenigstens einen sehr wichtigen genauer kennen, nämlich das periodische Auftreten der Sonnen­flecken. Wie tief eingreifend die Bildung von Sonnenflecken, welche oft im Verlaufe von wenigen Stunden in großem Umfange auf der Oberfläche unseres Tagesgestirns entstehen, für die irdische Witterung ist, beweist die Thatsache, daß das Erscheinen einiger größeren binnen längstens 24 Stunden die Bildung von Ctrrhuswolken nach sich zieht, welche regelmäßig die Einleitung zu einem Witterungsumschwung sind. Auf den ersten Blick scheint dieser Zusammenhang zweier Erscheinungen, welche sich auf durch einen Zwischenraum von 20 Millionen deutschen Meilen getrennten Weltkörpern abspielen, rätselhaft und wunderbar. DaS Verständnis hierfür geht aber sofort auf, wenn man berücksichtigt, daß olle diese gewaltigen Revolutionen auf der Sonne von elektrischen Stürmen be­gleitet sind, welche ihre Wellen mit der Geschwindigkeit des Lichtes in den Weltraum hinaussenden. In demselben Moment, wo der Astronom durch sein Fernrohr eine oft bis zur Höhe von mehreren hunderttausend Kilometern aufschließende Sonnen­fackel beobachtet, zeigt ihm auch die Magnetnadel durch ihre stürmischen Schwankungen an, daß eine von dem glühenden Sonnenball ausgehende elektrische Welle die Erde erreicht hat, in deren höchstwahrscheinlich aus Eisen oder dem Eisen nahe verwandten Metallen bestehenden Kerne nun durch Influenz gewaltige magnetische Strömungen entstehen. Diese wirken nun ihrerseits wieder auf die Luftelekerizität, welche von ein­schneidender Wirkung auf den Gang der Witterung ist, und so ist es sehr begreiflich, daß das häufige Auftreten von Sonnenflecken durch längere Zeit ebenso lang» auch unser Klima auf das entschiedenste beeinflussen muß.