Ausgabe 
8.2.1898
 
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Gicht vnd rheumatischen Kopfschmerzen bedienten. Dann folgt der Zitterwels, der im Nil, im Senegal und andern afrikanischen Flüssen lebt und bis zu 50 bis 60 Centimeter lang wird. Der electrische Schlag dieses Fisches ist nicht von bedeutender Kraft, er vermag nur sehr kleine Thiere zu lähmen, beziehungsweise zu tödtcn.

Wenn auch außer den genannten Fischen kein anderes Thier electrische Schläge auszutheilen vermag, so sind doch viele derselben empfindlich, sogar sehr empfindlich gegen die electrische Einwirkung der Atmosphäre. Gewöhnlich wird der Laubfrosch in ein weites Einmachglas gesperrt, das zum Theil mit Wasser gefüllt ist, aus dem eine kleine hölzerne kleine Leiter bis an die mit Gaze überzogene Oeff- nung des Glases emporragt. Läßt der Frosch von der Spitze der Leiter seine angenehmen Töne erklingen, so tritt schlechtes Wetter ein, sitzt er aber unten so bleibt die Witte­rung gut. Der beste aller Propheten ist wiederum ein Fisch, und zwar der Wetterfisch, auch Schlammschmerle oder Schlammbeißer genannt. Dieser Fisch ist so empfindlich gegen die electrischen Einwirkungen der Luft, daß er sich schon 24 Stunden vor einem Gewitter sehr unruhig ge­berdet: Sonst immer unten im Schlamm, kommt er bei drohendem Gewitter aber an die Oberfläche, und da solches eben nur beim Anzuge eines Gewitters geschieht, ist sein Erscheinen die sicherste Prophezeiung.

In Norddeutschland, wo dieser Fisch häufig vorkommt, wird er von den Landleuten auch vielfach als Wetterprophet in einem mit Wasser gefüllten Glase gehalten, dessen Boden etwa 5 Centimeter hoch mit Kies bedeckt ist. Man gießt ihm Semmelkrümmchen als Futter, und im Sommer wöchentlich zweimal, im Winter einmal frisches Wasser. Er wird bis zu 30 Centimeter lang und läßt sich auch in Büchsen mit feuchten Wassermoos lange lebend erhalten und versenden, wie er denn auch, wenn das Wasser, in dem er lebt austrocknet, sich in den feuchten Schlamm verkriecht und hier bessere, d. h. feuchtere Zeiten abwartet, ähnlich tote viele Tropenfische. In Bezug auf die Electricität der Luft sollen sich der Steinbeißer und der Wels ebenso verhalten, wie der vorgenannte Wetterfisch oder Schlammbeißer.

Schuhe wasservicht zu mache«. Eines der besten Mittel zur Wasserdichtmachung des Schuhwerks und Conser- virung des Leders ist das Ricinusöl. Dasselbe füllt nicht nur die Poren des Leders aus, sondern macht dasselbe auch weich und geschmeidig. Bon neuem Schuhwerk sollten die Sohlen stets mit gekochtem Leinöl, so oft als sie davon ein ziehen, das Oberleder dagegen mit Ricinusöl warm einge­rieben werden. Dadurch wird das Schuhwerk nicht a ein wasserdicht, sondern auch weit dauerhafter gemacht. Sohlen, die gehörig mit Leinöl behandelt werden, halten fast noch einmal so lange, als solche, die keine solche Zubereitung er­fahren. Dies ist besonders für größere Familien, in denen das Schuhwerk eine nicht unbedeutende Ausgabe erfordert, von Wichtigkeit. Da Ricinusöl billig ist, besonders wenn man cs beim Materialisten kauft, und man auch nur wenig braucht, ebenso das Leinöl, so lohnt sich die geringe Aus­gabe für die Präparirung des Schuhwerks sehr gut. Auch durch folgende Mischung werden die Schuhe »rasserdicht. Harz 5 Gewichtstheile, gelbes Wachs 125 Gewichtstheile, Hammelfett 125 Gewichtstheile, Mohnöl 500 Gewichtstheile. Man schmilzt diese Stoffe über einem Kohlenfeuer, um das Anbrennen zu vermeiden, rührt sie bann gut durcheinander und trägt sie noch warm mit einer Bürste auf das Leder (mit Einschluß der Sohlen) auf. Bon dieser Mischung, die

in England patentirt ist und viel gebraucht wird, wird ge­rühmt, daß sie das Leder nicht nur vollkommen wasserdicht mache, sondern auch conservire.

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Der Rasen im Hausgarten bietet einen vortreff­lichen Anblick, wenn bei gutem nahrhaften Boden in sonniger Lage eine Mischung von 3 Theilen Lolium perenne L. (englisches Ray gras), 3 Theilen Poa pratensis L. (Wiesen­rispengras), 3 Theilen Agrostis stolonivera B. Meyer (Fioringras) zum Ansäen verwendet wurde. Für schweren unfruchtbaren Thonboden eignet sich eine Mischung von 2 Theilen Phleum prateuse L. (Thimvtheusgras), 2 Theilen Poa trivialis L (gemeines Rispengras), 2 Theilen Alopecurus pratensisL. (Wiesenfuchsschwanz), 2 Theilen Bestuea pratensis Huds. (Wiefenschwmgel) und 1 Theil Poa nemoralis L. (schmalblätteriges Rispengras). Durch letztere Mischung tarnt zwar kein feiner Rasen, aber doch eine dauerhafte grüne Decke hergestellt werden, wenn über dem unfruchtbaren Boden eine 2025 Centimeter hohe Schicht fruchtbare Ackererde ausgebreitet wird. Man säet im März, April und Mai bei ruhigem, windstillen Wetter. Auf 1 Quadratmeter rechnet man etwa 2530 Gramm. Nach dem Säen wird gewalzt ober mit an ben Füßen befestigten Brettern festgetreten und alsbann täglich gespritzt.

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Wenn die Suppe angedrannt ist! Ungebrannte Suppen unb Gemüse rührte mm nie um, sonbern nehme ben Topf schleunigst vom Feuer, setze ihn in eine Wanne voll kalten Wassers, unb lege unter ben Topfboben, in das Wasser, einen alten wollenen Lappen. Der Branbgeruch ist nach zehn Minuten verschwunben, man bringt bann bas Essen in einem anberen Hafen zum Kochen.

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Regenschirme lange zu erhalte«. Man stelle bie naßgeworbenen Schirme zum Abtropfen mit dem Griff auf die Erde und zwar geschloffen, jedoch nicht geschnürt. Erst nachdem er genügend abgetropft ist, darf der Schirm zur völligen Verdunstung der Feuchtigkeit aufgespannt werden. Stellt man ihn mit der Spitze auf den Boden, wie meist geschieht, dann leibet bas Gestell von bet Nässe, so baß ein baldiges Rosten unb Brechen der Stäbchen die unvermeidliche Folge ist. * #

Suppe aus Weitzkohlvlätter«. bereinigte in Salz­wasser gebrühte Kohlblätter werden fein gehackt, etwas Mehl in Butter hellgelb geröstet, das Gehackte darin gedämpft, Fleischbrühe daran gegossen, damit gekocht, über gebähte Weckschnitten angerichtet, Muskatnuß darauf gegeben und mit einigen Eigelben abgezogen. Zuletzt kommt noch gebackener Kohl in die Suppe, ben man wie folgt zurichtet: Ein festes Krauthäuptchen wird mit ben zur Suppe nöthigen Kohl­blättern in Salzwaffer gebrüht, ausgebrückt, in Schnitzchen geschnitten, biese in einem guten Pfannkuchenteich umge- toenbet unb in Schmalz gebacken.

Hrrinsmstisches.

Liebenswür bige Bereitwilligkeit. Onkel: Na, hier hast Du bie erbetenen hunbert Thaler!" Junger Advocat:Onkelchen, wie bin ich Dir bankbar! Ich wünsche nur, ich könnte Dich einmal gegen einen Raubmord­verbacht vertheidigeu!"

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Richter!Ihr seib also bes Holzbiebstahles vollkommen Überwiesen. Würbet Ihr wegen eines betartigen Vergehens schon einmal abgestraft?" Angeklagte:Rein, Herr Richter, bis jetzt hat mich, Gott sei Dank, noch Nicmanb habet erwischt.'

Madien: Ä. Scheyda. Druck und »erlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buck- und Stcindruckerei (Pietsch & Scheyda) in