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Getrennt und vereint.
Novelette von Louis Callas.
------- (Nachdruck verboten.)
Herr von Broladre war etwa dreißig Jahre alt. Sein -energisches, männliches Gesicht zeigte einen ernsten, sorgenvollen Ausdruck. Den Kopf zur Erde gesenkt, durchschritt er eine Allee von Kastanienbäumen, an deren äußerstem Ende sich ein elegantes Landhaus erhob.
„Kann ich Frau von Bange sprechen?" fragte er das Mädchen, das ihm auf sein Klingeln öffnete.
Man führte ihn in den Salon, wo eine junge Frau, -ungefähr in seinem Alter, mit einer Stickerei beschäitigt saß. Sie war noch sehr schön, ihr Benehmen war einfach und zuvorkommend, ihr Gesichtsausdruck liebenswürdig und sympathisch,- dennoch zeigte der Besucher eine verlegene Haltung. Sie selbst konnte ihre Ueberraschung nicht unterdrücken, faßte sich aber sogleich und sagte, ihm die Hand reichend: „Das ist reizend von Jtmen, Herr von Broladre, -daß Sie mich nicht vergessen haben."
„Ich muß mich zunächst wegen meines frühzeitigen Besuches entschuldigen/ doch ich bin mit einer Botschaft betraut/ Mein Freund Delsarte hat mich gebeten, Ihnen diesen Brief zu übergeben."
Er reichte ihr ein Schreiben, das sie schnell erbrach. Der Brief war lang und, wie es schien, sehr interessant.
„Kennen Sie den Inhalt dieses Briefes?" fragte sie, Nachdem sie das Schreiben zu Ende gelesen hatte.
„Nein, Madame, mein Freund Delsarte hatte mich gebeten, ihm einen Dienst zu erweisen, und ich hatte mein Wort gegeben, es zu thun."
„Das bedeutet," fuhr Frau von Bange lächelnd fort, .„daß Sie ohne Verpflichtung kaum hierher gekommen wären."
„Vielleicht, Madame, hätte ich gefürchtet, Ihnen zudringlich -»der ungelegen zu erscheinen."
„Weshalb? Sind wir nicht zwei alte Freunde, zwischen denen die Etiquette aufgehoben sein sollte? Gestatten Sie mir," bemerkte Frau von Bange hierauf „einige Anordnungen zu geben/ ich bin gleich zurück. Sie werden dann die Güte haben, mich in den Garten zu begleiten/ für Heute gehören Sie mir. Es ist so lange her, seit wir uns Nicht gesehen, daß wir viel miteinander zu reden haben Merken."
* * •
„Fast zehn Jahre sind verflossen, seit Sie Paris verlassen haben, Herr von Broladre," sagte die junge Frau, „was ist während dieser langen Zeit aus Ihnen geworden?"
„Wissen Sie es nicht? ich bin in der Welt herum gereist, habe mich einer Expedition nach den Hochplateaus von Cabylien angeschloffen, habe einen Theil der Sahara besucht, bin den Nil hinaufgefahren und beabsichtige mich jetzt nach Marseille einzuschiffen, um das südliche Tunis zu Lurchstreifen."
„Und nachher?"
„Das weiß ich noch nicht; die Welt ist ja so groß!" „Man hat mir gesagt," fuhr Frau von Bange fort, ,„daß Sie infolge eines tiefen Kummers fortgerefft seien, um in der Aufregung weiter Steifen Vergessenheit zu suchen "
Sie richtete ihre Blicke auf die seinen und erwartete •eine Antwort.
//Man hat Ihnen die Wahrheit gesagt," versetzte er, „meine Wahl war auf ein junges Mädchen gefallen, das vor -allen geeignet schien, mein Glück zu sichern/ die Dame war 'schön und besaß alle Eigenschaften, die man von derjenigen wünschen kann, mit der man sein Geschick vereinen will/ «inen Augenblick glaubte ich, unsere Herzen stimmten überein, allein es war eine Täuschung!"
„So ist es nun einmal im Leben," versetzte sie, „man liebt und wird nicht wieder geliebt, man ist gleichgültig gegen die, welche uns so gern ihr ganzes Herz schenken Möchten."
Eine lebhafte Röthe überzog sein Gesicht.
„Beruhigen Sie sich, mein Freund," sagte sie dann lächelnd, „wenn ich auf eine schon alte Geschichte anspiele, so geschieht dies mit der Unparteilichkeit einer fernstehenden Person. Es ist ja wohr, daß ich mich infolge einer Helden- müthigcn Handlung seinerzeit in Sie verliebte/ aber Ihre eisige Kälte führte mich zur Wirklichkeit zurück, und ich erkannte, daß ich mich in einer unseligen Hoffnung verlor. Daß meine Eigenliebe dadurch etwas verletzt wurde, will ich nicht leugnen, doch die Vernunft bekam bald wieder die Oberhand. Als ich Herrn von Bange heirathete, hatte ich ihm nichts zu verhehlen/ er wußte, daß ich für ihn nicht eine jener glühenden Leidenschaften empfand, die man mehr in Romanen, als im Leben findet, doch er flößte mir Zuneigung und Achtung ein. Als Gattin und Mutter habe ich niemals mit Bedauern in die Vergangenheit geblickt, und heute spreche ich zu Ihnen wie zu einem Freunde, für den ich eine rein schwesterliche Zuneigung empfinde. Sie sehen, ich bin ganz aufrichtig zu Ihnen/ warum bringen Sie mir nicht die gleiche Offenherzigkeit entgegen? Sie haben in fernen Ländern Vergessenheit gesucht/ sagen Sie mir, haben Sie dieselbe gefunden?"
„Nun denn, nein I" rief Herr von Broladre, „wohin mich auch mein abenteuerliches Leben führte, das Bild des geliebten Mädchens hat mich stets verfolgt, unter den Zelten Arabiens wie unter der brennenden Wüstensonne / ich mußte es lieben, obwohl es mein Leben vernichtet hatte. Ich will wieder fortreifen, und zwar diesmal für immer, die Erinnerung jedoch wird ftetS mit mir ziehen, und ich fühle, nie wird es mir gelingen, mich von dieser Qual zu befreien."
Sie hoffte, er würde einen Namen aussprechen, er bewahrte jedoch nach wie vor sein Geheimniß. Sie rieth ihm als Hilfsmittel für fein Leiden die Ehe an. Es gab doch nicht nur eine Frau auf der Welt/ ein Mann mit feinem Vermögen und seinem Namen würde zweifellos bald eine Frau finden, die ihm die Last des Daseins tragen half.
Er schüttelte indeß den Kopf/ für ihn gab es nur eine Frau auf der Welt, mit der vereint er durchs Leben gegangen wäre.
(Schluß folgt.)
Aus Meggeudorser Humoristischen Blättern.
Durch die Blume. Feldwebel: „Herrgott, Einjähriger, sind Sie ein —! Na, kein Schimpfwort, aber der tiefe Sand auf dem Kasernenhof muß Sie ja ordentlich anheimeln !"
Mißverstanden. Pfarrer: „Ihr Sohn ist also jetzt an der Hochschule, was studirt er denn eigentlich?" — Bauer: „Ja, Hochwürden, das weiß i selber nit, i glaub' alleweil, er wird Eleetrotechniker oder sonst so was, weil er immer schreibt, er braucht so viel Draht."
Moderne Dienstboten. Erstes Dienstmädchen: „Bist Du mit Deiner Herrschaft zufrieden?" — Zweites Dienstmävchen: „Nein! Kann sich noch gar nicht in meine Eigenheiten finden I"
Maßstab. „Ihre Töchter sind recht wohlerzogen!" — Emporkömmlig: „Schaun's, ich laß ihnen auch pro Jahr für 2000 Mark Erziehung geben."
Gelungene Ausrede. Arzt (um Mitternacht): „Halt, was wollen Sie hier?" — Einbrecher: „Donnerwetter, ich glaub, ich hab mich in Ihrer Sprechstunde geirrt, Herr Doetor?"
Unbegreiflich. Backfischchen (als ein Regiment mit klingendem Spiel vorüberzieht): „Unbegreiflich, daß e» Menschen giebt, die über Militärlasten klagen!"


