Der Forstassessor lachte hell auf, sah aber doch ein wenig verlegen aur.
„Trösten wir unS, dem Max tm Freischütz lst es auch nicht besser ergangen!"
„Erlauben Sie mal!" zuckte Fränzchen geringschatzend die Achseln! „Mit dem können Sie sich doch auf eine Stufe stellen, der Narr war ja verliebt!"
„So, und können andere Leute nicht auch verliebt sein?"
Hellmuth fragt es mit gedämpfter Stimme und Pta neigte sich jählings, um eine kleine Weinranke recht genau zu besehen. ,
„Haha! — in seine Frau und seine sieben Kinder! nee, Assessorchen, — machen Sie mir nicht etwa weiß, daß Ihre Hand aus Sehnsucht gebebt hätte!" Allgemeine Heiterkeit: „Und nun, marsch — marsch — Hurrah! wir müssen unsere zwölf Schuß heraus haben, ehe es zu dämmerig wird!" das Backfischchen schoß wieder brillant, aber 'auch der nächste Schuß des Assessors brachte nur acht Ringe
„Armer Max!" höhnte die Kleine.
„Ich gebe das Rennen verloren! — lassen Sie es genug sein, Miß Francis, wir wollen Sie zur Königin krönen!"
„Nichts da, geschossen wird! ich will Ihnen erst mrt Fug und Recht die schwarze Brille aufsetzen können! avanti!"
Und sie schoß abermals vortrefflich.
Hellmuth trat einen Schritt von Pia zurück und blickte starr gerade aus, aber er fühlte, daß ihre Augen auf ihm ruhten und seine Hand bebte abermals, als er zielte.
„Aber Mensch!" rief Fränzchen, jählings seinen Arm haltend: „Haben Sie denn plötzlich den Tatterich, daß Sie so wackeln? ruhig Blut und dann los!" und doch schoß er auch diesmal schlecht.
Das Backfischchen stampfte mit dem Faße auf. „Wenn ich's nicht wüßte, daß Sie es besser können! aber das ist ja plötzlich wie verhext mit Ihnen. Seit Lilian in den Rebengang trat, haben Sie kein Glück mehr! — Du — Lilian — hast Du ihn etwa behext wie ein altes Weib, — daß er nicht mehr trifft?"
Fränzchen hatte es in ihrer Naivetät und Erregung herausgesprudelt und sah auch nicht die Wirkung ihrer Worte, welche dem Betreffenden das Blut in die Wangen trieb, — sie eilte im Triumph an die Scheibe, um unter Assistenz des Papas die Resultate zu verzeichnen.
Hellmuth legte die Waffe langsam aus der Hand, er stand neben Pia, aber keines sprach ein Wort.
„Max, schieß nicht, ich bin die weiße Taube!" — lachte Fränzchen par distance: „Bitte, vergessen Sie im Eifer nicht, daß ich jetzt die blauen Bohnen auffangen würde!"
„Unbesorgt, mein gnädiges Fräulein! Der Max muß erst Freikugeln schießen, ehe er wieder Centrum trifft!"
Pia lachte und zwang sich gewaltsam zu einem harmlos heiteren Ton: „Nun, hier am Rhein, wo Drachenfels, Höllengrund und Teufelsbrücken zu Hause sind, wäre das Terrain für ein Freikugelgießen wohl gegeben! — Haben Sie schon eine Postkarte an Caspar geschrieben?"
Er schüttelte lächelnd den Kopf: „Wenn man das Bildniß eines Engels anbetet, mag man keine gemeinsame Sache mehr mit dem Teufel machen!"
„Mehr? das klingt als ob sie früher gute Freundschaft mit ihm gehabt hätten?"
Er stieß mit der Fußspitze die kleinen Kiesel hin und her.
„Ich bin mir dessen nicht bewußt, und doch ist es mir zu Sinnen, als sei mir jetzt ganz plötzlich erst der Himmel aufgethan!"
Sie blickte hinaus in die zauberhafte Flußlandschaft, über welcher die ersten Dämmerschleier mit den letzten Sonnenlichtern rangen. Die bunte Lebhaftigkeit des Tages war verhallt, ein feierlicher Abendfrieven ruhte ans der lenzesduftigen Welt und die Glockenklänge der Rochuscapelle zogen melodisch über das Wasser, wie ein grüßendes Gebet.
„Das begreife ich!" antwortete Pi« schlicht, „und möchte wohl behaupten, daß es mir ähnlich ergeht. Ich habe schon so viel von der Welt gesehen, so viel erhabene Pracht und so viel liebliche Schönheit, und doch empfinde ich hier erst ihren vollen Zauber, welcher Herz und Seele erfüllt und andächtig stimmt."
„Ich las einmal in einem Buche, welches sich durch viel Tiefe und Wahrheit des Gedankens auszeichnete, daß der Mensch glücklich sein müsse, wenn er die ganze Schönheit der Natur empfinden und sich ihrer voll bewußt werden wolle! nur der Glückliche könne Schönheit genießen, nur Derjenige, in deffen Seele es harmonisch und licht, warm und wonnevoll geworden sei."
„Und doch ist die Schönheit der Natur der einzige Trost für Trauernde!"
„Nicht der wahre Trost, weil er ein Leid vergrößert, anstatt es von ihnen zu nehmen! Menschen aber, welche einen tiefen Schmerz in die Einsamkeit der schönen GotteS- welt tragen, empfinden es als Wohlthat und Lmderung, diesen Schmerz unter dem Einfluß ihrer Umgebung ausströmen zu taffen! Dem Unglücklichen sind bei dem Anblick landschaftlicher Schönheit die Thränen der Wehmuth stets näher, wie das tiefe, wonnevolle Aufathmen hohen Genusses, — aber gerade die Thränen bekunden seine Ergriffenheit und thun ihm wohl, und doch glaube ich, daß die Schönheit, durch die Schleier von Thränen gesehen — nur halbe Schönheit ist."
Das junge Mädchen wandte ihm das Antlitz zu, ein Aufleuchten ging durch ihr Auge. „Diese Ansicht würde mir also versichern, daß Sie zur Zeit sehr glücklich sind, weil Ihnen die Welt als Paradies erscheint?"
„Sehr glücklich!" nickte er, „so glücklich, wie ein Kind, welches holde Märchen träumt"
Er sagte es leise, und doch drang der Klang seiner Stimme bis in ihr Herz.
Kränzchens überlaute Heiterkeit unterbrach sie. Sie schwenkte den Papierzettel triumphirend über dem Kopfe und sang übermüthig: Schau der Herr mich an als König! dünkt ihm meine Macht so wenig? Gleich zieh er den Hut, Mosje! wird er frag' ich? — he, he, he? he — was schoß denn er? — he, he?
Der Assessor lachte: „Sie verspotten mich wieder, wie den armen Max im Freischütz, und vergessen ganz, daß der arme, verhöhnte Bursch dennoch beffer als alle Anderen geschossen, — ja, sogar in Agathes Herz mit Pfeil und Bogen den Meisterschuß gethan hatte!"
„Ja wohl ja! vor Anno Toback! — heißt Ihre Frau Herzallerliebste daheim auch Agathe?"
Nein!"
"Na, also! Und wenn Sie sich vor so und so viel Jahren mal in eine holde Schöne verschossen haben, so soll das jetzt noch diese klägliche Niederlage auf der Scheibe dort entschuldigen? — Nein, Assessorchen, einem ganz frisch und jung Verliebten mag schon mal die Hand zittern, aber so einem Ehekrüppel wie Ihnen? hahaha! Also das sind faule Fische und Sie sind besiegt. — Zugegeben?"
Der Assessor verneigte sich tief, abermals zuckte da« verhaltene Lachen um seine Lippen, und auch Pia kämpfte gegen die Heiterkeit, während ihr abermals das Blut in die Wangen stieg.
„Ich bin in Ihren Augen ein todter Mann, Mitz Francis, — wolle die gestrenge Schützenkönigin mir eine gnädige Richterin sein."
„Ich bin Königin, — Sie sind mein Leibeigener!
„Oha!" lachte der Graf und Hellmuth kreuzte zerknirscht die Arme über der Brust. ,
„Oder sagen wir — Sie sind mir tributpflichtig!
„Zu Befehl, Majestät!"
„Sie müssen mir gehorchen?!"
„Ich bin Wachs in Ihren Händen!"
„Gut." Fränzchen richtete sich aus, hob arrogant die


