1897.
er stolz vor seinem Herrn, Und mild vor seinem Knecht, Dem beuge Du Dich gern,
Denn er ist goldesecht.
Leutrum-Ertingen.
Der Majoratsherr.
Roman een Nataly ». Eschstruth.
Eortsetzm,,.)
„Brillant schießt er! ganz großartig schießt er !" jubelte sie, ohne die mindeste Spur von Künstlerneid oder Ruhmes- gier, „Sie sind ein reizender Mensch, Assefforchen, der erste, den ich hier in Deutschland so gut schießen sehe! In Genf war ein Franzose, mit dem schossen wir alle Tage Glaskugeln, der war auch ein Patentkerl! Großartig, sage ich Ihnen! Hätte sich gleich beim „wilden Westen" als Pistolen- schiitz anwerben lassen können!" und während sie so lebhaft schwatzend neben ihm herschritt, stob sie harmlos ihre Hand in seinen Arm und behandelte ihn mit so kameradschaftlicher Zuneigung, als wären sie die ältesten Freunde und durch alle Gefahren der brennenden Prairieen und Giftpfeil durchwirrten Urwälder for ever verbündet. Dann schoß sie wieder, auch Centrum, und mit blitzenden Augen griff Hellmuth zum siebenten Mal zur Waffe.
„Bis jetzt sind wir so ziemlich egal! ich habe nur zwei Ringe mehr, also kalt Blut! mit diesem Schuß können Sie mich schon schlagen!"
„Nun denn, mit Gott für König und Vaterland!" lachte Hellmuth und zielte. Plötzlich wandte er den Kopf, als ob eine magnetische Gewalt ihn zöge, ein schlanke Mädchengestalt war in den Rebengang getreten und näherte sich langsam den Herren.
Das Abendroth, welches den Himmel in Flammen von Gold und Purpur tauchte, goß seinen Glanz über das blonde Köpfchen, hinter ihr flimmerte der Rhein, und das junge, kaum der Knospe entsprungene Reblaub wiegte sich in graziösen Gewinden über ihr. Fränzchen stand, die Hände auf dem Rücken, und blickte voll lebhaftester Spannung nach der Scheibe.
„Na los! worauf warten Sie denn?" drängte sie ungeduldig.
Der junge Forstmann schrak zusammen, wie ein Kind, welches bei verbotenen Früchten ertappt wird. Hastig wandte er sich wieder um, zielte und schoß.
Das Herz schlug ihm hoch auf dabei, er dachte an alles Andere, nur nicht mehr an die „Königswürde", welche auf dem Spiel stand.
Fränzchen streckte den Kopf weit vor. „Na nu!" sagte sie überrascht, „wo sitzt denn die Kugel?" und dann schoß sie, wie ein Pfeil, ihm voran zu dem Ziel.
Hellmuth folgte ihr nicht, er trat mit schnellen Schritten der jungen Dame entgegen.
„Guten Abend, Miß Lilian! „Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt!" Sie haben wirklich viel versäumt, Ihre Fräulein Cousine hat mich geradezu verblüfft! Ich habe noch nie eine Dame derart schießen sehen!"
Pia reichte dem Sprecher die'Hand entgegen, er hielt sie momentan in der Seinen.
„Ich hörte den Jubel bereits!" lächelte sie, „und konnte der Versuchung nicht widerstehen, die fabelhaften Resultate mit Augen zu schauen!"
„Beinahe immer Centrum! Sie haben schon das Schwarze beinahe herausgelockert," nickte der Graf, sich erhebend und behaglich herzuwuchtend. „Ein herrlicher Abend heute, das reine Idyll. Wenn die Schießerei zu Ende ist, schlage ich vor, wir bestellen uns das Nachtessen, und machen noch eine kleine Gondelpartie im Mondenschein, wollen' mal hören, was meine Frau dazu sagt! und wenn--"
Er verstummte erschrocken, denn von der Scheibe her ertönte ein wahrhaft indianisches Triumphgeheul.
Fränzchen erging sich in ein paar grotesken Sprüngen und dann stellte sie sich hin und krümmte sich in schallendes Gelächter.
„Ratze! Ratze!" schrie sie ihrem Gegner zu, und Pia eilte ganz erschrocken zu ihr hin: „aber Kind, bist Du rein von Sinnen?"
Fränzchen patschte, außer sich vor Freude, dem Assessor mit beiden Händen auf die Schulter. „Süßer Mensch — Sie haben da hinten am Berge eine Reblaus getroffen!" \ schluchzte sie vor Vergnügen.
„Was habe ich?" Hellmuth sah ganz verdutzt darein. ! „Na, Sie haben gefehlt, radical gefehlt! dahier, den ; Rand der Scheibe haben Sie ein ganz klein wenig angesengt I--und das nennen Sie, mich in die Pfanne schießen?"


