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von Schillers die „Hohl° _ Schülern
in Gießen.
Das Kind der Tänzerin.
Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.
(Fortsetzung.)
„Es ist falsch!" keuchte Iris. „Es ist Alles falsch, was Du sagst. Ich leugne es Dir in's Gesicht!"
„Leugne, so viel Du willst, liebes Kind," versetzte er kühl- „Diejenigen, welche Dich am längsten kennen, sind ja die größten Bewunderer Deiner außerordentlichen Fertigkeit im Lügen. Verzeihe mir, daß ich es so unverblümt sage, allein ich würde Dir selbst auf Deinen Eid hin nicht glauben. Die reizend?, junge Dame, die Godfrey Grehlock seine Enkelin nennt, hat keinen Tropfen Greylock'schen Blutes in den Adern."
Iris rang die Hände, als sie voller Verzweiflung erwiderte: „Ich kam in aller Frühe hierher, um zu erfahren, was ich von Dir zu erwarten habe, Arthur Kenyon! Jetzt tneiß ich es! Die Identität meiner Tochter soll in Zweifel gezogen, ich selbst eines schändlichen Betruges angeklagt, mein friedliches Verhältnis zu Godfrey Grehlock bedroht oder gar zerstört werden. Ist es nicht so? Du erklärst mir den Krieg," fuhr sie etwas ruhiger fort. „Gut! Auch ich habe meine Waffen. Du warst Ethels Lehrer im Pensionat- Du eorrespondirtest mit ihr seit ihrer Rückkehr — es besteht ein Liebesverhältniß zwischen Euch."
Jetzt war es an Regnault, verblüfft dazustehen. „Wer lagt Dir das?" fragte er.
„Niemand," erwiderte sie rasch, „ich bin im Stande, gar manche Dinge ohne fremde Hülfe zu entdecken. Wenn
Feinde sein müssen, Arthur Kenyon, so gehe ich in owser Stunde noch zu Godfrey Greylock und lege ihm die ganze Angelegenheit vor. Ich will ihm erzählen, daß seine i-sbm, die er mit dem englischen Baronet zu verheirathen wünscht, eine Jntrigue mit Monsieur Regnault, einem ändernden Sänger, spinnt. Wie groß werden dann wohl
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er auf Dankbarkeit rechnet, ist ein Händler, aber kein Wohl-
thäter.
I. M.
In ein Gewebe wanden
Die Götter Freud' und Schmerz —
Sie webten und erfanden
Ein armes Menschenherz.
Herder.
Deine Chaneen sein, das Mädchen und ihr Vermögen zu erhalten?" Sie blickte ihn finster und drohend an.
Er erwiderte ihren Blick mit einer kalten, höhnischen Miene.
„Bedenke," fuhr sie trotzig fort, „daß Du mich nicht verderben kannst, ohne Ethel mit in den Abgrund zu ziehen."
Soweit Regnault im Stande war, irgend einen Menschen zu lieben, liebte er das herrliche, stolze Mädchen wirklich, das ihm versprochen hatte, sein Weib zu werden. Der Gedanke, sie zu verlieren, ging ihm nahe und verbannte jedes Verlangen nach Haß und Rache sofort aus seinem Herzen.
„Wahrhaftig, wir sind Beide gut gewaffnet und gerüstet," sagte er lächelnd, indem er Plötzlich einen anderen Ton anstimmte. „Was haben wir aber zu gewinnen, wenn wir einander verrathen? Es gießt gewisse Capitel in der Geschichte Deines vergangenen Lebens, die Du Robert Grey- locks Verwandten verheimlicht haft und deren Enthüllung Dich ins Verderben stürzen würde; ich aber habe Pläne und Absichten, die Du zu Nichte machen kannst, wenn Du willst. Komm, laß uns vernünftig handeln und einen Vertrag mit einander abschließen."
Iris antwortete nicht- ihre Blicke verriethen, daß sie noch immer mißtrauisch war.
„Ueberlaffe mich meinen eigenen Angelegenheiten," fuhr er fort, „und ich will Dich den Deinigen überlassen. Bleibe ich unbehelligt von Deiner Seite, so will ich vergessen, daß ich Dich je kannte. Kurzum — verzeihe mir den derben Ausdruck — halte Du Deinen Mund, so werde ich den meinigen halten."
Iris war ein Weib ohne Grundsätze, aber dennoch schauderte sie vor dem Gedanken zurück, Ethel diesem Manne zu überlassen. Mit einem Worte konnte sie dem geheimen Einverständniß zwischen dem Paar ein Ende machen. Aber vermochte sie es, sich einmal in ihrem Leben zu einer edlen Handlungsweise aufzuraffen und die erforderlichen Schritte zu thun, um das junge Mädchen, dem sie so viel verdankte, zu retten? In Iris Grehlocks Herzen ging ein kurzer Kampf vor sich, dann aber trug, wie gewöhnlich, ihr Egoismus den Sieg davon. Sollte sie ihren Luxus, ihre glänzenden Einkünfte opfern? Sollte sie sich der Armuth wieder in die Arme werfen, um Ethel aus den Klauen eines gewissenlosen Schurken zu retten? Nein!
„Ich gehe auf Deinen Vorschlag ein," sagte sie, indem sie Regnault die Hand reichte.
Er ergriff dieselbe rasch und fragte: „Hast Du mir noch etwas zu sagen?"


