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jenen fernen Welten ist. Was bleibt von Ihrem gegen wärtigen Dasein, mit solchem Maßstab gemessen, was bleibt von dem Leid, das im Augenblick Ihre Seele erfüllt? Erfassen Sie diesen Gedanken in seiner ganzen Größe und Tiefe, und Sie werden stärker sein, als Ihr Schicksal, das Sie dereinst sich selbst verdient und bereitet haben, stärker, als die Schatten auf Ihrem Wege. Richten Sie Ihre Blicke nach oben, schauen Sie nach den Sternen, wenn Sie leiden!"
„Ich danke Ihnen," sagte Georg leise, indem er Busenius die Hand reichte. „Seien Sie mir nicht böse, wenn ich Ihren Phantasien heute nicht folgen kann. Ich habe zwei Nächte nicht geschlafen, und mein Kopf ist wüst. Es wird am Besten fein, ich gehe jetzt und bleibe allein."
Der Andere versuchte nicht, ihn zu halten. „Ich wünsche Ihnen, daß Sie heute Schlaf finden," sagte er freundlich.
Georg nickte nur und ging langsam hinaus. Auch draußen im Bodenraum war es noch ziemlich hell, nur in den äußersten Ecken unter den Schrägflächen des Daches lauterte schon die Dunkelheit. Er ging trotzdem vorsichtig und mit den Füßen den Boden prüfend, als liege schon tiefe Nacht um ihn her. Seine Blicke waren starr in die Ferne gerichtet, und als er die erste der leiterähnlichen Treppen hmabgestiegen war, blieb er stehen und träumte vor sich hin. „Ihn rufen!" murmelte er; das war das einzige, was von der Unterredung mit Busenius in seiner müden Seele haften geblieben war. Dieser plötzlich in ihm erweckte Gedanke, den Todten zu rufen, der mit kalter Hand ihn hinwegscheuchte von seinem Glück, ihm entgegenzutreten und mit dem wesenlosen Schatten zu kämpfen um den Besitz der Frau, die er liebte. „Ihn rufen!" sagte er leise noch einmal, als er aus den Bodenräumen hinunter gelangt war in dem wohnbaren Theil des Hauses und nun auf dem Corridor stand, an dem Frau Henningers Zimmer lagen. Aber er ging nicht zu ihr hinein; er hatte sie schriftlich gebeten, ihm em paar Tage Zeit zur Ueberlegung zu gönnen, und so schlich er vorsichtig an den Thüren vorbei, zu denen er sonst, von heißer Sehnsucht getrieben, zu allen Stunden des Tages nur allzu oft den Weg gefunden hatte.
In seinem Zimmer schloß er sich ein und setzte sich wieder auf den Platz am Fenster, wo er gestern und heute lange Stunden in schmerzlichem Sinnen verbracht hatte. Ein tiefes Bangen hielt ihn ab, eine Unterredung mit der Geliebten zu suchen; mehr noch als die Bestätigung dessen, was man ihm erzählt hatte, fürchtete er etwas Anderes. Die Möglichkeit, daß des Onkels Vorhersage sich erfüllen, und Frau Ina den Eid ihm gegenüber ableugnen könne, den sie geschworen hatte. Ihr Bild befleckt zu sehen, das er angebetet hatte seit Monaten in stiller Verehrung, war ihm der furchtbarste Gedanke von allen.
Aber so oft er auch diese Möglichkeiten durchgrübelt, heute war doch der seltsame Eindruck, den Busenius Worte auf ihn gemacht hatten, der herrschende. Er suchte sich zu wiederholen, was der Alte dort oben gesagt hatte, und bunte, phantastische, märchenhafte Bilder stiegen vor ihm empor. In einzelnen Andeutungen hatte er Aehnliches schon vernommen, auch erinnerte er sich, kürzlich den Prospect eines Buches erhalten zu haben, das von jenen geheimnißvollen Lehren und Ueberlieferungen zu handeln, schien. Der plötzliche Wunsch überkam ihn, das Buch zu besitzen, von anderer Seite diese Phantasie bestätigt ober berichtigt zu sehen. Wo mochte er den Prospect gelassen haben? Daß er ihn aufbewahrt hatte, schon damals von einer unklaren Begierde nach der Enthüllung dieser Wunder getrieben, das wußte er, aber er vermochte sich nicht zu erinnern, wo er geblieben war.
Mit hastigem, unruhigem Eifer begann er zu suchen, warf alle Papiere auf seinem Schreibtisch durcheinander und durchforschte die Schubladen bis in die äußersten Winkel. Aber nichts war zu finden, auch seine Brieftasche gab das Gesuchte nicht heraus. Endlich, als die nervöse Unruhe schon seinen ganzen Körper durchzitterte, meinte er sich zu
erinnern, daß er das Papier damals lose in die Tasche gesteckt habe, und nun riß er den Wandschrank auf, um dort weiter zu forschen.
(Fortsetzung folgt.)
Neue Gaben der Natur.
Ein wichtiges Capitel für den Gartenfreund.
Von I. C. Schmidt, Kunst- und Handelsgärtner, Erfurt.
------- (Nachdruck verboten.)
„Neuheiten!" — das ist heute das Schlagwort des Gärtners und des Laien, aber die Fluthwelle, die jedes Jahr durch die Samenlisten rauscht, verrinnt oft langsam im Sande und nur einzelne Perlen bleiben am Strande zurück.
Die Hauptsache für den gewissenhaften Züchter besteht in dem genauen Stndiren der Vorzüge einer neuen Sorte, eher er sie dem Handel übergiebt. Die Neuheit muß „con- stant" bleiben. Ost verlieren sich schon in den nächsten Jähren die unentdeckten Tugenden. Die Pflanze „schlägt wieder zurück". Sodann sind die neuen Errungenschaften ohne Vorurtheil dahin zu prüfen, ob die heroortretenden Unterschiede derartig bedeutend sind, um die Sorte als vor- theilhaft gegen eine alte bekannte gute hinstellen zu dürfen. Es wird auch in der Gartenkunst manches „verballhornt". —
In Folgendem seien, ohne die Reibe vollständig erschöpfen zu können, die hauptsächlichsten Errungenschaften erwähnt, welche als Neuheiten für 1897 in Betracht kommen.
An der Spitze der diesjährigen Blumen-Neuheiten marschirt — etwas Altes! Alt, weil das liebliche 2 bis 3 Ctm. hohe Myosotis Rehsteineri (Liliput-Vergißmeinnicht) schon vor Jahrzehnten am Ufer des Bodensees, wo es ein verstecktes Dasein führte, aufgefunden wurde — neu, weil es erst jetzt seiner Verborgenheit entrissen ist und dem großen Kreis der Blumenfreunde zugängig gemacht wird. Es verdient durchaus, daß jeder Garten sich mit diesem Kleinod schmücke. Wer es auch sieht, ist entzückt von diesem Liliputaner. Während seine bekannten Schwestern so sehr in die Höhe, Breite und Weite gehen, um mit Vortheil aus sich alle jene lieblichen Bogen, Figuren und Arabesken bilden zu lassen, wie sie die moderne Teppichgärtnerei verlangt, ordnet sich diese Zwergform den weitgehendsten Ansprüchen unter, da sie in Blatt und Blumen in den bescheidenen Grenzen bleibt. Die Hohe überragt niemals 3 Ctm. Wenn das Teppich-Vergißmeinicht im Februar oder sobald es der Frost zuläßt, gepflanzt wird, lacht es uns von Ende März bis in den Juni hinein entgegen mit seinen tausenden himmelblauen Augen, die als erste Jahresgabe in den Frühling schauen. — Ein geschlossenes Beet aus diesen lieblichen Pflanzen gebildet, stellt einen Blumenteppich in des Wortes vollster Bedeutung dar. Nach der Blüthe kann man die Pflanzen theilen, und den Vorrath dadurch nach einigen Jahren verzehnfachen. Die Engländer bringen dies Vergiß- meinicht als „englische Neuheit" zu einer Mark das Stück an's Tageslicht, man kann aber in Deutschland für einen Nickel das Stück schöne, starke Pflanzen Hatzen.
Auf dem. großen Gebiete der Astern finden wir als hervorragendste Neuheit eine eigenthümliche Form, deren Namen, „Strahlenaster", ungefähr sagt, was sie bedeutet. Es ist eine Riesenaster von 12 bis 15 Ctm. Durchmesser, deren Blumenblätter, ähnlich wie bei der kleinen Jgelaster, jedoch in schwungvolleren Linien, vom Mittelpunkt strahlenartig ausgehen. Auch die' bekannte Riesen-Komet-Aster hat sich wieder in einigen neuen Farben, hellblau, lila und carmoisin, gezeigt. In ihrem Gefolge befinden sich als erwähnenswerthe Neuheiten eine lasurblaue, rothviolette und reinweiße Juwel- Aster, eine weiße neue Klasse, die mit „Ideal" getauft ist, und eine dunkelblaue Johannistag-Aster. — Unter den prächtigen Lobelia cardinalis-©orten zeigt sich als etwas sehr Hübsches ein herrliches Purpurcarmoisin. Die Neuheit wurde als Lobelia cardinalis Nanseniana dem unerschrockenen Nordpolfahrer gewidmet. Unter den Godetien zeigt sich als be«


