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etwas zu consumiren, ja, wenn der Magen voll war, so griffen sie zu dem Mittel künstlicher Entleerung — sie erbrachen sich nämlich — um wieder mit neuer Kraft Weitereffen zu können! Selbst der „große" Cäsar huldigte diesem kamtschadkaischen Gebrauche.
Als große Feinschmecker galten von jeher die Chinesen. In der That, ihren indischen Vogelnestern gewinnen auch manche unserer Gourmets Geschmack ab. Diese indischen Vogelnester rühren von den Salanganen, einer Vogelart in der Größe unserer Schwalben, her, die in großen Felsenhöhlen Siams, Bengalens, Ceylons u. s. w. ihre Nester an- legen. Sie bestehen aus dem zähen Schleim, den diese Vögel aus ihren Speicheldrüsen absondern und Klümpchen an Klümpchen an die Wände heften, daraus Nester von der Art der unserer Schwalben formend. So sind also die Nester aus rein animalischem Stoff — einem Mittelding zwischen Eiweiß und Gallerte — gebildet,- wie Fleisch kocht man sie in kräftigen Suppen und bereitet sie auf mannigfache Weise zu. Die rein weißen gelten als die besten, die Ernte findet drei- bis viermal im Jahre statt. Außerdem gelten bei den Chinesen Hunde, Katzen und Ratten für Leckerbissen. Hunde werden noch ganz jung gemästet und in Körben feilgeboten, Katzen öffnet man das Maul und untersucht ihre Zähne, um zu ermitteln, ob sie noch jung und von guter Gesundheit sind. Ratten werden, wenn sie fett sind, getödtet, mit den Schwänzen zwei und zwei aneinander gebunden, reihenweise über lange Stöcke gehängt und so — wie bei uns Lerchen oder Krammetsvögel — auf den Markt gebracht. Kennan giebt uns den Speisezettel eines vornehmen chinesischen Gastmahls, an dem er theilnahm, wie folgt an: Schwarze Schwämme, Krebsschwänze, Baummoos, Seegras, Fleischpuddings aus feingehacktem Kalbfleisch in Brodteig gebacken, feingehacktes Fleisch in kleine Klöße geknetet und gebacken, gekochtes Geflügel in einer dicken weißlichen Gallerte mit großen Schnecken angerichtet, kleine Fletschpasteten, eine Art Fett in weichen, weißlichen, durchscheinenden Stücken, gebratenes Spanferkel, kleine Stückchen Hammelfleisch, Hühnchen in langen, dünnen Fasern, Reis, eigenthümliche harte, holzige Schwämme oder Flechten, gekocht und mit dunkler Fleischsauce servirt, dünne Maccaroni, Hahnentöpfe und sieben verschiedene, gleichzeitig aufgetragene Suppen. Im Ganzen kamen etwa vierzig Gänge auf die Tafel, wozu jeder Gast zwei bis drei Näpfchen chinesischen Essig vertilgte, fünfzehn bis zwanzig Saki- becher heißen Reisbranntwein und einige Humpen Champagner trank.
Die Kaffern und Buschmänner betrachten die Heuschrecken, die in ungeheuren Schwärmen das Land überziehen, als Delicateffe. Sie rösten die Thiere schwach am Feuer und verspeisen sie, nur Hinterbeine und Flügel oder auch gar nichts übrig lassend, in unglaublichen Mengen. Brehm bezeichnet den Geschmack der Speise als widerlich — die Eingeborenen scheinen darüber anderer Ansicht zu sein. Als die Hauptnahrung der Muschilange — eines Negervolkes aus dem Innern des dunklen Welttheils — bezeichnet Wißmann einen Brei von Moniakmehl, „Bidia" genannt, sowie „Mussapu", ein zu einer Suppe verdünntes Hirsepuree, dazu werden als „Niama" (Zuspeisen und Fletsch) außer allen Arten von Fleisch gedörrte Raupen, Heuschrecken, Erdnüsse, Flugtermiten, Fische, Bohnen, Salz und rother Pfeffer gegessen.
Unsere Leser finden vielleicht vorstehendes Menu nicht besonders einladend, wenn sie aber die Wahl hätten, mit den Kamtschadalen oder den Muschilange zu essen, so würden sie ganz gewiß mit Vergnügen bei letzteren zu Tische sitzen. Die Haupt- und Lieblingskost der Bewohner Kamtschatkas besteht nämlich in stinkenden Fischen, welche man in Gruben aufbewahrt, worin sie nach unseren Begriffen stinkend, nach denen der Kamtschadalen aber sauer werden. Mit großem Appetite verzehren die Eingeborenen diese Fische, die in einem hölzernen Tröge mit glühenden Steinen gekocht werden. Sie sind gut
sauer, sagt der Kamtschadale, denn in Kamtschatka stinkt nichts, da wird Alles nur sauer. Menschen und Hunde genießen von dem entsetzlichen Fräße.
Bei einzelnen Stämmen Südamerikas sind Rind- und Schweinefleisch sowie einige Fischarten verpönt. Außer Wild- pret und Fischen bildet ihre Hauptnahrung das Cassababrod, das sie aus der in ihrem natürlichen Zustande giftigen Moniak- wurzel bereiten. Aus diesem Brode, das mit unserem Hafe'> mehlkuchen Aehnlichkeit hat, bereiten die Frauen das Lieblingsgetränk ihrer Männer, das Paiwari, und zwar aus folgende appetitliche Manier. Sie brechen etwas schärfer und brauner als sonst gebackenes Cassababrod in kleine Stücke und gießen kochendes Wasser darüber. Dann rühren sie es mit den Händen um, zermalmen die ganz gebliebenen Stücke mit den Zähnen, speien sie wieder in das Gefäß und überlassen das Ganze dann der Gährung, die durch diesen unsauberen Proceß bedeutend gefördert wird. Ebenso wird das Cassini, ein berauschendes Getränk aus süßen Bataten, bereitet.
Die Neuseeländer leben von Kartoffeln, Fischen, süßen Bataten, Schweinen, Mais und Farrnwurzeln Auch ihnen gilt Hundefleisch als Leckerbissen, ebenso den Bewohnern der Sandwichsinseln. Nach dem Berichte eines europäischen Reisenden, der mit Sr. Majestät dem König Kamehamea III. zusammen zu speisen die Ehre hatte — wobei der König mit den Fingern aß und mit seinen Stücken wie alle anderen Theilnehmer in die gemeinschaftliche Brühe tauchte — soll dieser Hundebraten ungefähr wie Schweinefleisch schmecken. Die zum Abschlachten bestimmten Hunde werden besonders gemästet und zwar mit ausschließlich vegetabilischen Stoffen. Trotzdem möchten unsere Leser sogar die Kost der Indianer Argentiniens noch vorziehen. Die Stämme der Pampas leben hauptsächlich von Pferdefleisch. Ein besonders geschätzter Leckerbissen sind Kuchen aus geronnenem, stark gepfeffertem Pferdeblut. Manche Wildsteaks bereiten sie dadurch zu, daß sie solche, wie es die Hunnen thaten, unter ihren Decken weich reiten.
Die Eskimos befinden sich wohl bei Seehundsfleisch und Thran. Cranz theilt einen grönländischen Küchenzettel mit, welcher folgende Gerichte aufweist: Gedörrte Heringe, getrocknetes, gekochtes, halbrohes, halbverfaoltes Seehundsfleisch - gekochte Alken, eine Art Seemöven; ein Stück von einem halbverfaulten Walfischschwanze — der Hauptleckerbissen, worauf die Gäste der Festgelage geladen werden; gedörrter Lachs, gedörrtes Rennthierfleisch; Confitüren mit Kräkebeeren, mit dem Magen von Rennlhieren vermischt- dasselbe Gericht mit Thran angemacht.
Unseren Gourmets wird bei der Lectüre schon ein halbes Dutzend Mal weh und übel geworden sein. Dessen ungeachtet haben wir die größte Delicateffe mancher Völkerschaften noch nicht einmal erwähnt. Der Braten, welchen diese unseren vorzüglichsten Schnitzel, unserem Rehbraten und Lendenbeefsteak weit vorziehen, ist nämlich — Menschenfleisch. Wem überläuft da nicht gleich ein gelinder Schauer? „So zart wie Menschenfleisch," sagt man auf den Fidschi-Inseln, wenn man etwas besonders Wohlschmeckendes bezeichnen will Manche Stämme auf den malayischen Inseln verzehren die Herzen gefangener Feinde mit einer pikanten Citronensauce. Kinderfletsch gilt als außerordentliche Delicateffe. Die Eingeborenen der Salomonsinseln unternehmen weite Kriegszüge, um sich dies ihnen über Alles gehende Genußmittel zu verschaffen. Einem Missionär, welcher den Bewohnern der neuen Hebriden ihre Unsitte verwies, antworteten diese naiv, daß Schweinefleisch gut für ihn sei, für sie aber passe Menschenfleisch. Wir könnten noch zahlreiche Beispiele der Vorliebe für besagtes Gericht anführen, wollen es indessen genug sein lassen, um unseren Lesern den Appetit nicht zu verderben- giebt es doch Menschen, in deren Gegenwart man während des Essens nicht einmal einer harmlosen Maus erwähnen darf.
Redaetiamr «. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in


