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mit den seinen zu berühren. Die großen, braunen Augen blickten ihn auch gar zu erstaunt an, als die Besitzerin der­selben jetzt klar und ruhig entgegnete:Lieber nicht, Vetter!"

Lieber nicht, Vetter!" wiederholte hell auslachend Fritz Malten, wenn ich es nun aber lieber doch thäte, Cousinchen?"

Ich weiß, Vetter, daß Du es nicht thuft, wenn ich cs nicht will." Und furchtlos blickte sie in die verlangenden blauen Augen über sich.

Da, ohne noch eine Wort zu sagen, gab er sie frei. Und während sie jetzt die fertige Blumenschale in das Zimmer trug, blickte er lange sinnend in das grüne Laubwerk des Gartens. Was war es nur gewesen, das ihn zurückgehalten, die Cousine trotz ihresnein" zu küssen? Denn bei jeder Anderen hätte er es gethan. Ja, was war es gewesen?

Immer wieder fragte er es sich, aber eine Antwort fand er nicht.

Ursel, meine liebe, kleine Ursel! Wie nett von Dir, mich von der Bahn abzuholen! O, wie freue ich mich, daß ich Dich wieder habe!" Und abermals schlang Cläre Brandt ihre Arme um die Freundin und drückte einen innigen Kuß auf deren Mund.

Fritz Malten, der mitgefahren war zur Bahn, stand währenddessen daneben und beobachtete mit sehr gemischten Gefühlen das Wiedersehen der beiden jungen Damen.

Hübsch war sie ja, diese Cläre! Vielleicht ein wenig zu viel der Fülle für ein junges Mädchen von achtzehn Jahren, doch die graziösen, elastischen Bewegungen ließen dies fast vergessen. Und das Gesicht! Mächtig interessant.

Aber zum Donnerwetter noch mal! Was nutzte ihm das Alles, wenn sie nicht bald aufhörte, die Ursel zu drücken und zu küssen. Angst und bange konnte einem ja werden, daß das große Frauenzimmer seiner kleinen Cousine ein Leid anthat, mit solcher Kraft und Ausdauer hielt sie dieselbe in den Armen. Na, Gott sei Dank, endlich wurde Ursel sreigegeben! Und jetzt wandte sich Letztere und machte ihn mit der Freundin bekannt.

I, du meine Güte! Sogar hier in der Einöde geht cs nicht ohne Lieutenants ab!" Kläre Brand rief es in fast erschrockenem Ton.Und ich hatte es mir so schön ge­dacht, mich mal so ganz allein mit meiner kleinen Ursel zu amüsiren."

Wahrhaft verblüfft starrte Fritz Malten für einen Augenblick in das hübsche Mädchenantlitz vor sich. So etwas war ihm doch wirklich noch nicht vorgekommen. Das von einer jungen, hübschen Dame, ihm, dem flotten Lieutenant Malten, der in Berlin stets bei allen Damen willkommen war! Na, warte, da gehört eine Antwort drauf, und sich förmlich verneigend, entgegnete er:Sehr verbunden, meine Gnädige! Ich wäre freilich auch mit meiner kleinen Ursel" er betonte die letzten Worten ganz besonders lieber allein geblieben, aber man muß sich ja in so Manches zurechtfinden, warum sollten wir"

Weiter kam er nicht, Helles Gelächter der Neuange­kommenen unterbrach ihn, und indem sie ihm die Rechte reichte, rief sie:Das war brillant gegeben/ ich glaube doch, wir werden uns verstehen. Also auf gute Freundschaft, nicht wahr?"

Vollkommen versöhnt schlug Fritz ein:Gewiß, gnädiges Fräulein, damit bin ich gerne einverstanden."

Und dasgnädige" heben Sie sich nur getrost für Berlin auf! Es paßt so gar nicht für's Land, habe ich immer gefunden. Hier heiße ich nur Fräulein Cläre."

Wie Sie befehlen, Fräulein Cläre," entgegnete lachend der Lieutenant. Das war ja ein famoses Mädel, eine richtige Berlinerin!

Jetzt hatten sie den Wagen erreicht. Nachdem die beiden Freundinnen Platz genommen, schwang Fritz Malten sich auf den Bock zu dem Kutscher und, diesem die Zügel abnehmend, rief er nach rückwärts:Ich möchte den beiden Damen Gelegenheit geben, sich gleich einmal gründlich auszusprechen."

Im Anfang widmete er sich ganz den Pferden, aber dann konnte er es doch nicht lassen, ab und zu auf das leise geführte Gespräch der Beiden da hinten zu horchen. Doch er verstand nur einzelne Worte. Erst als das Gefährt in den weichen, sandigen Landweg einbog, war es ihm mög­lich, dem Gespräch etwas mehr zu folgen.

Du bist ja so ganz anders wie früher, fehlt Dir etwas?" schlug jetzt ganz deutlich Cläres Stimme an sein Ohr:O nein, gar nichts, das kommt Dir nur so vor." Eine Weile Schweigen/ darauf von Neuem die Freundin zwar um Vieles leiser, aber doch noch verständlich: Ursel! Ursel! Was ist mir das mit Dir? Da drinnen hat doch wohl kein Militär Quartier genommen? Siehst Du, siehst Du! Du wirst ganz roth! Ach was, Unsinn! Das kann man ja da vorne unmöglich verstehen."

Und nun vernahm der Lauschende nur noch Flüstern und Kichern. Also roth war sie geworden/ ob sie ihm wirklich ein wenig gut war, die kleine Cousine? Ein glückliches Lächeln flog bei diesem Gedanken über das frische Gesicht des jungen Mannes. Es war doch ein merkwürdiges Gefühl zu denken, daß diese kleine Libelle ihm ein wenig gut war. Daß sein Herz ihr schon lange gehörte, darauf kam der Herr Lieutenant nicht. Und wie sollte er auch, sie war ja nun einmal so gar nicht nach seinem Geschmack!

Nun war Cläre Brandt schon drei Tage in Worklin. Im Umsehen hatte sie die Herzen von Papa und Mama Linde genommen.Ein Wettermädel, Deine Cläre," meinte Ersterer zu Uriel,und ein hübsches Mädel, die wird nicht mehr lange so herumlaufen." Ursel hatte nur schweigend mit dem Kopf dazu genickt. Das Herz war ihr so schwer, sie schwärmte ja selbst für die Freundin und hatte es stets für selbstverständlich gehalten, daß ihr alle Herzen in Liebe zuflogen. Und doch, ein Herz, nur ein einziges, hätte sie gar zu gern für sich behalten! Seit die Freundin in Worklin, war Alles so ganz anders geworden. Sie machten zwar nach wie vor Fußtouren, lustige Fahrten mit dem Ponnyfuhrwerk und Wafferpartieen auf dem kleinen See, aber es war doch schöner vorher, als sie mit dem Vetter allein gewesen. Jetzt unterhielt er sich ja eigentlich nur mit Cläre.Ein Witz jagte den anderen," wie diese sich in ihrer etwas burschikosen Weise ausdrückte, uud immer wieder er­scholl das herzliche Gelächter der Beiden/ natürlich stimmte sie dann schließlich auch mit ein, doch so recht von Herzen kam ihr das Lachen nicht.

Aber war es wirklich nur allein der Freundin Gegenwart, die Alles so verändert hatte? Nein, nein, sie wollte ehrlich gegen sich selbst sein, es war auch noch etwas Anderes! O, warum mußte der Vetter sie auch küssen, und warum hatte sie es sich ge> fallen lassen! Sie hatten alle drei Kahn fahren wollen, sie Ursel war noch schnell nach oben geeilt, um von ihrem Zimmer ein Tuch zu holen/ mit Sturmesschritten lief sie durch den Corridor, da plötzlich hatte sie der Vetter, wo der Corridor die Biegung machte, im Arm gehalten!Kleine Ursel!" flüsterte er zärtlich, und dann ruhten für einen kurzen Augenblick seine Lippen heiß und innig auf den ihren. O Gott! noch jetzt zitterte sie, wenn sie daran dachte. Recht zur Besinnung war sie eigentlich erst wieder gekommen, als sie mit Cläre durch den Garten dem kleinen See zuge­schritten war.

Und seit diesem Kuß war es ihr nicht wieder möglich, offen in die Augen von Vetter Fritz zu schauen. Er selbst war ja auch seit der Zeit ein Anderer geworden. Natürlich war es ihm peinlich, daß er es gethan hatte, jetzt, wo sich sein Herz daran zweifelte Ursula keinen Augenblick immer mehr ihrer Freundin zuwandte.

Heute, es war Sonntag, schaukelte unser Kleeblatt schon am Morgen auf dem Wasser herum. Ein köstlicher, stiller Frühlingstag! Kein Lüstchen regte sich, hell und klar spiegelte sich der blaue Himmel im See, und vom Ufer her sandte eine Nachtigall ihre sehnsüchtigen Töne zu den drei jungen, fröhlichen Menschenkindern int Nachen. Fröhlich?