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Esel zur Umkehr zu bewegen, so lange er in seinem Gefährten hier einen Rivalen erblickt."
„Ihre Angehörigen sind zurückgeblieben?"
„Leider so weit, daß man sie kaum noch erkennen kann! Ich hätte nie gegaubt, daß ein Esel so fabelhaft laufen kann!"
„Jetzt ist er die Sanftmuth und Trägheit selbst! s.hen Sie nur dieses Stillleben! ich glaube, wir haben es hiermit guten Freunden A la Castor und Pollux zu thun!"
Der Fremde wies mit amüsirtem Gesicht auf die beiden Esel, welche dicht voreinander, Stirn gegen Stirn gelehnt, regungslos standen.
„Gewiß, mein Herr! die Beiden gehörten ja auch zusammen!" lachte der Eseltreiber so fröhlich, daß seine weißen Zähne blinkten: „Hans und Grethe stehen in einem Stall und machen auch meist alle Partien zusammen! Wenn sie getrennt werden, faßt sie gleich der Jammer an, und ein paar Mal ist der Hans schon ganz weite Strecken zurück- galoppirt, um wieder bei seiner Alten zu sein!"
Man lachte, und der fremde Herr trat zu dem Genannten heran, ihm anerkennend den Rücken zu klopfen.
„Das ist brav! Auch ein Esel muß beweisen, daß es ein schönes Ding um die Treue ist! — — Sie befehlen wieder aufzusteigen, mein gnädiges Fräulein?"
Pia hatte Prüfend nach dem Sattel gefaßt: „Ich muß doch meine Angehörigen wieder erreichen!" sagte sie, mit besorgtem Blick die große Entfernung messend, welche zwischen ihr und den Niedecks lag. Der Treiber grinzte: „Der Hans dreht alleine nicht wieder um, Fräuleinchen! Daraufhin kenne ich den Satan schon!"
Pia blickte hilflos zu dem fremden Herrn empor und erglühte abermals unter dem Blick, welchen er auf sie richtete.
„Befehlen Sie, mein gnädiges Fräulein, daß wir mit Ihnen umkehren?"
„O, das wäre unbeschreiblich liebenswürdig!"
„Nee, nee, — da wollen wir nur erst gar nicht den Versuch machen!" wehrte der Treiber mit resignirter Geste. „Die Grethe drängt nach dem Stall — hat den Weg zweimal heute gemacht und ist müde. Zu Hause giebt's Futter, das weiß sie."
„Nun, versuchen wir's wenigstens! Wollen Sie wieder dem getreuen Hans die Ehre anthun und aufsteigen, gnädiges Fräulein?"
Pia schüttelte hastig das Köpfchen, ohne die Hand, welche der Sprecher ihr hilfreich darbot, zu berühren.
„Ich bin so weidlich durchgeschüttelt, daß ich vorziehe, ein Stückchen Wegs zu gehen!"
„Wie Sie befehlen! Nun vorwärts, — kehrt!"
Wohl ließen sich die Esel zwei Schritte zurücksühren, dann machten sie jedoch energisch Halt und strebten ihrer Heimath Rüdesheim zu.
„Die Canaillen thun's nicht, — und wenn wir sie tobt schlagen! So ein Vieh hat auch Character!" schmunzelte der Junge.
„Ich fürchte allerdings auch, meine Gnädigste, daß gegen diese Halsstarrigkeit selbst Götter vergebens kämpfen! Ich erlaube mir aber vorzuschlagen, daß wir ganz langsam unseren Weg fortsetzen und der Hoffnung leben, daß Ihre verehrten Reisegenossen etwas flotter zureitcn und uns einholen!"
Pia sah ein, daß ihr nichts Anderes zu thun übrig blieb. „Wenn Sie gestatten, mein Herr, daß ich mich unter Ihren liebenswürdigen Schutz stelle, mache ich gern von Ihrem Anerbieten Gebrauch !" sagte sie, sich gewaltsam zu der sicheren Ruhe zwingend, welche sonst ihrem Wesen eigen war.
Der Fremde verneigte sich mit vollendeter Eleganz. Einen Augenblick schien er zu zögern, — dann zog er mit schneller Bewegung abermals den Hut und klappte die Hacken zusammen.
„Forstassessor Carl Hellmuth —!" stellte er sich vor. Fräulein von Nördlingen neigte lächelnd wie eine Königin,
welche eine Ovation entgegennimmt, das Köpfchen, aber sie erröthete abermals bis auf den weißen Hals herab, als sie in ferne fragenden Augen sah.
(Fortsetzung folgt.)
Mittags- und Mitternachts-Schlaf.
Von Dr. med. F. Blauvac.
----— (Nachdruck verboten.)
KO. Nur allzu oft hört man im gesellschaftlichen Verkehr die Frage: „Schlafen Sie nach Tisch?" An normal gesunde Menschen sollte sie überhaupt nicht gestellt werden, denn nur alten, schwachen oder genesenden Personen ist ein kurzer Schlaf nach Tisch zu empfehlen. Haben sich nun aber gesunde Personen einmal daran gewöhnt, nach Tisch ein sogenanntes Verdauungsschläfchen zu halten, so darf dieses niemals über eine halbe Stunde ausgedehnt werden. Am besten wäre es schon, man legte allmälig diese Gewohnheit wieder ab, die für den Gesunden nicht nützlich ist, vielmehr höchst lästig wird, wenn einmal Geschäfts- oder Gesellschafts- Pflichten diesen Gewohnheitsschlaf unmöglich machen. Wie viele Personen haben auf Reisen diese Gewohnheit bitter büßen müssen, da sie derselben kein Genüge leisten konnten. Jeder Tagesschlaf ist für den gesunden Menschen nicht normal, nicht naturgemäß und nur nach außergewöhnlichen Anstrengungen ein natürliches Bedürfniß. Für Personen dagegen mit schwacher Verdauung oder schwachen Nerven ist der Schlaf nach Tisch oft eine Wohlthat, weil er das Verdauungsfieber lindert und die Nerven beruhigt.
Niemals halte man den Nachmittagsschlaf nicht sitzend, sondern nur liegend, doch nicht etwa im Bette, sondern auf dem Sopha und in den Kleidern.
Eine Hauptbedingung für die Erhaltung der Gesundheit ist die richtige Abwechslung zwischen Thätigkeit und Ruhe. Die Kräfte des Körpers und des Geistes können nicht immer angespannt fein; sie bedürfen periodisch der Ruhe und der Erholung. Das menschliche Gehirn ist es ganz besonders, welches in seinen hochwichtigen Functionen ermüdet und der Ruhe bedarf. Je mehr das Gehirn entwickelt ist, desto deutlicher unterscheidet man das Wachen vom Schlafen, während man beispielsweise bei den niedrigsten Thieren diese Zustände kaum oder gar nicht unterscheiden kann.
Der Schlaf ist für die gesammte organische Natur ebenso nothwendig wie die Ernährung, denn nicht nur die Thierwelt, auch die Pflanzenwelt schläft periodisch, weil sich nämlich im Schlafe lebenbedingende Prozesse vollziehen, welche während des Wachens nicht vor sich gehen können. Der große Gelehrte Max von Pettenkofer hat zuerst entdeckt, daß der Mensch während des Tages verhältnißmäßig mehr Kohlensäure ausscheidet, als die Sauerstoffmenge beträgt, die er in derselben Zeit aufnimmt und zur Ergänzung und Bildung der ausgeschiedenen Kohlensäure, die aus Kohlenstoff und Sauerstoff besteht, verbraucht.
Die unbedingt nothwendige Ausgleichung geschieht nun während des Schlafes, indem dann der Organismus nur halb so viel Sauerstoff verbraucht wie beim Wachen, dagegen doppelt so viel aufnimmt.
Auch bei den Pflanzen ist es so- wachen dieselben, so kehren sie die Oberfläche gegen das Licht, saugen Kohlensäure ein und athmen Sauerstoff aus. Schlafen sie aber, so saugen sie Sauerstoff ein; daher verbessern Pflanzen tagsüber im Wohnzimmer die Luft, in der Nacht dagegen nicht, deshalb sind sie im Schlafzimmer streng zu vermeiden.
So liegen also im Organismus selbst die Gesetze, welche den periodischen Schlaf fordern; denn das Schlafbedürfniß ist die Mahnung der Natur, daß die Zeit gekommen ist, wo das Mißverhältniß zwischen Verbrauch und Vorrath die äußerste Grenze gesunden hat.
Gegen den natürlichen Schlaf ankämpfen oder ihn auf ein Minimum beschränken zu wollen, das ist gegen die Natur,


