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ertraue Gottes Vaterhänden, Wenn er den frömmsten Wunsch versagt; Was hier beginnt, wird dort vollenden,
Wo Dir ein neues Leben tagt.
Es ruh'» im engen Raum der Zeit Die Keime Deiner Ewigkeit.
Tiedge.
Nur zwei Tugenden giebt's. O, wären sie immer vereinet, Immer die Güte auch groß, immer die Größe auch gut!
Schiller.
Der Majoratsherr.
Roman von Nataly v. Eschstruth.
(Fortsetzung.)
In dem sonnigen, noch unbelaubten Rebengang, welcher sich dicht am Rheinuser, gleichsam als terrassenartiger Garten des Gasthauses hinzog, hatte man ausgezeichnet dinirt, und je goldiger der schöne, echte Rheinwein in den gelben Gläsern funkelte, desto animirter ward die Stimmung der kleinen Gesellschaft. Fränzchens seliger Uebermuth kannte kaum noch Grenzen, und nur der ernste, erstaunte Blick aus Pias Veilchenaugen dämpfte immer noch die höchste Lustbarkeit und erstickte manch kleine Rüpelei in der Knospe.
Der Graf hatte zum Entzücken seines Töchterchens wirklich ein paar Maulthiere und Esel auftreiben lassen, um den Weg bis Rüdesheim im Sattel zurücklegen zu können.
„Gerade heute sei besonders starke Nachfrage nach Eseln gewesen!" hatte der Wirth schmunzelnd bemerkt, „mehr wie drei Stück, zwei Esel und ein Maulthier, könne er leider nicht beschaffen. Man einigte nun st i> sehr leicht dahin, daß die Gräfin mit Jungfer, Diener und Handgepäck im Wagen nachfahren solle, während Willibald das Maulthier und die beiden jungen Mädchen die Esel besteigen würden
Unter großem Jubel rüstete sich die kleine Cavalcade. Ein Herr hatte soeben schon — per Esel — denselben Weg eingeschlagen und Kränzchen drängte voll Ungeduld, daß der Ritt beginne. Die weiten Regencaps wurden genial zum Reirkleid arrangirt, die Eseltreiber hoben die Damen ver gnüglich in den Sattel, der Graf setzte sich auf sein geduldiges „Vollblut" und mit Erlaubniß Johannas setzte sich die kleine Gesellschaft bereits in Bewegung, diewiel die Equipage
später folgen und sie einholen sollte. Anfänglich, so lange noch die rechte Seite der Straße mit Häusern und Villen gesäumt war, ging die Sache ausgezeichnet.
Die köstliche warme Frühlingsluft wehte balsamisch um die erhitzten Wangen; fröhlich lachende Menschen begegneten ihnen und nickten heiteren Gruß und seitwärts strömten smaragdgrüne Rheinwogen, Schiffe und Schifflein tragend, blauen Himmel und buntbelebte Ufer spiegelnd.
Die Fahrstraße machte nun eine kleine Biegung und lag neben der majestätischen Breite des Stromes frei und geradeaus vor den Blicken.
Fernhin sah man zwei männliche Gestalten schreiten, — neben ihnen ein Esel.
Das Grauschimmelchen, auf welchem Pia Platz genommen, zuckte ein paarmal verdächtig mit den langen Ohren und hob jählings den Kopf, und während der Treiber harmlos mit seinen College» und Fränzchen plauderte, setzte sich Pias Reitthier plötzlich in stürmische Bewegung und galoppirte wie unsinnig davon. Alles rief und schrie.
Der Treiber raste athemlos hinterher, — Pia, eine geübte Reiterin, riß den Durchgänger so gut sie vermochte, zurück, — umsonst, der Esel legte sich starr, mit gestrecktem Halse vor und jagte haltlos weiter.
Weit zurück blieben die Anderen.
„Wir müssen doch folgen! spornen Sie unsere Thiere an!" rief Fränzchen erregt, daß ihre Stimme überschnappte, — haute mit aller Wucht auf ihr Grauchen und animirte den Papa, ein Gleiches zu thun.
Aber so störrisch wie Pias Esel sich im Durchgehen zeigte, ebenso hartnäckig verweigerten die anderen lieben Thiere eine schnellere Gangart.
Alles Stoßen, Schlagen, Zerren half nichts, im langsamen Trott ging es fürbaß, so daß Fräulein von Nördlingen bereits hinter dem Staubwölkchen weithin verschwand.
„Um Gotteswillen, es wird ihr ein Unglück passtren!" besorgte sich der Graf, und Fränzchen ward kirschroth vor Angst und Aufregung und drohte: „Ich springe ab und laufe zu Fuß hinter Lilian her!"
Der Eseltreiber kehrte resigniert zurück.
„Bitte, ängstigen sich die Herrschaften nicht!" bat er athemlos. „Der Hans läuft nicht weit! Er hat da vorn bei dem Herrn seine Grethe gewittert, und da muß er hinterher!"
„Seine Grethe? wer ist seine Grethe?"
„Der andere Esel, mit dem er in dem Stall steht, gnädiges Fräulein, die beiden gehen sonst immer zusammen.


