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aber heute ließ es sich beim besten Willen nicht machen! So ein Esel hat aber auch seine Treue und Anhänglichkeit, und ich glaube, der Hans schwämme schnurgrad durch den Rhein, wenn drüben seine Grethe schrie! — Na — jetzt hat er sie ja gleich erreicht! Das gnädige Fräulein hält sich großartig im Sattel, und wenn das Pärchen vereinigt ist, werden die anderen Herrschaften der Dame zu Liebe wohl auf uns warten!"
„Da vorn geht ein einzelner Herr neben dem Esel! nur ein Herr?"
„Jawohl, gnädiges Fräulein! er hat das Thier ge- miethet, um sein Handgepäck von ihm tragen zu lassen."
„Ein junger Herr? etwa einer mit langen, blonden Haaren, welcher wie ein Maler aussah?" stieß Fränzchen athemlos hervor.
„Nein, meine Dame — so sah er nicht aus, wenn ich mich recht erinnere; er war ein sehr großer, brünetter Herr in Jagdkleidung mit einem recht ernsten, stolzen Gesicht! Sicherlich hatte er Frau und Kinder daheim, denn für gewöhnlich benehmen sich die unverehelichten Herren ganz anders hier am Rhein, — dann schlagen sie mit Füßen und Händen um sich, so recht über die Stränge, wie man zu sagen pflegt!"
„Hm, — und das that jener da vorn nicht?"
„O bewahre! dem sah man den soliden Ehemann schon auf zehn Schritt weit an! da braucht sich die Herrschaft gar nicht zu besorgen! wenn das gnädige Fräulein bei ihm ankommt, dann wird ihm Fritze — was der andere Eseltreiber ist — schon die Sache von wegen Hans und Grethe klar machen, und wenn er dann Zeit hat, wird er schon Kehrt machen und die Dame zu uns zurückbringen!"
Fränzchen athmete erleichtert auf.
Wenn er ein verheiratheter Mann ist, so ist ja die Sache nicht gefährlich, und wenn er gar keine Aehnlichkeit mit dem frechen Maler hat, so braucht man sich wohl in der That nicht zu beunruhigen.
Graf Willibald schien die Sache nicht tragisch zu nehmen. Er schien sich sogar über die drollige Situation, in welche „Lilian Luxor" gerathen war, zu amüsireu, und die treue Liebe des Eselpaares gedachte er sogar noch zu belohnen, wie er soeben schmunzelnd sagte und sich dabei nach dem Leib- und Magenfutter des wackeren Hans erkundigte.
Da alles Prügeln, Raisoniren, Schmeicheln und Zureden nichts half, ergab sich Fränzchen schließlich auch in die Starrköpfigkeit ihres abgetriebenen Reitthieres, und beschränkte sich darauf, die kleine Seene, welche sich weit vor ihnen auf der Chaussee abspieite, so gut es ging mit ihren scharfen Augen zu beobachten.
//Jetzt ist sie angelangt!" eonstatirte der Treiber vergnüglich, und Graf Willibald nickte „All right!" was er als Mr. Luxor zeitweise zu thun liebte!
Capitel 15.
Was reitest Du einsam durch den Wald? Der Wald ist langl — Du bist allein--
Du schöne Braut, ich führe Dich heim!
Eichendorfs.
Als sich das Grauschimmelchen so überraschend in Bewegung setzte, glaubte Pia es mit einem gewohnheitsmäßigen Durchgänger zu thun zu haben, welcher erst eine tüchtige Extrapromenade machen muß, ehe es ihn wohlgesittet in den Reihen seiner Genossen duldet.
Da der Esel keine Lust zu besonderen Extravaganzen zeigte, weder ausschlug noch den Cours seitwärts in den Rhein ober Feld und Wald nahm, sondern mit zurückgelegten Ohren nur Pfeilgeschwind auf ebener Chaussee geradeaus jagte, wollte Pia ihn nicht in dieser Belustigung stören, sondern berechnete bereits voll Humor, wie viel früher sie in Rüdesheim eintreffen würde, als ihre Reisegenofsen.
Sie hielt sich, so gut es gehen wollte, im Sattel, riß
den Hut, welcher verschiedentlich zu fliegen drohte, vom Kopf und hielt ihn mit den Zügeln fest in der Hand.
Die blonden Löckchen wehten im Luftzug wie ein Glorienschein, und der Haarknoten am Hinterkopf, welcher auf so ein Wettrennen nicht berechnet war, löste sich mehr und mehr und sank immer schwerer in den Nacken, bis die großen hellgelben Hornnadeln herausflogen und das Haar gleich einem schimmernden Goldmantel über den Rücken herabrollte.
Das junge Mädchen konnte es nicht verhindern. Ihre Hände waren in Anspruch genommen und ein Toilettemachen bei diesem Tempo nicht möglich. Ein Paar Weinbergsarbeiter, welche ihr entgegenkamen, blieben mit weit aufgerissenen Augen stehen und starrten die seltsame Erscheinung an.
Da aber die Reiterin weder um Hilfe schrie, noch ein ängstliches Gesicht machte, so glaubten sie sich nicht berechtigt, diese wilde Jagd aufzuhalten.
Ein paar Wagen rollten ihr entgegen.
Kutscher und Insassen wandten überrascht die Köpfe und starrten der Amazone nach, welche wie ein Märchenbild an ihnen vorübersauste. Und nun sah Pia dicht vor sich ein anderes Eselchen, welches langsam und geduldig ein wenig Handgepäck schleppte, dessen Eigenthümer sicherlich der große, schlanke Herr war, welcher leichtfüßig zur Seite schritt.
Ein halbwüchsiger Junge, der Treiber, trottete gemächlich hinterher, sich damit amüsirend, einen ersten Maikäfer am Schwänze des Grauschimmelchens auf und ab klettern zu (affen.
Dabei pfiff er vergnügt ein kleines Lied und wandte sich erst neugierig um, als der harte, eilige Hufschlag dicht hinter ihm erklang.
„Hurrah! Der Hans!" schrie er mit schallendem Gelächter auf, und der Herr, welcher vor ihm schritt, wandte nun ebenfalls überrascht den Kopf. Schon sauste Pia heran. — Zu ihrem Staunen ging es aber diesmal nicht wieder in voller Fahrt an dem Trio vorüber.
Der Esel stoppte plötzlich ab, — stieß einen heiseren Schrei triumphirender Freude aus und drängte sich im nächsten Moment so gesühlsinnig an den anderen, langohrigen Genossen an, daß Pia bei dem jähen Ruck doch noch das Gleichgewicht verloren hätte und aus dem Sattel geschleudert worden wäre, wenn der fremde Herr nicht in schnellem Sprung an ihrer Seite gestanden und sie schützend in den Armen ausgefangen hätte.
Dieser unerwartete Wechsel des Tempos hatte die junge Dame unangenehmer berührt, wie der ganze Ritt.
Einen Augenblick drehte sich Alles im Kreise vor ihren Blicken, — nach Äthern ringend, preßte sie die Hände momentan gegen die Schläfen und ihr Köpfchen sank schwer gegen die Schulter des Fremden zurück.
Aber nur secundenlang währte die Betäubung, dann richtete sie sich hastig empor und blickte voll reizender Verwirrung zu ihrem Beschützer auf. '
Auge ruhte in Auge und es war, als läge eine unsichtbare, geheimnißvolle Macht in diesem Blick, welcher so fest und aufleuchtend hastete, als habe er in ganz Fremdem plötzlich etwas nahe Verwandtes, längst Bekanntes entdeckt.
Pia ward dunkelroth und stammelte sehr verlegen ein paar Worte des Dankes, der Fremde aber zog höflich den Hut und lächelte.
„Ich erachte es als einen ganz besonderen Vorzug, mein gnädiges Fräulein, Ihnen dienen zu können! Sie hatten das Mißgeschick, einen sehr ehrgeizigen Vollblüter zu besteigen, welcher seinen kleinen Collegen hier nicht vor sich sehen wollte! Wie bedauere ich, die unschuldige Veranlassung zu Ihrem beschleunigten Ritt durch meinen Gepäckträger gegeben zu haben!"
Pia strich noch immer fassungslos die verwehten Goldlöckchen glatt. — „Ah, nun begreife ich erst die Ursache meines Wettrittes und fürchte, es wird schwer Halten, den


