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personal eilte mir zu Hilfe, trennte mich durch ein Spiel­gitter von den übrigen Bestien, die Miene machten, über mich herzufallen. Von allen Seiten mit Picken und Eisenstangen angestoßen, ließ die Bestie los und flüchtete verwundet in eine Ecke. Ich hatte noch die Kraft, mich aus dem Käfig zu retten. Ich stützte mich auf meinen Burschen. Wie war ich zugerichtet. Halb ohnmächtig hing ich in den Armen meiner Retter. In diesem Augenblick erschien mein Weib, strahlend schön in ihrem sommerlichen Kleid, in der Manege. Erschreckt eilte sie auf mich zu, doch ich wehrte ihr und schleu­derte ihr die Worte zu:Dein Rachewerk ist Dir gelungen, gleißende Schlange. Geh' mir aus den Augen . . . fort, fort!" Sie faßte mich scharf, todtenbleich in's Auge- da schwanden mir die Sinne . . ."

Aufseufzend unterbrach Don Alonso seine Erzählung und ein quälendes Nervenzucken entstellte minutenlang sein bleiches, interessantes Gesicht. Ich gewährte ihm Ruhe, aber ich hatte mich entschlossen, die Erzählung des Unglücklichen noch heute zu Ende zu hören, um ihn als Freund freizusprechen von Schuld und Sühne- war mir doch schon jetzt klar, daß mein Client unschuldig an dem Tode seiner Frau und daß der Mord ein eingebildeter war, der von keinem irdischen Richter jemals erwiesen werden könnte.

V.

Ich weiß nicht, wie lange ich bewußtlos lag," fuhr mein Client nach einer Pause in seiner Erzählung fort.Ich fand mich im Krankenhaufe wieder. Man hatte an mir herumgedoctert mit Messer und Nadel. Ich war verkleistert wie ein Papierdrache und sah aus wie ein Wickelkind. Die Schmerzen achtete ich gering - ich dachte blos Uber mein Ge­schick nach und war bestrebt, gerecht zu sein. In qualvollen schlaflosen Nächten überlegte ich Alles, ich ließ jede Kleinigkeit Revue passiren, und immer war das furchtbare Faeit, der Schluß meiner Reflexionen und Prüfungen: Dein Weib hat den Panther auf dich abgerichtet. Sie erschien im Hospital, um mich zu sehen, wahrscheinlich, um sich an meinen Qualen zu weiden. Ich ließ ihr sagen, daß ich nicht bei Laune wäre, sie zu sehen. Sie kam trotzdem wieder, und wieder wies ich sie ab. Oh, mein Herr, wenn Sie wüßten, wie ver­bitternd ein solches Schmerzenslager ist, wie oft ich über mein Unglück und ihr Verbrechen jammerte, Sie hätten be griffen, daß ich, ohne zu hören, richtete. Ich hätte sie nicht sehen, nicht sprechen können- ich haßte sie mit aller Gluth meiner leidenschastlichen Seele und hatte keine Lust, mir eine heuchlerische Rührseene vorspielen zu lassen und meine Ueberzeugung dem Comödiantentalent einer Weiberthräne anszn- setzeu. Sie mußte mich ja aufsuchen, das war nur eonventionell. Was hätte die Welt gesagt, hätte sie es nicht gethan. Die Wittwe besucht das Grab des verstorbenen Gatten so lange, bis sie sich zu Hochzeitsschüsseln rüstet. Der Pfiff gellte mir in den Ohren und in meiner Seele gährte es fortwährend: Sie hat dreifach schlimmeren Sinnes gegen Dich gehandelt, indem sie Dich aus eine Art zu tobten suchte, die unerreich­bar ist für den irdischen Hüter der Gesetze und der Moral." Diese Stimme hatte recht, denn giebt es einen Gott, der duldet, daß sein Gewissen, das er zum Hüter und Berather in uns setzt, lügt? Nein, nein, nein! Mein Gewissen war meine Ueberzeugung und meine Ueberzeugung sprach die Wahrheit. Auf meinem Schmerzenslager hatte ich ja Zeit und Muße, über Alles nachzudenken. Der Panther war auf den Pfiff zum Angriff dressirt, das ist zweifellos. Und Con- snela hatte ihn gegen mich dressirt. Sie haßte mich und wollte sich an mir rächen für die Schmach und Unbill, die ich ihr angethan. Nach langem qualvollen Ueberlegen be­

schloß ich, mich durch eine Probe zu überzeugen. Nach acht Tagen theilte mir ein Bekannter, der mich besuchte, mit, daß meine Frau mit den Thieren nach Deutschland abgereift wäre. Diese Nachricht traf mich wie ein Donnerschlag, aber ich hatte in der Schule des Lebens gelernt, mich zu ver­stellen. Und so sagte ich denn dem Freunde:Ich weiß,

ich weiß. Sie giebt dort einige Vorstellungen und trachtet, die Thiere zu verkaufen."Das ist auch das Beste," meinte mein Freund.Sie sind ja reich genug und haben nicht nöthlg, um des Beifalls der Menge willen die Gefahr auf« zusuchen. Der Himmel hat Sie gewarnt, genießen Sie die Lehre." Wenige Tage darauf empfing ich einen kalten, form« liefen Brief meiner Frau, in dem sie mir anheimstellte, die gerichtlichen Schritte zur Trennung unserer Ehe einzuleiten. Kein Wort der Entschuldigung, nicht ein Buchstabe, der mir irgend eine Emotion der Schreiberin verrathen hätte, jedes Wort wie gemeißelt. Dieser Bries verzögerte meine Heilung um mehrere Wochen. In dieser furchtbaren Stunde schwur ich, sie zu bestrafen, sie mit derselben Waffe zu schlagen, die sie gegen mich gebraucht hat. Ich bin Spanier und mehr wie bei jedem anderen Volke der Erde gilt bei uns der Grundsatz: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Als ich ans dem Hospital als geheilt entlassen wurde, reifte ich sofort nach Deutschland- ich eilte, sie zu suchen, zu bestrafen, zu vernichten. In Berlin erfuhr ich ihre Adresse. Und so reiste ich denn hierher. Dreimal wohnte ich der Vorstellung bei, ohne die Probe mit dem Pfiff zu wagen, ich wußte ja, daß er ihr Tod sein würde. Am vierten Tage endlich fand ich den Muth. Ich pfiff- kaum hatte der Panther, beffen Wun« ben inzwischen geheilt waren, ben Pfiff vernommen, so stürzte er sich wüthenb auf seine Herrin. Was bann geschah, ist Ihnen ja bekannt."

Ich nickte mit bem Kopse unb meinte bann:Sw finb also ber festen Meinung, Don Alonso, baß einzig unb allein ber Pfiff bie Ursache war, baß sich ber Panther auf Ihre Frau stürzte!"

Ich bin es," entgegnete er bestimmt.Der Pfiff war für bie Bestie bas Signal, sich auf mich unb später auf sie zu stürzen."

Ihre Meinung wirb für ben Richter nicht maßgebenb jein, vielmehr wirb jeher vernünftige Richter eher geneigt fein, an eine fixe Jbee zu glauben. Der Panther ist tobt unb Ihre Frau ist bestattet Die Zeugen unb ber Beweis einer solch' mörberischen Dressur fehlen. Man kann Ihnen nichts beweisen und bars Ihren Worten nicht glauben."

Fast entsetzt starrte er mich an- mit betben Hänben wehrte er sich gegen meine Beweisführung. Er wollte ber« urtljeilt werben, zum Tobe, rief er ein über bas anbere Mal, beim bas Leben habe keinen Reiz mehr für ihn. Ich hatte Mühe, ihn zu beruhigen. Schnurstracks eilte ich aus ber Zelle zum Untersuchungsrichter, bem ich bie Erzählung bes Gefangenen preisgab.

Der Mann leidet an einer fixen Idee- ich werde ihn durch einen Irrenarzt beobachten lassen."

Nach acht Tagen schon fällte der Arzt das Unheil. Der Gefangene leide an ungefährlicher Monomanie. Seine fixe Idee sei eben der Mord. Unter diesen Umstünden konnte natürlich von der Erhebung einer Anklage keine Rede sein­es war mir also ein Leichtes, seine Freilassung zu erwirken. Er war wie aus den Wolken gefallen, als ich ihm seine Freiheit ankündigte. Willenlos folgte er mir nach Erledi­gung der Entlaffungsformalitüten in ein Restaurant, wo ich ihn zu Gast lud. Ich bat ihn, seine Gedanken der Tragödie abzvwenden und dem einsamen Leben wie ein Mann die beste Seite abzugewinnen.

Melancholisch lächelnd gab er mir das verlangte Ver­sprechen. Nur halb beruhigt, trennte ich mich von ihm. Meine Besürchtungen sollten nur zu bald sich bewahrheiten. Auf dem Grabe seiner Frau fand man am nächsten Morgen die Leiche des Unglücklichen. Er hatte sich erschossen. Der Revolver lag neben ihm und in seiner Tasche fand sich ein Brief an mich vor, ber nur bie Worte enthielt:Lieber Freund! Da die Menschen mich nicht richten können, strafe ich mich selbst. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Alonso be Melio."

Ties erschüttert weinte ich bem Aermsten eine Thran? nach. . . . ________________