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Redaclion: 8L Scheyda. Druck und «erlag der Brübl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) in ließen.

VevnMehtes.

Keine lange« Tamenkleider mehr! Aus Gothen­burg wird berichtet: Der schwedische Kleiderreformverein hatte zu einer außerordentlichen Versammlung eingeladen, welche im Local des Stockholmer ärztlichen Vereins abgehalten wurde und die Frage discutiren sollte, was zu thun wäre, um die Damen zu veranlassen, ihre gar zu langen Röcke und Unter­röcke bedeutend zu kürzen. Der große Saal war eine ganze Stunde vor Eröffnung der Verhandlungen bis zum letzten Platz besetzt und viele Hunderte Herren und Damen mußten

draußen stehen bleiben. Nach einigen einleitenden Worten des Dirigenten, Herrn Dr. Laurent, bestieg Frl. Cederblom den Rednerstuhl, um darauf hinzuweisen, daß die schleppenden Röcke im höchsten Grade gesundheitsgefährlich und dazu recht unästhetisch sind- dieSpitzen" der Gesellschaft müssen den Anfang machen, dann werde die Reform sich schnell und ohne besondere Schwierigkeiten durchführen lassen. Eine zweite Rednerin sprach die Hoffnung aus, die Herren würden den Reformbestrebungen ihre werthvolle Unterstützung angedeihen lassen, denn soweit der Rednerin bekannt, hätten die Herren gewöhnlich nichts Besonderes dagegen, einen hübschen Damen­fuß zu sehen. Eine ältere Dame meinte, daß es den Damen, welche mit sehr breiten oder sehr langen Füßen ausgestattet sind, erlaubt sein sollte, lange Röcke zu tragen, sonst könnte man aber die Röcke ganz wohl um zehn Centimeter kürzen. Ein anwesender alter Offizier erklärte, daß er aus ganzem Herzen dem Vorschlag der Vorrednerin beistimme.Ein Frauenrock braucht wirklich nicht mehr als zehn Centimeter lang zu sein." Erst durch das schallende Gelächter der Ver­sammlung wurde der alte Herr auf das kleine Mißverständniß aufmerksam gemacht. Die Versammlung nahm schließlich ein­stimmig eine Resolution an, welche von Herrn Oberst v. Koch vorgeschlagen wurde und dahin lautete, daß die Röcke der Frauen und Mädchen zehn bis zwölf Centimeter vom Fußboden abstehen müßten. Alle anwesenden Damen versprachen dieser Resolution Gehorsam zu leisten. Schließlich zeigten sich der animirten Versammlung einige hübsche junge Damen im Resolutionskleid".

Literarisches.

Di« Deutsche« «tutguugskriege. Jllustrirte Kriegschronik der Jahre 1864, 1866 und 1870/71. Von Victor v. Strantz. Zweite, vermehrte Auflage. Eine Festgabe zur Feier des hundersten Geburts­tages Kaiser Wilhelms I. Mit authentischen Illustrationen, Porträts, Karten, Plänen und einem Anhang: Thaten und Phrasen im deutsch- französischen Kriege 187071. In Halbleinenband 7 Mk. 50 Pfg.; in Prachtband mit Goldschnitt 9 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Am kommenden 22. März kehrt zum hundertsten Male der Tag wieder, an dem der nachmalige ruhmgekrönte erste Kaiser des wieder­erstandenen Deutschen Reiches im Schlosse zu Berlin geboren ward. Wie könnte wohl das Andenken an diesen Fürsten, der von frühester Jugend auf Soldat mit Leib und Seele war, besser gefeiert werden als in der Rückerinnerung an die drei glorreichen Wasfengänge des von ihm reorganisirten Heeres gegen Dänemark, Oesterreich und Frankreich. Die Feuerprobe bestand Die Neuschöpfung des weit in die Zukunft voraus­blickenden Herrschers im dänischen Kriege, der über Düppel und Alfen zur Befreiung der Herzogthümer Schleswig-Holstein von der dänischen Herrschaft führte und damit der erste bedeutsame Schritt zur Wieder­aufrichtung des sechs Jahrzehnte vorher in Trümmer gegangenen Deut­schen Reiches wurde. Schon zwei Jahre später folgte die blutige Aus­einandersetzung mit dem Kaiserstaate an der Donau; nach einem Feld­zuge von acht Tagen hatte unter dem persönlichen Oberbefehl König Wilhelms I. das gewaltige Ringen bei Königgrätz das Schicksal der Armee Benedeks besiegelt. Der Ausschluß Oesterreichs von der nun er­folgenden Neugestaltung des staatlichen Lebens in Deutschland ließ den Norddeutschen Bund unter der Leitung des Hauses Hohenzollern erstehen, während mehrfache Schutz- und Trutzbündnisse die Stämme Süddeusich- lands für die Stunde der Gefahr an die Seite der norddeutschen Brüder riefen. Und nur zu bald kam diese Stunde; in den heißen Augusttagen bei Weißenburg, Wörth und Spicheren, sowie den blutigen Kämpfen um Metz wurden die Heere des kaiserlichen Frankreich zum Rückzug gezwungen. Nach der Schlacht bei Sedan überreichte Swler Napoleon III im Schlößchen Bellevue bei Frenois dem siegreichen König Wilhelm seinen Degen und kam nebst der ganzen Armee Mac Mahons in deutsche Kriegsgefangenschaft. Unter dem Donner der Ge­schütze vor Paris, das die deutschen Armeen seit Monaten eingeschloffen hielten, erfolgte die Proclamation König Wilhelms zum deutschen Kaiser, der endlich erkämpfte Friede brachte Elsaß und Lothringen an das z> neuem Glanze erstandene Deutsche Reich zurück. Diese drei deutfche Einigungskriege mit der ganzen überwältigenden Wucht ihrer roei- historischen Ereignisse schildert in ebenso knapper, als klarer und in? - voller Darstellung das vorliegende Gedenkbuch, belebt von zahwerchen Darstellungen, die des Künstlers geübte Hand in jenen schicksalsschwer Jahren unter dem unmittelbaren Eindruck der erschütternden ^rschey>>w schuf. Wort und Bild bringen den Mitkämpfern, Mitlebenden und M )- geborenen jener unvergeßlichen Zeit die längstvergangenen ^®9e/ noch die ehrwürdige Heldengestalt Kaiser Wilhelms I. die i,eutl(9 Heere von Sieg zu Sieg führte, mit wahrhaft plastischer Wirkung das Auge.

Leine Moral wird nicht zulaffen, daß Du es jetzt begehrst, wo es einem anderen gehören soll, dem Du Achtung und Dankbarkeit schuldest .... von dem überdies Deine Existenz abhängt.... Denn mein Sohn, wenn Du mich hintergingest" .

Bitte, beleidige mich nicht, Onkel!"

Der Assessor erhob sich von seinem Platze.

Schon gut, Hitzkopf," begütigte der Major indessen. Also abgemacht! An Geld soll Dir's in Meran nicht fehlen. Du reisest morgen. Lotte und ihre Mutter treffen in wenigen Tagen dort ein. Und dann wirst Du den Damen stets viel Eures von mir erzählen, verstanden? Die Kleine soll keine Angst haben, mir mein einsames Alter zu verschönen."

Ein wohliges Schmunzeln verklärte Onkel Diefenbachs gutmüthiges Gesicht.

Da übermannte Willy das Komische der Situation der­maßen, daß er in schallendes Lachen ausbrach.

Das war einfach gottvoll!

Er hatte alle möglichen Rollen den Frauen gegenüber gespielt, aber die als quasi väterlicher Beschützer noch nicht. Das mußte ja bildend für seine ganze Zukunft wirken. Dabei alles um diese kleine Lotte! Wer hätte das gedacht! Das konnte niedlich werden! Jedenfalls ganz amüsant

Und nunmehr völlig versöhnt mit der nächsten Zukunft, versprach er seinem Onkel alles mögliche Gute.

Am anderen Tage bereits dampfte er ab nach Meran, um seine Mission zu erfüllen.--------

Eine Woche später erhielt Major Diefenbach die erste Nachricht von seinem Neffen. Per Postkarte meldete er die Ankunft der Damen an, die sich gefreut hätten, ihn in Meran zu treffen.

Dann kamen so nach und nach alle drei Tage beinahe Postkarten an, die von gemeinsamen Spaziergänge« und Spielen berichteten. Sie erzählten immer sehr viel von Lotte, die munterer und netter denn je wäre.

Doch plötzlich hörten diese Mittheilungen völlig auf.

Der Major entschloß sich zu einer Nachfrage bei seinem Neffen.

Ganze vier Wochen mußte er auf das Antwortschreiben warten, dessen Inhalt ebenso seltsam wie überraschend war:

Lieber Onkel," begann der Brief,enterbe mich meinet­wegen .... hasse mich verachte mich.....ich

konnte nicht anders. Ich habe mich mit Lotte verlobt. Sie ist das entzückendste Wesen der Welt. Vielleicht vermagst Du sie leichter zu vergessen .... Ich könnte ohne sie nicht leben. Jetzt erst erkenne ich Liebe! Ich habe gekämpft wie ein Held, um der Gefahr zu entrinnen, um nicht nach dem Verbotenen zu greifen .... Aber es half nichts. Sie liebt mich wieder! Ich bin glücklich! Dein unwürdiger Neffe.

Onkel Diefenbachs Erwiderung erfolgte umgehend. Ec überbrachte sie seinemunwürdigen Neffen" sogar persönlich und sie fing ungefähr folgendermaßen an:

Du Schlingel Du Schwerenöther daß Du so leicht in die Falle gehen würdest, hätt' ich doch nicht gedacht! Schwer genug hast Du mir's gemacht, Dich unter den Pantoffel zu bringen Ja ja, nur hoch hängen muß man die Trauben .... und zwar sehr hoch! Na, meinen Segen, Kinder!"