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Redactioiu 8L Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch-- und Steindruckerei (Pietsch & ScheYda) in Gießen.
Literarisches.
Ein eigenartiges Preisausschreiben für deutsche Hausmusik erläßt die bekannte illustrirte Familienzeitschrift „Zur Guten Stunde" in ihrem neuesten Hefte (Berlin W., 57. Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.), um dem künstlerischen Schaffen auf diesem Gebiete eine neue Anregung zu geben. Zwei originelle Themata sind zur Bearbeitung gestellt und zwar: 1) „Eine Rheinfahrt", 2) „Eine Donaufahrt". Für die beste Lösung einer jeden dieser beiden Aufgaben ist je ein Preis von 300 Mk. in Baar ausgesetzt Die eingesandten Arbeiten sollen bisher unveröffentlichte Original-Comyositionen deutscher Tondichter sein .und einen Umfang von 31/2 Seiten „Zur Guten Stunde" nicht überschreiten. Für mittlere Clavierspieltechnik berechnet, müssen sie die Eigenthümlichkeiten der genannten Flüsse, wie sie im Volksbewußtsein leben, durch eine characteristische Musik illustriren und zw ar in Original-Melodien, während Potpourris gänzlich ausgeschlossen sind. Dagegen sind Anklänge an Volkslieder erlaubt, sofern diese nicht als herrschende Melodien, sondern nur als Episoden auftreten. Die mit einem Motto versehenen Arbeiten sind unter Beifügung eines mit demselben Motto bezeichneten verschlofle- nen Couverts, welches die Adresse des Verfassers enthält, bis zum 1. November d. Js. an die Redaction „Zur Guten Stunde", BerliniW. 57, Potsdamerstraße 88, einzureichen. Die Entscheidung erfolgt bis zum 1. Januar 1898.
| die ihren Jungen in hohem Grade zugethan ist. Die Elstet brütet mit großem Fleiße sieben Junge aus, die von beiden I Eltern mit passender Nahrung reichlich versorgt werden.
Vater und Mutter lieben ihre Kinderschaar ganz ungemein und verlassen dieselben nie. Ich habe darüber von einem I höchst glaubwürdigen Oberförster im Odenwald vernommen, I daß nach dem ersten Schuß, den er auf ein Elsternest abgab, worin das Weibchen auf seinen noch kleinen Jungen saß, dasselbe in die Höhe flog, aber nach wenigen Minuten nahm es wieder Platz auf seinen armen Kindern. Als nach dem dritten Schuß die Elster sich nicht wieder erhob, kletterte ein Holzmacher auf den Baum und holte die liebevolle Mutter mit ihren Kindern tobt aus dem Neste. Wie unendlich lieb die Elster ihre Brut haben muß, geht doch wohl aus diesem Benehmen klar und deutlich hervor.
Die kleine, liebliche Klappergrasmücke, auch Müllerchcn genannt, darf in obiger Beziehung hier nicht übergangen werden. Das Müllerchen macht jährlich zwei Bruten und füttert dieselben vom frühen Morgen bis zum späten Abend so fleißig mit Kerbthieren, daß es gar keine Zeit mehr hat, sein klapperndes Liedchen in Zäunen und Büschen erschallen zu lassen. Wie listig, so erzählt Lenz in seiner berühmten Naturgeschichte, sich auch dieses Vögelchen verstellen kann, wenn es auf die Rettung seiner Brut ankommt, geht aus folgender Thatsache hervor: „Der Obermedicinalrath Buddeus bemerkte eines Tages auf einem dichtbelaubten Baume seines Gartens ein Müllerchen und betrachtete es aufmerksam. Da schien das Thierchen plötzlich krank zu werden, begann zu schwanken, fiel endlich wie tobt gerabe herab in bas Gras. Er sprang zu, es zu nehmen, ba raffte es sich mühsam auf unb flüchtete langsam flatternb vor ihm her in ein Gebüsch. Als er von ber Verfolgung zurückgekehrt war, untersuchte er beit Baum genauer unb fanb ba brei kaum ausgeflogene, junge Müllerchen ruhig auf einem Aestchen sitzenb. Die Mutter hatte sich nur verstellt unb gethan, als ob sie stürbe, um den Feind von ihren lieben Kindern abzulocken. Am folgenden Tage suchte der Medicinalrath das Müllerchen wieder aus/ es stürzte wieder genau wie am vorigen zu Boden und flatterte dann vor ihm her. An den nächstfolgenden Tagen berief er einzelne Freunde, das Wunder mit anzusehen, und es wiederholte sich regelmäßig." Da diese rührende Erzählung nicht allgemein bekannt sein dürfte, deshalb habe ich dieselbe hier nochmals ausführlich mitgetheilt.
Ich könnte noch weitere Beispiele der obigen Art anführen, allein da dies die Spalten dieses Blattes überschreiten würde, so schließe ich mit dem sehnlichsten Wunsche, daß allen Kindern der Menschen eine gleiche Liebe und Sorgfalt von Seiten ihrer Eltern entgegengebracht werden möchte.
Gießen, im August 1897. Curschmann, Lehrer i. P.
Ihres geschätzten und weitverbreiteten Blattes sich sehr für die liebliche Vogelwelt interessiren, so bitte ich Sie freundlichst, nachfolgende Beispiele, die sicherlich von wahrhaft rührender Liebe der Vögel für ihre Jungen Zeugniß ablegen, zum Abdruck bringen zu wollen.
Voran stelle ich, was Brehm in dieser Beziehung von der Auerhahn-Mutter erzählt: „Sind die Jungen aus dem Ei geschlüpft, so laufen sie nach Verlauf einiger Stunden, nachdem sie gehörig abgetrocknet, mit der Mutter weg und werden von jetzt an mit einer ungewöhnlichen Liebe und Sorgfalt behütet. Es ist rührend, zu sehen, wenn man so unverhofft unter eine Kette kommt, mit welchem Angstschrei und Lärm die Alte Einen empfängt. Im Nu sind alle Jungen verschwunden und sie wissen sich so gut zu verstecken, daß es wirklich schwer hält, eins von ihnen zu entdecken. Traurig sieht es mit einer Kette aus, wenn der böse Fuchs mit seiner unfehlbaren Nase dahinter kommt Jedoch recht oft glückt die List der Mutter, immer drei bis vier Schritte vor dem Fuchs dahin zu laufen oder dahin zu flattern, sich zu stellen, als wäre sie an den Flügeln gelähmt, und dadurch den Fuchs aus dem Bereiche der geliebten Jungen zu führen/ sie fliegt dann plötzlich auf, streicht nach dem Platze, wo sie zuletzt ihre Jungen ließ, und giebt durch wohlbekannte Töne „Gluck, gluck" kund, daß die Gefahr vorüber ist, worauf sie sich mit ihnen in entgegengesetzter Richtung eiligst auf und davon macht."
Auch die Störche verdienen gewiß in obiger Beziehung erwähnt zu werden, und schon zu der Zeit, als ich Schul- vicar in Monsheim war, hatte ich Gelegenheit, ein Storchenpaar jahrelang, das sich auf dem Hause meines Schwagers I Brand in WormS angesiedelt hatte, genau zu beobachten. Wenn diese Klapperstörche von ihrer Südreise zurückgekehrt waren, so begannen sie gemeinschaftlich sogleich nach ihrer Ankunft mit der Ausbesserung des Nestes, wozu sie etwa zwei bis drei Tage nöthtg hatten, und wenn nach etwa 30 bis 31 Tagen die Jungen aus dem Ei geschlüpft, so entfalteten die beiden Eltern eine unendlich große Liebe und Sorgfalt für dieselben. Einer von den beiden Störchen bewachte stets das Nest, beschützte und beschirmte die Jungen, I vertheidigte diese, wenn ihnen Gefahr drohte, höchst tapfer und muthig und setzte dabei sogar das eigene Leben aus's Spiel. Daß ihre Liebe wirklich so weit geht, darüber wird uns in verschiedenen Lesebüchern eine wahrheitsgetreue Geschichte aus Holland erzählt. In einem Dorfe daselbst hatte eine Storchfamilie ihre Wohnung auf einem Bauernhause aufgeschlagen, und als sie emsig damit beschäftigt waren, die noch nicht flügge Brut aufzuziehen, brach in diesem Hause Großfeuer aus. Da die alten Störche die Jungen nicht wegtragen konnten, flogen sie rings um das brennende Haus, stießen verzweifelte Töne aus, setzten sich dann in das Nest zu ihren Jungen und fanden mit ihnen den bitteren Tod in den Flammen.
Der Raben auch hier zu erwähnen, darf ich nicht vergessen, dann einer Mutter, die ihre Kinder schlecht behandelt, den Namen „Rabenmutter" beizulegen, ist ganz falsch, weil der Rabe für seine drei bis fünf Jungen Alles thut, um denselben das Leben sehr angenehm zu machen/ er baut für sie ein festes, weich ausgepolstertes Nest und er versorgt sie so reichlich mit Nahrung, die namentlich aus Ackerschnecken, Engerlingen und Würmern besteht, daß es eine Lust ist, zu sehen, wie sie wachsen und gedeihen. Zum Schutze seiner Jungen verfolgt er mit großem Geschrei alle Raubvögel, die sich in der Nähe des Nestes seiner Kinder blicken lassen, und | ebenso muthvoll verfolgt er am Tage den bösen Fuchs, der seinen Jungen auf der Erde nachstellt, wobei aber leider mancher Rabe für seine Liebe zu den Jungen mit seinem! Leben büßen muß.
Die schöne Elster, die aber nebenbei bemerkt recht schäd- 1 sich ist, muß aber doch auch zu den Vögeln gerechnet werden, !


