1897«

Donnerstag bett 18. Febrnnr.

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^Mtolz, Uebermuth und Pracht währt in die Länge nicht:

Wenn's Glas am hellsten scheint, fällt's auf die Erd' und bricht, Und wenn des Menschen Glück am höchsten ist gestiegen, So stürzt es unter sich und niuß zu Boden liegen.

Paul Gerhardt.

Das Haus der Schatten.

Roman von Robert Kohlrausch.

(Fortsetzung.)

Im Augenblick jedoch galt es, nicht zu überlegen, sondern zu handeln. Ein Unglücklicher hatte für sein Kmd ihr Herz um Hilfe angerufen, und es stand bei ihr fest, daß sie diese Hilfe nicht verweigern werde. Sie nahm Tafel und Griffel und schrieb in Hast ein paar tröstende Worte.Ihrem Kinde soll Hilfe werden. Ich selbst gehe jetzt gleich mit Ihnen und sehe nach der kleinen Kranken."

Als Bäsmann das freundliche Versprechen gelesen hatte, schlug er die Hände zusammen und offenbarte seinen Dank in seiner wortlosen, jetzt mit hervorströmenden Thränen untermischten Sprache. Frau Henninger, die Hut und Mantel noch nicht abgelegt hatte, war zu dem neuen Gange schnell bereit, nachdem sie noch ein paar Mittel aus ihrer Haus­apotheke und eine Flasche Wein eilig herbeigeholt hatte.

Es hatte zu regnen begonnen aus einem finsteren, beinahe schwarzen Himmel, als sie die Straße betraten, und in dieser traurigen Beleuchtung erschien der rasch erreichte Eingang zu Bäsmanns düsterer Gasse noch abschreckender als sonst. Ohne Zaudern aber folgte Frau Ina dem stummen Führer in die drohende Höhlung hinein und erstieg an seiner Hand die enge, unter ihren Tritten schwankende, von keinem Licht erhellte Treppe zu der Behausung des unglück­lichen Mannes. In ihrem Herzen brannte eine warme Flamme, und inmitten der tiefen Dunkelheit um sie her sandte sie ein leises, rasches Dankgebet zum Himmel, der sie gerade heute, am Tage der Trennung von dem Geliebten hierher geführt hatte. Es war ihr wie ein tröstliches, glückverheißendes Zeichen, daß sie die Zeit ihrer Einsamkeit mit einem guten Werke beginnen konnte.

Eine tropfende, flackernde, tief herabgebrannte Kerze, die in den Hals einer Bierflasche gesteckt war, schuf in dem Zimmer, das sie nun betraten, ein schwaches, unsicheres Licht.

Neben dem Ofen, in dem ein ersterbendes Feuer nur schwach noch glühte, war ein ärmliches Lager hergerichtet, und hier, mit einem Haufen alter Kleider bedeckt, lag Hannchens zarte, blaffe Gestalt. Frau Ina trat sogleich zu ihr heran, ergriff ihre heiße Hand und sprach freundliche Worte. Das Kind schien sie zu erkennen, aber sie versicherte sich dessen noch durch eine Frage. Hannchen nickte mit schwacher Kopfbe­wegung und flüsterte:Sie sind Frau Regierungsrath, Sie sind gut, Caroline hat es mir gesagt."

Mit Freude erkannte Frau Ina, daß die Kleine bei voller Besinnung war, und nun suchte sie durch vorsichtiges Forschen auch die Ursache der Krankheit zu erfahren. Gleich aber gerieth das Kind in fieberhafte Erregung.Fragen Sie mich nicht, bitte, bitte, fragen Sie mich nicht! Seit vor­gestern bin ich so krank, seit ich ihn gesehen habe, und nun steht er immer da neben mir oder an der Thür, oder er­faßt mich an. Bitte, bitte, fragen Sie mich nicht weiter."

Erschüttert erhob Frau Henninger den Kopf, den sie dicht über die Kranke gebeugt hatte. Sie verstand, was diese stammelnden, zuckenden Lippen meinten, sie wußte, daß die Erscheinung, die ihren festen Sinn hatte erschüttern sollen, hier den schwachen Geist eines Kindes in seinen Tiefen hatte erbeben machen. Mit noch verdoppeltem Mitgefühl sah sie auf das elende Gelaß, in dem die beiden Menschen vegetirten, auf diese vom Alter geschwärzten Wände, auf die niedrige, lastende, von schweren Balken durchzogene Decke, auf die kleinen Fenster, zu eng und zu klein, um Licht und Luft hereinzulaffen, auch wenn da draußen anstatt diefer düsteren, armbreiten- Gasse eine freie Straße oder ein offenes Feld gewesen wäre. Der Anblick des Elends aber erzeugte in ihrem guten, durch Liebe und Schmerz noch weicher gemachten Herzen einen raschen, hilfreichen Entschluß.

Mit einem Wink erbat sie sich von dem Taubstummen, der mit unruhigem Bangen jede ihrer Bewegungen verfolgt hatte, die Schreibtafel, trat zu dem ärmlichen Tische heran und schrieb in dem auf und niedersinkenden Lichte der schlechten Kerze Worte des Trostes für den Harrenden. , Ich glaube nicht, daß Hannchen sehr krank ist. Aber es fehlt ihr hier an Luft und Licht und guter Pflege. Ich will es ihr geben und sie, bis etwas Anderes sich gefunden hat, selbst zu mir in mein Haus nehmen. Sind sie damit einverstanden?"

Der Taubstumme las das Geschriebene, und seine Hände zitterten vor Freude, als er seine Antwort darunter setzte. Dank, Dank, tausend, tausend Dank! Nun Hannchen gewiß gesund. Muß hier fort. Wollte schon an Schwester schreiben, aber weit von hier. Hätte Hannchen nicht mehr gesehen,