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thun würde, wenn sie noch am Leben wäre. Ihr Öetbe da müßt Freunde von ihr sein, sonst würdet Ihr mich nicht so ausfragen. Wo ist sie?" Bei diesen Worten stand die Alte Plötzlich auf.Ich will sie zurück haben; sie muß jetzt ein schönes erwachsenes Mädchen sein."

Der Baronet machte eine abwehrende Geberde und er­widerte:Setzt Euch wieder, Mrs. Um Vergebung, Ihr habt mir Euren Namen noch nicht genannt."

Mein Name ist Black, junger Herr. Allein man hat mich schon seit zwanzig Jahren nicht bei diesem Namen genannt."

Setzt Euch also, Mrs. Black," fuhr Sir Gervase fort. Gegenwärtig wissen Nans Freunde selbst nicht, wo sie ist- sie hat dieselben unter eigenthümlichen Umständen verlassen. Ihr habt uns aber erst die Hälfte Eurer Geschichte erzählt. Es waren zwei Kinder, und nur das eine gehörte der Wittwe Eures Sohnes. Wer war das andere?"

Die alte Hexe schielte den Baronet seitwärts an.Ihr 'meint die schwarze Polly? Oh, das ist eine andere Geschichte!"

Erklärt Euch! Die Kinder konnnten nicht Schwestern gewesen sein."

Sie wandte sich plötzlich zu mir und sagte:Nein, sie waren keine Schwestern. Vielleicht möchtet Ihr gern etwas über Polly hören, Miß?"

Bis zu diesem Augenblick hatte ich nicht an mich selbst gedacht, jetzt aber erwachte meine schlummernde Neugierde. Gewiß," antwortete ich begierig.

Ich bin ein armes, »erlassenes altes Weib!" jammerte Großmutter Serag-ich muß mir mein Brod von Thür zu Thür erbetteln und habe keinen anständigen Fetzen auf dem Leib. Seht Ihr nicht, das ich vor Frost zittere? Werft doch Euren schönen Shawl um meine Schultern, Miß."

Ich gehorchte- es war der Shawl der alten Hopkins, allein ich dachte nicht daran.

Es ist eine sonderbare Geschichte mit Polly," fing sie nunmehr an,und der Art und Weise, wie ich zu ihr kam. Ich weiß eigentlich selbst nicht, wer sie ist, ich wußte es nie. Ehe Judith den hübschen Jack heirathete, wohnten wir zusammen im westlichen Theil der Stadt und verdienten unseren Unterhalt mit Waschen und der Verpflegung armer Säuglinge. In einer Winternacht es sind schon viele Jahre her kam ein hübscher junger Mann, der das Aussehen eines Gentleman hatte, mit einem kranken Baby in den Armen zu uns. Es war ein elendes, krankes Ding, nichts als Haut und Knochen, und sah aus, als ob es be­reits dem Tode verschrieben wäre. Judith und ich dachten, es könnte den Morgen nicht mehr erleben. Der junge Mann schien sehr bekümmert zu sein- er ließ sich indessen auf keine Erklärungen ein, sondern sagte, er müsse die Stadt noch in derselben Nacht verlassen und könne das Baby nicht mitnehmen- es wäre ihm lieb, wenn wir es bis zum folgenden Tage behalten wollten. Er sagte, es sei seine Tochter, und nannte uns offen und ehrlich seinen und ihren Namen. Judith versprach ihm, das Kind zu verpflegen - darauf gab er uns eine Banknote und einen Ring, in den einige Buchstaben eingravirt waren, worauf er sich entfernte. Bon jener Nacht an haben wir ihn niemals wiedergesehen.

Judith verpflegte das kranke Baby, als ob es ihr eigenes gewesen wäre- allmälig fing es an, sich zu erholen, und endlich wurde es gesund. Als wir sahen, daß der Vater nicht zurück kam, gab ich Judith den Rath, das Kind aus die Straße zu werfen, allein sie wollte nicht und that es auch nicht. Sie behielt es, denn sie behauptete stets, der Vater sei ehrlich und werde gewiß eines Tages kommen, um uns für unsere Mühe zu bezahlen. Die Kleider des jungen Dinges waren alle mit seinem Namen gezeichnet- Judith hob dieselben so sorgfältig auf, als ob sie von Gold wären, denn sie sagte, dieselben möchten eines Tages von großem Werthe sein, um dem Kind zu seinem Rechte in der Welt zu verhelfen.

Ich haßte die Kleine von Anfang an ebenso sehr, wie Judith sie liebte. Es war ein dünnes, braunes Ding mit kohlschwarzen Augen und einem häßlichen, handgroßen Fleck auf der einen Schulter eine Art Muttermal. Allein Judith hing sehr an dem Kinde und sagte, sie wolle es be­halten, ob sie jemals dafür bezahlt würde oder nicht.

Als wir den Balg ungefähr ein Jahr gehabt hatten, heirathete Judith den Jack Harkneß und gab ihre übrigen Pfleglinge weg, nicht aber die schwarze Polly - von der wollte sie nicht lassen- und als sie ein weiteres Jahr bei uns i gewesen war, starb Judith und überließ die Kleine mir. Kurz vor ihrem Ende mußte ich ihr schwören, daß ich Polly nicht weggeben wolle, es sei denn, daß ihre Anverwandten sie beanspruchten, daß ich sie mit ihrer eigenen kleinen Nan verpflegen und die Babykleider und den Ring sorgfältig auf­bewahren wolle. Um sie zu beruhigen, schwor ich, wie sie von mir verlangte. So lud ich mir denn Polly aus den Hals."

Sie hatte diese Geschichte wahrscheinlich noch keinem Menschen erzählt. Plötzlich hielt sie inne, hüllte sich dichter in den Shawl der Haushälterin und stöhnte jämmerlich. Nach einer geraumen Pause fuhr sie fort:Das Herz brach mir, als Judith starb - um meinen Kummer zu betäuben, griff ich zur Giuflasche. Es wurde mir immer schwerer, die beiden unnützen Bälge zu ernähren und so mußte ich mich endlich in dieser Alley niederlassen und die Kinder auf die Straße schicken, um zu betteln."

Plötzlich rief der Baronet:Wo sind die Dinge, von denen Ihr redet die Kinderkleider und der Ring? Habt Ihr sie behalten, wie Ihr Eurer Schwiegertochter auf ihrem Sterbebette gelobtet?"

Die Alte nickte und sagte:Ja, ich habe sie behalten. Ich war oft genug in Versuchung, sie zu verkaufen, manch­mal für Brod und manchmal für Gin. Dann aber dachte ich stets wieder, daß der Vater des Kindes eines Tages un­erwartet erscheinen und mir die Dinge sammt dem Balg abverlangen möchte. So behielt ich denn den ganzen Plunder."

Bringt sie mir her!" befahl Sir Gervase.

Sie erhob sich mit Mühe und hinkte nach einer Ecke der Dachstube, zu dem Wandschrank, in dem sie ihre zusammen­gebettelten Speisereste und die Ginflasche aufzubewahren pflegte. Dort stöberte sie geraume Zeit umher, während der < Baronet und ich sie stumm beobachteten. Endlich hob sie ein zerbrochenes Brett in die Höhe und brachte ein in braunes Papier geschlagenes und mit gewöhnlichem Bindfaden umwickeltes Packet zum Vorschein. Sie öffnete dasselbe und nahm eine kleine Rolle vergilbter Kinderwäsche und einen Ring heraus, der einem großen rothen Stein, einem Rubin, zur Fassung diente.

Der Baronet nahm den letzteren in die Hand, während ich mit zitternden Händen die winzigen Kleidungsstücke ergriff. Sie waren von feiner Leinwand- auf den altersgelben Bän­dern war ein Name noch immer deutlich zu lesen. Ich buch- stabirte denselben mit Mühe, denn es war bereits dunkel in der Dachkammer, und wandte mich dann mit bestürzten Blicken zu dem Baronet.

Dieser reichte mir den Ring dar. Auf der inneren Seite sah ich ein Wappenschild und die beiden Buchstaben , K. G-. in den goldenen Reif eingravirt.

Ich deutete auf den Namen in der Kinderwäsche und sagte:Lesen Sie und sagen Sie mir, ob ich wahnsinnig bin oder nicht!"

Sir Gervase las mit lauter Stimme den Namen: Ethel Grehlock."

Trotz des bedeutsamen Ausdruckes in dem Blicke des Baronets vermochte ich die Wahrheit anfangs nicht zu fassen.

Das ist wunderbar!" rief er. u

Können Sie es begreifen? Können Sie es glauben? murmelte ich, indem ich bald ihn, bald Großmutter Serag anblickte.