Zeit eben noch thun — unvorsichtigerweise ihrem mir allerdings etwas sonderbar vorkommendem Gedankengange, bis sie, allen Gesetzen einer gedeihlichen Jdeenassoziation Hohn sprechend, Plötzlich unvermuthet vor der Hutfrage energisch Halt machte.
Ich wagte den schüchternen Einwand, daß ja der vorjährige Sommerhut erst kaum einige Male getragen sei, daß er . .
Meine Frau fiel mir mit einer Rücksichtslosigkeit und Entschiedenheit, die ich bei ihr noch nie bemerkt hatte, in das Wort.
Was sie Alles gesprochen, das weiß ich nicht mehr, aber das weiß ich, daß ich, vor dieser Wortfluth mich auf die Straße rettend, mir mit heiligen Eiden innerlich gelobte, nie wieder eine derartige anscheinend harmlose Bemerkung in Gegenwart von Frauen zu thun. Eine äckte Frau kann Alles ertragen,- sie ist fähig, für den geliebten Mann jedes Opfer zu bringen, sie kann für ihn hungern und dürften, für ihn durch Feuer und Wasser gehen, aber sie kann eines für ihn nicht thun, einen vorjährigen Hut nnveräudert tragen.
Ich schlenderte, über die Unergründlichkeit der Frauen im Allgemeinen und über die der meinigen im Besonderen philosophirend die Straße entlang und stand, ganz wider meinen Willen, wie festgebannt vor einem ersten hiesigen Putz- und Modewaarengeschäft.
Ein dunkles Gefühl trieb mich in das Geschäft. Ich trat mit jener scheuen Unbehülflichkeit ein, mit der ein Mann an jenem Ort eben erscheint, dessen Kunstproducte die solideste und festeste Ehe auf Jahre lang erschüttern können. Dort auf dem Ladentisch sah ich sie liegen, mit großen Krämpen, mit kleinen Krämpen, mit hohen Deckeln und niedrigen Deckeln, kurz Hüte in allen Variationen. Ich sah unwillkürlich auf den meinigen, den ich in der Hand hielt- er hatte schon durch mehrere Saisons den Modelaunen beharrlichen Trotz geboten. Die stürmischen Jugendtage waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen, er hatte verschiedenerlei merkliche „Endrücke" empfangen, dem glatten Deckel hatte die Zeit übel mitgespielt, denn er wies hier und da einen weltschmerzlich-resignirten Zug auf und der Filz, der mit seinem spärlichen Haarbeftand sich angesichts so vieler blühender Colleginnen offenbar schämte, wurde auffallend röther.
Mein Blick schweifte wieder auf den Ladentisch. Ich hätte am liebsten mit beiden Armen die ausgestellten Hüte zusammenraffen und meiner kleinen, zürnenden Frau bringen mögen, um auf ihrem lieben Gesichtchen wieder das frohe Lächeln hervorzuzaubern.
Ein Gefühl der Entrüstung ergriff mich. Ein solch elendes Strohgeflecht vermag bei Deiner Frau heute mehr, als Du mit all Deiner Liebenswürdigkeit. Aber so sind einmal die Frauen- man lernt sie nie vollständig kennen. Man kann eine Frau vor dem sicheren Tode retten, verbiegt ihr aber ein wenig die Hutkrämpe, so kann man der bittersten Vorwürfe gewiß sein.
Die Verkäuferinnen hatten vollauf mit den um die neu angekommenen Frühjahrshüte sich schaarenden Damen zu thun, so daß ich unbeachtet blieb. Mit welch unbeschreiblicher Andacht richteten sich nicht alle die braunen, blauen, grauen und dunklen Augenpaare auf die einzelnen Modelle! Kein Gegenstand auf Erden vermag in gleich hohem Grade ein Frauenauge so zu entzücken, als ein neuer Hut, der Inbegriff von allem Reizenden, Kleidsamen, Phantasievollen, die Umrahmung des Gesichtes, die Krönung der ganzen Persönlichkeit.
Ein reizender Backfisch stand geradezu sprachlos vor dem „genialen" Modell eines exzentrischen Sommerhutes und faltete vor Entzücken die Hände, der niedliche Mund, aus dem zwei Reihen kleiner Perlzähnchen blitzen, blieb halbgeöffnet, brachte aber kein Wort hervor, gleichsam als ob die Sprache zu arm wäre, um dem Entzücken den würdigen Ausdruck zu geben.
„Gnädige Frau, der Hut kleidet Sie wirklich himmlisch!" versichert die Modistin einer Dame, genau so überzeugt und enthusiastisch, als im vorigen Jahre. — Daneben steht eine junge Dame und probirt Hut für Hot streng der Reihenfolge nach vor dem Spiegel. Sie scheint die Hüte besonders daraufhin zu prüfen, wie sie „ihm wohl darin gefallen würde." Diese Modelle, unter denen sich das kleine anmuthige Gesichtchen fast verliert, scheinen ihr zu extravagant. „Haben Sie nichts einfacheres, Fraulein?" „O, gnädiges Fräulein, werden sich schon daran gewöhnen," tröstet die kleine Verkäuferin.
In der That, eine recht angenehme Mode, an die man sich erst mühselig „gewöhnen" muß.
Es ist wirklich ein eigenartiger Anblick, die hübsch srisirten braunen, blonden und schwarzen Köpfchen, umrahmt von allen möglichen und unmöglichen Hutkrämpen, die eine entgleiste Pariser oder Wiener Modistinnenphantasie nur zu ersinnen vermag, siegesbewußt sich vor dem Spiegel hin- und herwiegen zu sehen, während die rosigen Zungen sich ohne Unterlaß regen. — Meine Gegenwart schien, so weit man von mir überhaupt Notiz nahm, die Schönen gar nicht zu stören. In einem Modebazar sinkt die Bedeutung des Mannes ungefähr zu jenem Grade herunter, den die männlichen Sklaven bei den Römerinnen hatten. Ich stand also einsam auf dem eisigen Gipfel meiner männlichen Würde und hüllte mich in düsteres Schweigen, bis die Hüterin dieser „heiligen Hallen" an mich herantrat.
Ich machte sie mit meinem Wunsche bekannt, einen modernen Frühjahrshut käuflich zu erwerben.
Niemals werde ich diesen Blick vergessen, mit dem sie mich ansah. Noch nie haben zwei Augen mit einem so unsagbaren Erstaunen auf mir geruht, als in diesem Augenblicke. Ein Fall, daß eine Dame nicht in eigener Person nach stundenlangem Hin- und Herwägen die Auswahl trifft, sondern einen Hut einfach durch eine andere Person, durch einen Mann, und dazu noch durch ihren eigenen Mann auswählen läßt, war ihr scheinbar noch nicht vorgekommen. Ich machte gewiß einen recht pantoffelmäßigen Eindruck. Ich wollte eben bis an die Haarwurzeln roth werden, überlegte mir es aber noch einmal und dachte: Du lieber Himmel, was war denn so außerordentliches dabei? Napoleon hat ja über die Toilette der Walevska sogar zwischen zwei Schlachten mit den Schneidern seiner Frau und feiner Freundinnen Berathungen gepflogen. Deßwegen kann man doch ein ganz anständiger Mensch sein, wenn man auch seiner Frau einen Hut kauft! — Ich sage das nicht, um mich zu entschuldigen, denn über den Geschmack der Männer ist nicht zu streiten, desto mehr aber über den der Frauen.
(Schluß folgt.)
Humoristisches.
Man muß seinem Nebenmenschen auch was gönnen. Charles (in ein Restaurant eintretend): „Du, John, ich muß Dir einen famosen Witz erzählen." — John'. „Geh', thu' mir den Gefallen und erzähl' ihn dem jungen Shmith da drüben. Ich kann den Menschen so wie so nicht ausstehen!"
* qr
*
Mormonismus. Fritzchen: „Mama, was ist das — Mormonen?" — Mama: „Mormonen, Fritzchen, sind eine Secte, bei der ein Mann dreißig, vierzig Frauen heirathen kann." — Fritzchen: „Ach Gott, ach Gott, das muß I« schrecklich fein!" — Mama: „Wie meinst Du das, Fritzchenr — Fritzchen: „Nun, denk' Dir nur, wenn man da von dreißig, vierzig Mamas Haue kriegt!"
Redaclion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in E«ßrri.


